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Bergkirchen:Einig im Widerstand

"Die Glas, die haben sich halt nicht verbiegen lassen": Das Ehepaar Glas aus dem Bergkirchener Ortsteil Bibereck mit ihren insgesamt fünf Söhnen.

(Foto: privat)

Josef, Johann und Benno Glas stehen gegen den Nationalsozialismus auf, werden verhaftet und im KZ Dachau eingesperrt. Die Ausstellung "Das Lager und der Landkreis" zeichnet die Lebensgeschichten der drei Brüder aus Bergkirchen nach

In dunklen Anzügen, das Haar streng gescheitelt, stehen die drei Buben hinter den Eltern und den beiden jüngeren Brüdern. Ernst blickt die Familie aus dem Bergkirchener Ortsteil Bibereck drein auf diesem Foto, aufgenommen um 1914. Noch ahnen Josef, Johann und Benno Glas, damals noch Schüler, der älteste keine 13, nichts von ihrem Schicksal. Doch später im Leben werden sie als Handwerker und Arbeiter der Arbeiterbewegung und den Freien Gewerkschaften nahestehen. Werden sich auch nach der Machtübernahme durch Adolf Hitler weiter für ihre politischen Ziele einsetzen, den Nationalsozialismus bekämpfen. Aktivitäten, die alle schon zu Beginn der NS-Zeit ins Dachauer Konzentrationslager bringen.

Die beeindruckenden, dabei recht unterschiedlichen Lebensgeschichten der drei Glas-Brüder hat Agathe Halmen, unterstützt von Andreas Kreutzkam, jetzt für das Projekt "Das Lager und der Landkreis" nachgezeichnet. Für jeden wurde ein Gedächtnisblatt mit dem Familienbild erstellt. Präsentiert werden die Biografien von Josef, Johann und Benno Glas jetzt im Rahmen der Wanderausstellung "Das Lager und der Landkreis", die am Donnerstag, 19. Januar, im Bürgerzentrum Bruggerhaus um 19 Uhr feierlich eröffnet wird.

"Wenn's ihr wissats, wies da drin zugeht, aber i derf da nix sag'n." Das war alles, was Johann Glas später in der Familie über seine KZ-Haft erzählt hat. Überhaupt haben die Glas-Brüder nicht viel berichtet über ihre Jahre im Konzentrationslager und darüber, was sie während ihrer Lagerhaft erdulden mussten. "Sogar den eigenen Angehörigen nicht, dadurch wurde vieles nicht überliefert", weiß Agathe Halmen. Die junge Frau hat 2016 ein freiwilliges Friedensdienstjahr an der evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau geleistet. Als Teil ihrer Arbeit hat sie am Projekt Gedächtnisbuch für die Häftlinge des KZ Dachau mitgearbeitet und die Biografien der drei Glas-Brüder recherchiert. Entstanden sind so drei Gedächtnisblätter, die den Lebensweg der Bergkirchener nachzeichnen.

Rasch wird deutlich: So unterschiedlich die drei Männer und ihr Lebensweg auch waren, so einig waren sie sich ganz offenbar im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Nach ihrer Kindheit auf dem elterlichen Anwesen in Bibereck haben Josef, Johann und Benno Glas in unterschiedlichen Berufen gearbeitet. Bei Hitlers Machtergreifung waren die zwischen 1901 und 1905 geborenen Glas-Brüder alle bereits erwachsene Männer und teilweise mehrfache Familienväter. Aber alle standen auch der Arbeiterbewegung nahe. Der jüngste, Benno, war Mitglied in der SPD, schloss sich rasch dem Widerstand an und verteilte gemeinsam mit seinem Bruder Johann regelmäßig Flugblätter gegen das NS-Regime. Ob auch der älteste Josef an dieser Flugblattaktion beteiligt war, konnte Agathe Halmen bei ihrer Recherche nicht herausfinden. Doch 1933 wurden Josef und Benno verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau gebracht. Bereits im Juli wurden die Brüder entlassen, vermutlich, weil ihre Mutter gestorben war. Trotz der KZ-Haft gab Benno Glas nicht auf, blieb im Widerstand aktiv. Und wurde Mitte Juni 1935 ein zweites Mal verhaftet. "Wegen Vorbereitung zum Hochverrat" kam er zunächst nach Stadelheim, dann ins KZ Dachau.

Ebenfalls eingesperrt wurde seine Frau Walburga, die Benno Glas bei seinen politischen Aktivitäten unterstützt hatte. Während die hochschwangere Frau bald entlassen wurde, kam Benno Glas erst 1938 frei. Auch sein Bruder Johann, gemeinsam mit Benno im Widerstand aktiv und 1933 der Verhaftung entgangen, wurde 1935 von seinem Arbeitsplatz weg verhaftet und ins Konzentrationslager gebracht. Auch er kam erst 1938 wieder in Freiheit. Bald danach trennten sich die Wege der Brüder: Josef Glas arbeitete bei Kraus-Maffei, weswegen er nicht zur Wehrmacht einrücken musste, so Agathe Halmen in seinem Gedächtnisblatt. Johann hatte nach seiner Entlassung aus dem Konzentrationslager mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, seine Ehe war während der Haft zwangsweise geschieden worden. "Beeindruckend ist, dass er nicht aufgegeben hat", schreibt Agathe Halmen. Der jüngste Bruder Benno Glas musste an die Front, wirkte nach dem Krieg von 1946 bis 1948 als Gemeinderat und verließ später Bergkirchen. Unterschiedliche Lebenswege, die eines eint, wie ein Neffe sagt: "Die Glas, die haben sich halt nicht verbiegen lassen."

Die ausführlichen Biografien der Brüder Glas und anderer NS-Verfolgter aus dem Landkreis zeigt die Wanderausstellung "Das Lager und der Landkreis", die am Donnerstag, 19. Januar, von Projektleiterin Sabine Gerhardus und Bürgermeister Simon Landmann (CSU) eröffnet wird. Agathe Halmen und Andreas Kreutzkam stellen die Lebenswege der Brüder Glas vor.

Die Ausstellung im Bürgerzentrum Bruggerhaus dauert bis Freitag, 10. Februar. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Donnerstag von 9 bis 13 Uhr, Donnerstag auch von 14 bis 18 Uhr.