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Ausstellung:Retter tausender Juden

Zeitzeugengespräch mit der Stieftochter von Carl Lutz

Die Ausstellung über Carl Lutz, den vergessenen Judenretter von Budapest, kann wegen zollrechtlicher Probleme nicht gezeigt werden. Das teilt die Evangelische Versöhnungskirche an der KZ-Gedenkstätte Dachau mit. Stattdessen zeigen die Veranstalter im Gesprächsraum der Kirche bis 31. Mai eine Ausstellung "Gegen Rassismus - Stimmen der Jugend aus aller Welt". ASF-Freiwillige haben Bekannte und Freunde aus mehreren Nationen dazu befragt. Das Zeitzeugengespräch am Donnerstag, 16. Mai, um 19.30 Uhr mit der Stieftochter von Carl Lutz findet jedoch statt. Agnes Hirschi (81) spricht erstmals in Dachau über ihren Stiefvater, Vizekonsul Carl Lutz (1895-1975).

Der Schweizer Diplomat hat im Zweiten Weltkrieg in Budapest mehr als 50 000 Juden vor dem Transport in die Konzentrations- und Vernichtungslager bewahrt. Mehreren tausend jüdischen Flüchtlingen verhalf der Vizekonsul zur rettenden Flucht ins britische Mandatsgebiet Palästina. Als im März 1944 die deutsche Wehrmacht in Ungarn einmarschierte, um einen Separatfrieden des Landes mit den Alliierten zu verhindern, begannen die Nationalsozialisten und ihre ungarischen Helfer mit der Deportation der großen jüdischen Gemeinschaft in die Vernichtungslager. Lutz bot den Verfolgten in 72 angemieteten Häusern eine Zuflucht. Er holte auch bereits Deportierte wieder nach Budapest zurück.

Carl Lutz gehörte als Mitglied der evangelisch-methodistischen Kirche 1964 zu den ersten von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als "Gerechter unter den Völkern" gewürdigter nichtjüdischer Judenretter. Er war dreimal für den Friedensnobelpreis nominiert. Agnes Hirschi zählt selbst zu den Geretteten. Ihre Mutter wurde von Lutz als Hausdame eingestellt und heiratete später den Diplomaten.

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