Dachau Fünf verschiedene Meißel

Die Bildhauerinnen der Gruppe Pentacaela sind spät berufen. Erstmals stellen sie ihre Skulpturen im Wasserturm aus

Von Petra Neumaier, Dachau

Pentacaela nennt sich eine Gruppe von fünf Bildhauerinnen, die erstmals im Dachauer Wasserturm ausstellt. Der Name ist eine Kreuzung, eine Zusammenstellung, ein Mischmasch. Denn auch die Kunst der fünf Frauen ist trotz gemeinsamer Ausbildung alles andere als einheitlich. "Penta" ist griechisch und bedeutet fünf, "caela" hingegen kommt aus dem Lateinischen und heißt Meißel. "Wir haben nach einem Begriff gesucht, der mit uns und unserer Arbeit zu tun hat und schön klingt", sagt Angela Lenk, die Münchnerin. Es ist das erste Mal, dass sie gemeinsam mit ihren ehemaligen Studienkolleginnen - alle nicht aus Bayern - unter dem Namen Pentacaela ausstellt.

Riccarda Menger und Karin Soot-Böhmer aus Nordrhein-Westfalen, Karin Rahn-Hotze aus Hessen, Annegret Kalvelage aus dem Schwarzwald und Angela Lenk sind spät berufene Künstlerinnen. Kalvelage ist mit ihren 47 Jahren die Jüngste, die anderen sind Ende 50. Erst vor wenigen Jahren beschlossen die in ganz unterschiedlichen Sparten berufstätigen Frauen (von der Managerin bis hin zur Personalfachwirtin, Ingenieurin, Pharmazeutin und Kunsthistorikerin) ihr Hobby zu professionalisieren. Sie begannen ein dreijähriges berufsbegleitendes Studium an der Bildhauerhalle in Bonn. Auch nach dem Abschluss 2012 verloren sie sich nicht aus den Augen. "Diese Zeit hat uns sehr verbunden", erzählt Angela Lenk. Sie treffen sich regelmäßig mehrmals im Jahr, um gemeinsam zu arbeiten: in ihren Ateliers, die sie sich zu Hause oder an anderer, eher abgelegener Stelle ("wegen der Nachbarn - ab und zu heult ja auch die Motorsäge") eingerichtet haben. Zwar gehen sie zumindest in Teilzeit ihren Brotberufen noch nach, doch die Kunst, sagen sie unisono, ist längst kein Hobby mehr.

Annegret Kalvelage setzt ihren Frauenfiguren gern Kronen auf und stellt sie auf hohe Sockel.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Bislang stellten die fünf Frauen ihre Objekte noch getrennt aus. Jetzt, in Dachau, war Premiere einer gemeinsamen Ausstellung. Eine schweißtreibende, wie sie feststellen mussten: Die zum Teil sehr schweren Kunstwerke die vielen Stufen des Wasserturms hinauf zu schleppen, "war echtes Fitnesstraining", stöhnte nicht nur Riccarda Menger, trotz der Begeisterung über das wunderschöne Ambiente des Gebäudes.

Im Wasserturm kommen die völlig unterschiedlichen Objekte perfekt zur Geltung. Neben der gemeinsamen Ausbildung verbindet die Frauen der Hang zum Körperlichen. Damit sind sie den Ursprüngen des Studiums treu geblieben. "Bei der Bildhauerei fängt man ja immer mit Figuren an, um das Handwerk und die Technik zu lernen", erklärt Lenk. Über diese Anfänge hinaus haben jedoch alle ihre eigenen Materialien entdeckt und ihre eigenen Blicke entwickelt. Die eine hat sich auf Holz, die anderen auf Stein, Stoff, Metall oder Ton spezialisiert. Angela Lenk etwa verdreht und verknotet zum Beispiel Stoffe so geschickt, dass Figuren entstehen, die mal verkrampft miteinander ringen, dann wieder elegant um ihre eigene Achse tanzen oder sich um Holz winden. Zuweilen schweben sie auch in einem, nach allen Seiten offenen Würfel - ein solcher, wie er im Wasserturm über den Köpfen der Besucher hängt, nur größer, soll im nächsten Jahr in der Landesgartenschau in Bayreuth ausgestellt werden.

Der Frauenkörper, eher voluminös, rund und sehr weiblich, ist Annegret Kalvelages Thema: In ihren frühen Arbeiten tauchten sie noch zart aus dem rauen Urgestein heraus. "Ich trete gerne in den Dialog mit dem Material", sagt Kalvelage dazu. Jetzt stellt sie die sehr weiblich geformten Schönheitsköniginnen mit großer Krone auf hohe Sockel.

Anmutig und elegant ist der bronzierte Engel von Karin Soot-Böhmer, von dem sie hofft, "dass er eines Tages jemandem so gut gefällt, dass ich ihn groß in Bronze gießen kann". Aber sie kann auch anders: mit der Kettensäge, mit der sie zuweilen ihre fertigen Arbeiten entstellt, nicht willkürlich, sondern mit Bedacht. Karin Soot-Böhmer will eben, dass die Betrachter innehalten und nachdenken müssen. "Wahre Kunst ist es doch, wenn jeder seine eigene Geschichte in den Werken findet", erklärt sie und deutet auf das schwebende, bronzene Bein, das einen vielleicht viel zu großen Schritt macht.

Angela Lenk formt Körper aus verdrehten Tüchern.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Riccarda Menger macht hingegen totes Holz und Stein mit der Trennscheibe und der Flex lebendig und bringt selbst harten Granit optisch zum Schwingen. Sogar alten Grabsteinen und -umrandungen haucht sie Bewegung und Leben ein, während Karin Rahn-Hotze neben abstrakten Skulpturen "reife" Frauenkörper formt: gerne nach klassischem Vorbild, wie die "Badende", nur dass ihre Frau den Körper einer über 70-Jährigen hat. "Alter und Anmut widersprechen sich nicht", das will sie mit ihren Werken beweisen.

So unterschiedlich und vielseitig die fünf sympathischen Künstlerinnen auch sind: gemeinsam verbindet sie der Wunsch, sich künstlerisch auszudrücken. "Natürlich können wir nicht von der Kunst leben", sagt Angela Lenk. "Aber wenigstens leben wir sie."

Die Ausstellung "Pentacaela" ist bis Sonntag, 5. Juli, im Dachauer Wasserturm zu sehen: Dienstag bis Samstag von 15 bis 19 Uhr und Sonntag von 11 bis 18 Uhr, sowie nach Vereinbarung. Führungen finden am Samstag und Sonntag um 16 Uhr statt.