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Bauen in der Dachauer Altstadt:Streit um ein Prestige-Projekt

Der Investor für den Umbau des Rössler-Anwesens fühlt sich von der Stadt gegängelt, weil neue Auflagen seine Planung konterkarieren. Das Bauamt kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen

Um den Neubau und die Sanierung des Rössler-Anwesens in der Dachauer Altstadt gibt es Ärger. Der Bauträger C. S. Invest GmbH, ein familiengeführtes Bauunternehmen mit Sitz in München, fühlt sich von der Stadt gegängelt und hinters Licht geführt. Anlass des Unmuts ist die Aussage des Bauamts, dass die eingereichte Bauplanung nicht genehmigungsfähig sei - wegen Mängeln beim Brand- und Denkmalschutz. In dem Anwesen sollen 19 Eigentumswohnungen mit einer Tiefgarage und zwei Ladenflächen entstehen. Der Investor kritisiert, dass von diesen Auflagen bislang nie die Rede war. Handlungsbevollmächtigter Florian Dattinger hat den Verdacht, dass die C. S. Invest GmbH aus dem Projekt gedrängt werden soll. Die Stadt kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen. Denn die Fachstellen hätten erst nach Vorlage der konkreten Planung Stellung bezogen.

Rössler Anwesen

Ein Blick in den Dachstuhl des Rössler-Anwesens, den die Denkmalschützer erhalten wollen.

(Foto: Nils P. Jørgensen)

Der Investor reichte am 28. März dieses Jahres einen Bauantrag ein - in dem Glauben, es seien alle Punkte geklärt. Nach seiner Darstellung fand am 18. November ein Ortstermin mit Vertretern der Denkmalschutzbehörde und des Bauamts statt. Ergebnis: Das Gebäude an der Pfarrstraße 11 kann neu errichtet werden, wenn die Fassade an der Straße erhalten bleibt. Auch der Neubau des Hauses an der Pfarrstraße 12 sei klar gewesen. Unter diesen Voraussetzungen stellte C. S. Invest der Denkmalschutzbehörde und dem Bauamt die Eingabeplanung vor, wobei nur kleine Korrekturen an den Gauben gefordert wurden. Anschließend wurde der Bauantrag eingereicht. Völlig unverständlich ist es Dattinger, warum die Hülle der beiden Häuser jetzt komplett erhalten werden muss. Aus dem Wortlaut des städtebaulichen Vertrags gehe einwandfrei hervor, dass die Genehmigung zum Abriss der Gebäude erteilt werde. "Unter diesen Voraussetzungen sind die Baueingabe und der bisher angefallene Planungsaufwand hinfällig", sagt Dattinger.

Rössler Anwesen

Die C.S. Invest GmbH möchte auf dem Rössler-Anwesen 19 Eigentumswohnungen, eine Tiefgarage und zwei Ladenflächen bauen.

(Foto: Nils P. Jørgensen)

Der Investor fürchtet, dass Projekt aufgeben zu müssen

Auch die Aufforderung, den Brandschutz neu zu regeln, kann er nicht nachvollziehen. Wie er darlegt, wurde das Konzept mit der örtlichen Feuerwehr abgestimmt. Demnach sagte ein Vertreter der Feuerwehr am 27. September 2016, dass die Feuerwehr ihre Zustimmung geben werde. Bei einer Besprechung im Bauamt am 9. Dezember hieß es jedoch, dass laut Kreisbrandrat der zweite Rettungsweg in den Innenhof des Bauvorhabens über mehrere benachbarte Grundstücke führen muss und nicht über die beiden Durchgänge auf dem Rössler-Anwesen. Durch diese Auflage werden laut Dattinger ein Neubau und eine Sanierung unmöglich. "Das sind K.O.-Kriterien für den Bau. So werden wir den Antrag zurückziehen müssen." Bisher seien Planungskosten von mindestens 200 000 Euro angefallen, die sich das Unternehmen möglicherweise auf dem Klageweg zurückholen will. Der Bauträger hofft aber weiter darauf, eine "gemeinsame, vernünftige Lösung" zu finden.

Die Stadt hat für die Vorwürfe des Investors kein Verständnis. Denn die Probleme seien erst nach Vorlage der konkreten Planung klar geworden. "Die Fachstellen hatten bei der Baueingabe noch keine Stellungnahmen bezogen", erklärt die stellvertretende Leiterin des Bauamts, Ariane Jungwirth. Der Brandschutz sei schwierig und müsse umgeplant werden. So, wie er vorliegt, werde er nicht genehmigt. Für die Befahrung der Nachbargrundstücke braucht der Investor eine Grunddienstbarkeit. Doch das Unternehmen habe noch keine Unterschriften vorgelegt. "Es gibt das Risiko, dass die Nachbarn klagen", sagt Jungwirth. Beim Denkmalschutz gibt es jetzt die Forderung, die Kubatur des Hauses in der Pfarrstraße 11 komplett zu erhalten. Die Stadt wolle nichts blockieren, es gehe nur darum, eine Baugenehmigung zu erteilen, die allen Regelungen Rechnung trägt. "Das wird alles nüchtern abgearbeitet", erklärt die stellvertretende Leiterin des Stadtbauamts. "Wenn der Bauträger nicht mehr weitermachen will, ist das seine Entscheidung."

© SZ vom 20.12.2016

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