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Bebauung:Wohnen im Ortskern

Die Gemeinde Petershausen entwickelt mitten in Kollbach auf einer alten Hofstelle neue Häuser

Ein Mittel gegen die Wohnungsnot in der Region heißt Nachverdichtung und Entwicklung im Ortskern. Genau diesen Weg beschreitet Petershausen jetzt an der Schulstraße in Kollbach. Mitten in dem 820-Einwohner-Dorf konnte die Gemeinde im vorigen Jahr eine alte Hofstelle kaufen. Nun wird für das 6500 Quadratmeter große Areal ein Bebauungsplan entwickelt. Bauplätze für neun Einfamilien- und Doppelhäuser sind geplant. Aber auch ein Mehrfamilienhaus mit acht Wohnungen gehört zum Konzept, das der Bauausschuss jetzt gebilligt hat. Diese Wohnanlage könnte die Gemeinde voraussichtlich selbst bauen, um dort preiswerte Wohnungen für weniger solvente Petershausener anzubieten. Über diesen Vorschlag von Bürgermeister Marcel Fath (FW) wird der Gemeinderat im März beraten. Festzulegen gilt es auch noch die Vergabekriterien für die Grundstücke, die an Einheimische gehen sollen.

Für das L-förmige Grundstück zwischen Rettenbacher- und Schulstraße legte Planer Eckhard Emmel den Gemeinderäten jetzt sein Konzept vor. Danach wird das neue Baugebiet mit einer Stichstraße erschlossen, die in einem Wendehammer mündet. Allein diese Verkehrsanlage braucht einigen Platz, weil immer größere Müllfahrzeuge zum Einsatz kommen, so dass die Wendefläche einen Durchmesser von 22 Metern aufweisen muss. Im Norden der Zufahrt wird das dreigeschossige Mehrfamilienhaus liegen, im Süden und östlich zur Rettenbacher Straße hin sind Einfamilien- und Doppelhäuser vorgesehen. Die Baufläche wird dafür aufgeteilt in "kompakte" Grundstücke mit etwa 300 Quadratmetern, erklärte Planer Emmel. So entstehe eine verdichtete Bauweise, wie sie Gemeinde und auch das Landratsamt als zuständige Baubehörde befürworten. Erhalten wird der alte Baumbestand an der Böschung zur Rettenbacher Straße. Die übrigen Stämme, "Krüppelholz", wie der Rathauschef sagt, werden schon in den nächsten Tagen in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde gefällt.

Intensiv diskutierten die Gemeinderäte im Bauausschuss die Verkehrserschließung. Denn die Entwicklung der alten Hofstelle zu einem kleinen Wohngebiet soll genutzt werden, um die enge Schulstraße im Bereich der neuen Siedlung auf 5,50 Meter zu verbreitern. Aktuell müssen dort im Begegnungsverkehr Autofahrer zurücksetzen, weil die schmale Fahrbahn ein ungehindertes Passieren unmöglich macht. Dieses Plus an Verkehrsfläche möchte die CSU-Fraktion nutzen, um einen Gehweg einzurichten. "Es werde Familien herziehen und dort sind viele Kinder unterwegs zum Sportplatz", erklärte Hilde Weßner (CSU). Da gelte es, "die einmalige Chance zu nutzen", mahnte Josef Gerer (CSU). Allerdings könnte ein Bürgersteig nur auf Höhe des neuen Wohngebiets entstehen, würde davor und danach wieder auf der Fahrbahn enden.

Planer Emmel schlug daher vor, besser einen verkehrsberuhigten Bereich einzurichten. Mit einer gepflasterten Entwässerungsrinne in der Fahrbahn lasse sich dann ein Fußgängerbereich markieren. Dennoch könnten aber alle Verkehrsteilnehmer den gesamten Straßenraum im Sinne eines "Shared Space" mit gegenseitiger Rücksichtnahme nutzen. Das findet Ernst Nold (FW) gut, "denn wir müssen wegkommen vom autogerechten Denken." Der CSU-Antrag, einen konventionellen Gehweg zu planen, fand keine Mehrheit.

Diskutiert wurde auch die Art der Bebauung. Häuser mit Erdgeschoss plus ausgebautem Dach, was als Variante zulässig sein sollte, missfallen Ernst Nold (FW). Die für einen Dachausbau nötigen Gauben machen die Nutzung von Fotovoltaik und Solarthermie schwierig, so sein Argument. Rasch einigten sich die Räte, Gebäude mit zwei Vollgeschossen und flachem Dach vorzusehen. Allerdings darf die Dachneigung nach Intervention von Josef Gerer (CSU) bis zu 30 Grad betragen, Gauben bleiben zulässig.

Der überarbeitete Entwurf wird nun öffentlich ausgelegt, gleichzeitig schon die alte Hofstelle abgebrochen. Wenn alles nach Plan geht, könnte im Sommer die Erschließung des Grundstücks erfolgen.