Tipps Radl-Check zum Frühlingsbeginn: Das sollte man beachten

Bremsen kontrollieren, Kette ölen und Reifen aufpumpen: Wer jetzt in die Saison starten will, sollte sein Fahrrad nach der Winterpause gründlich überprüfen lassen.

Von Julia Putzger, Dachau

So richtig ins Schwitzen kommen Radfahrer bei den derzeitigen Temperaturen und dem Blick auf die schneebedeckten Alpen noch nicht, ideale Voraussetzungen für eine gemütliche Tour.

(Foto: Toni Heigl)

Übervolle Terminkalender, Fahrräder dicht an dicht gedrängt, der Geruch von neuen Gummireifen in der Luft - in den Fahrradwerkstätten des Landkreises herrscht derzeit Hochbetrieb. Denn die ersten warmen Sonnenstrahlen des Frühlings locken die Umweltbewussten, die Sportlichen und die Wochenendausflügler mit dem Fahrrad ins Freie. Doch wer sich nach der Winterpause wieder auf den Drahtesel schwingt, sollte diesen zuvor am besten durchchecken lassen und darauf achten, sich im Straßenverkehr vorsichtig zu bewegen.

Das Rad frühlingsfit zu machen, dazu gehört nicht nur entstauben und putzen, sondern vor allem die Überprüfung der Fahrtauglichkeit. Die Richtlinien dafür sind in der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung festgeschrieben. Günther Findl von der Polizeiinspektion Dachau erläutert: "Das Fahrrad braucht Licht, Klingel und funktionierende Bremsen." Da letztere in der kalten Jahreszeit Schaden davon tragen können, ist ein Besuch beim Fachmann durchaus empfehlenswert. Dabei darf man jedoch nicht in Eile sein: In den Fahrradwerkstätten des Landkreises wartet man derzeit mindestens zwei Wochen auf einen Termin.

Zunächst auf eine kleine Probefahrt

Wer sich nicht solange gedulden möchten und die Überprüfung lieber selbst vornimmt, dem gibt der ADFC folgende Tipps: Nach dem Putzen sollten die Kette geölt und die Reifen aufgepumpt werden - dabei genau darauf achten, ob der Reifen beschädigt ist und ausgetauscht werden muss. Außerdem sollten Bremskabel überprüft werden und gegebenenfalls die Bremsen neu eingestellt werden. Wenn alles funktioniert, kann es losgehen - am besten jedoch zunächst auf eine kleine Probefahrt und nicht auf große Tour.

Wer seinen alten Drahtesel nicht mehr reparieren lässt, steigt häufig aufs E-Bike um. Die Motoren der neuen Modelle, wie hier bei Radsport JAKO, sind meist im Rahmen integriert.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

"Dienstagvormittag ist Bastlertag", sagt Andreas Nastoll, Inhaber von Radsport Böhm in Dachau, mit einem Schmunzeln. Der Grund: Am Wochenende würden viele das Rad aus dem Keller holen, dann aber feststellen, dass nicht alles rund läuft. Da das Geschäft montags geschlossen ist, "bekommen wir dann dienstagmorgens in alte Lappen gepackte Überraschungspakete." Für die manchmal jahrzehntealten Zahnkränze, Radlager und Bremszüge gebe es aber leider nicht immer Ersatzteile.

Wenn also ein neues Radl her muss, dann fällt die Wahl in fast der Hälfte der Fälle auf ein Pedelec, auch E-Bike genannt. Klangvolle Namen wie Reaction Hybrid, Futura, Espresso, Macina Mighty oder Whistler lassen erahnen, was auf die Käufer zukommt. Doch die durch einen elektrischen Motor unterstützten Fahrräder sind keineswegs einheitlich, denn auch das Zielpublikum ist größer geworden. Pedelecs gibt es mittlerweile als bullige Mountainbikes, kompakte Cityräder oder universelle Crossbikes. Das Klischee vom gemütlich dahindüsenden Senioren gilt also längst nicht mehr. Was den neuen E-Bikes aber allen gemein ist: Der Motor ist möglichst unsichtbar im Rahmen integriert und nicht wie bei Vorgängermodellen etwa gut sichtbar unter dem Gepäckträger montiert. "Die alten Modelle werden bald vom Markt verschwinden", vermutet Mark Jantjies von Radsport JAKO in Dachau.

