Fachkräfte:"Ab jetzt haben wir weniger Freizeit, aber auch mehr Geld"

Fachkräfte: Das Auslands-Sprachstipendium wird von Sabrina Steinau an Julian Ernstberger verliehen. Er ist einer der 167 Absolventen der Dachauer Nikolaus-Lehner-Berufsschule.

Das Auslands-Sprachstipendium wird von Sabrina Steinau an Julian Ernstberger verliehen. Er ist einer der 167 Absolventen der Dachauer Nikolaus-Lehner-Berufsschule.

(Foto: Toni Heigl)

167 Auszubildende erhalten ihr Abschlusszeugnis an der Nikolaus-Lehner-Berufsschule in Dachau. Jeder Sechste von ihnen bekommt sogar einen Staatspreis verliehen.

Von Greta Kiso, Dachau

Die vordersten Reihen bleiben frei und hinten ist jeder Platz besetzt. Die Ordnung ist in Schulen gesetzt: Wer cool ist, will hinten sitzen. Die Abschlussfeier der Dachauer Nikolaus-Lehner-Berufsschule am Dienstag ist da keine Ausnahme. Der einzige Unterschied: Schulleiter Frank Ritzel, Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD), Landrat Stefan Löwl (CSU) und die Ausbilder stemmen sich gegen die eingeübte Ordnung und füllen die erste Reihe. Doch der Abschluss wird in diesem Jahr etwas ruhiger gefeiert als gewohnt. Die schuleigene Lehrerband "Rocking Teachers" wird vermisst, sie ist terminlich verhindert.

167 Absolventen werden dieses Jahr verabschiedet. Samir Bremmer und Maximilian Schörghuber sind zwei von ihnen. Sie haben ihre Ausbildung zum Kaufmann im E-Commerce bei BMW in München gemacht. Samir Bremmer sagt: "Die Schule war immer ein guter Ausgleich zur Arbeit. Jeden Monat waren wir eine Woche hier". Der 23-Jährige findet es schade, dass seine Ausbildung nach zweieinhalb Jahren schon zu Ende ist. "Ab jetzt haben wir weniger Freizeit, aber auch mehr Geld". Sein Freund Maximilian Schörghuber gehört mit einem Notendurchschnitt von 1,0 zu den vier Jahrgangsbesten. Der Kaufmann plant jetzt erstmal, in seinem Job richtig anzukommen. Auf jeden Fall möchte er aber noch studieren. "Die Erfahrung möchte ich einfach noch machen. Vielleicht auch berufsbegleitend, wenn das möglich ist". Wirtschaftsinformatik oder BWL kann sich der 21-Jährige dafür gut vorstellen.

"Die Zukunft haben Sie jetzt selber in der Hand". Mit diesen Worten entlässt Schulleiter Frank Ritzel die jungen Absolventinnen und Absolventen. Ihre duale Ausbildung sei eine solide Basis für die Karriere in wirtschaftlich unsicheren Zeiten, so der Schulleiter. Mit ihrer Ausbildung seien seine Schützlinge jetzt qualifizierte Fachkräfte und gehörten zum Rückgrat der Gesellschaft.

Fachkräfte: 27 Absolventinnen und Absolventen haben für ihre Bestleistungen einen Staatspreis bekommen.

27 Absolventinnen und Absolventen haben für ihre Bestleistungen einen Staatspreis bekommen.

(Foto: Toni Heigl)

Während in den hinteren Reihen mit einem Zischen die ersten Getränkedosen geöffnet werden, beginnt Landrat Löwl seine Rede über Verantwortung. Credo des Namensgebers der Schule Nikolaus Lehner sei es gewesen, dass es für die Freiheit der Menschen immer auch Verantwortung brauche, sagt Löwl. Seit 2014 trägt die Schule den Namen des KZ-Überlebenden Nikolaus Lehner. Die jungen Leute sollten jetzt nach ihrem Abschluss Verantwortung übernehmen, so Löwl. Nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Gesellschaft. Sie sollten ihr Wahlrecht nutzen und sich ehrenamtlich einbringen. Der Landrat appelliert an die Absolventinnen und Absolventen mit Engagement, Empathie und Freude in ihre erlernten Berufe zu gehen.

Die Schulfahrt nach Italien bleibt in Erinnerung

Angélique Becker lässt die Schulzeit als Vertreterin der Auszubildenden noch einmal mit einem Augenzwinkern Revue passieren. Mit 26 anderen Absolventen bekommt sie für ihre Bestleistungen mit einem Notendurchschnitt von unter 1,5 einen Staatspreis verliehen. Dazu gibt es einen Buchpreis über die Dachauer Zeitgeschichte. In ihrer Rede erzählt sie von der Schulfahrt nach Italien, den technischen Defiziten der Räumlichkeiten und dem chronischen Parkplatzmangel vor der Schule. Becker betont, sie alle könnten stolz auf ihren Abschluss sein. Schade wäre aber, dass sie von jetzt an elf Wochen weniger Urlaub im Jahr hätten. "Bildung ist die Fähigkeit, das Wesentliche vom Unwesentlichen unterscheiden", sagt Becker. Das hätten sie jetzt gelernt.

Sabrina Steinau von der Sparkasse Dachau verleiht zum Ende der Veranstaltung das Auslands-Sprachstipendium an Julian Ernstberger. "Mit dem Stipendium möchte ich wahrscheinlich eine Woche nach London", sagt der Kaufmann im E-Commerce. An der Englischprüfung zur Qualifizierung für das Stipendium hätten nur zwei Schüler teilgenommen, erzählt er. Nach der großen Verleihung wird es in der Aula der Berufsschule schnell unübersichtlich. Für die Zeugnisvergabe kommen alle Absolventinnen und Absolventen ein letztes Mal in ihren Klassen zusammen.

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