Im Trend liegen neben den motorisierten Fahrrädern auch Fahrradschlösser, um die teilweise mehrere tausend Euro teuren Fortbewegungsmittel vor Diebstahl zu schützen. Dabei seien besonders kompakte Faltschlösser beliebt, weiß Nastoll: "Der Trend geht weg vom unhandlichen Bügelschloss und hin zum Faltschloss. Auch die kleinen türkisen Flicksets für unterwegs würden gern gekauft.

Vergisst man allerdings dieses Set in den Ausflugsrucksack zu packen, kann ein Platten der Fahrradtour ein jähes Ende setzen. Denn Service- und Pumpstationen, an denen man schnelle Reparaturen selbst durchführen kann, scheint es im Landkreis nicht zu geben. "Bei der Eröffnung des Fahrradparkhauses am Dachauer Bahnhof gab es eine solche Station. Sie war allerdings nach wenigen Tagen leer geräumt und wurde dann wieder abgebaut", sagt Michael Kraus, der beim Dachauer ADFC für Radverkehrspolitik zuständig ist.

Tipps für Fahrradtouren

Besonders tückisch sei in letzter Zeit vor allem der Rollsplit gewesen, der bei Glätte auf die Fahrbahn gestreut wird. Viele Platten seien durch die scharfkantigen Steinchen verursacht worden, erklärt Mark Jantjies. Sobald der Rollsplit entfernt wird, steht dem Radfahren aber nichts mehr im Weg. Denn aktuelle Sperren oder Baustellen auf Radwegen im Landkreis sind der Polizeiinspektion Dachau nicht bekannt. Für die ersten Touren der Saison schlägt Monika Zott, Vorsitzende des ADFC Dachau, Ziele in der näheren Umgebung und gemütliche Touren vor. Besonders lohnend sei etwa eine Fahrt entlang der Amper oder durch das Moos Richtung Schleißheim. Von April an bietet der ADFC außerdem geführte Radtouren an.

Tipps für Fahrradtouren findet man auch auf der Website der Tourismusgemeinschaft Dachauer Land oder in der neu aufgelegten Radfahrkarte für den Landkreis. Der Verein Dachau Agil hat zudem mehrere Themenradwege eingerichtet: Der 7-Klöster-Weg, der Sonnenweg oder der Altbaierische Oxenweg versprechen spannende Entdeckungen.

Läuft alles rund? Die Fachmänner in der Werkstatt von Radsport Böhm haben derzeit alle Hände voll zu tun.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Bei all der frühlingshaften Idylle gilt jedoch stets: Augen auf im Straßenverkehr! "Wie alle Verkehrsteilnehmer müssen auch die Radfahrer sich an die Regeln halten", erklärt Michael Kraus, "nur dann gibt es Sicherheit für alle." Auch Polizeihauptkommissar Günther Findl betont: "Gegenseitige Rücksichtnahme ist das wichtigste." Für Fahrradfahrer bedeutet das vor allem, dass sie den richtigen Straßenteil benutzen müssen: "Die mit blauen Schildern gekennzeichneten Radwege müssen benutzt werden", sagt Findl. Gehwege mit der Zusatztafel "Radfahrer frei" können benutzt werden, müssen aber nicht. Unabhängig davon warnt der Polizist auch vor sogenannten "Geisterradfahrern", die auf der falschen Straßenseite radeln. Eine besondere Gefahrenstelle sind außerdem Zebrastreifen.

In den vergangenen Wochen habe es zwei schwere Unfälle gegeben, weil Radfahrer den Schutzstreifen einfach überquerten ohne abzusteigen. Denn nur bei als Fuß- und Radübergang gekennzeichneten Stellen dürfen Fahrradfahrer einfach weiterfahren, ansonsten müssen sie das Rad schieben. "Als Radfahrer hat man einfach keine Knautschzone", sagt Findl. Darum empfiehlt die Polizei allen Fahrradfahrern das Tragen eines Helmes. Um Unfälle zu vermeiden, setzt die Polizei außerdem auf Präventionsmaßnahmen und ist regelmäßig an den Schulen im Landkreis unterwegs. Kinder können auch die "Radlprüfung" ablegen. "Oft ist es dann so, dass die Kinder die Regeln besser beachten als die Erwachsenen", stellt Findl fest.

Wenn die Tage nun also wärmer werden, das Fahrrad frühlingsfit und der Proviant gepackt ist, dann sollte ein jeder kräftig in die Pedale treten. Denn wie singt etwa Max Raabe: "Nichts ist so schön wie Fahrrad fahr'n."