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Ausbau des Karlsfelder Busverkehrs:Alle 20 Minuten nach Dachau und Moosach

Über keine Linie haben die Gemeinderäte so lange debattiert wie über die MVV-Buslinie 710.

(Foto: Toni Heigl)

Karlsfelds Gemeinderäte sprechen sich dafür aus, den Takt der Buslinie 710 zu erhöhen. Das geht allerdings nur, wenn die Schleife durch Garten- und Krenmoosstraße entfällt. Auch auf der Route 160 soll es Änderungen geben. Bindende Beschlüsse kann aber erst der Kreisausschuss fassen

Knapp zwei Stunden lang haben Karlsfelds Gemeinderäte in ihrer jüngsten Sitzung darüber diskutiert, wie die Zukunft des Busverkehrs in der Gemeinde künftig aussehen soll. Vorlagen dazu lieferten Peter Sigmund vom Landratsamt und Oliver Faltlhauser von der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), die im Vorfeld geäußerte Karlsfelder Wünsche berücksichtigt hatten. Allerdings konnten die Karlsfelder Kommunalpolitiker nur Empfehlungen abgeben, denn die endgültigen Beschlüsse wird der Kreisausschuss entweder am 6. März oder am 3. April fassen. Wirksam werden sollen die Neuerungen erst zum Fahrplanwechsel im Dezember 2021.

Am ausführlichsten wurde über die Linie 710 von Dachau nach Moosach diskutiert, die zukünftig im 20-Minuten-Takt bedient werden wird. Um dies problemlos zu schaffen, sollen die Busse nicht mehr die Schleife durch Garten- und Krenmoosstraße fahren. Damit hätte man laut Sigmund zugleich einen weiteren dringlichen Karlsfelder Wunsch erfüllt, nämlich die Entlastung der Gartenstraße, auf der momentan täglich noch mehr als 200 Busse der Linien 710, 701 und 160 fahren. Doch über die neue Linienführung allein entlang der Münchner Straße wurde heftig diskutiert. Für ältere Menschen sei der Weg zu den Haltestellen an der Münchner Straße zu weit, wurde beispielsweise von Beate Full (SPD) moniert. Die Mehrheit sprach sich schließlich dennoch für die neue Regelung aus.

Ähnlich strittig war der Vorschlag, die MVG-Linie 160 von Pasing über Karlsfeld westlich der Bahn wie bisher zur Endhaltestelle in der Gartenstraße fahren zu lassen und nach dem Wenden auf gleicher Strecke retour. Stefan Handl (CSU) wie Birgit Piroué (Bündnis) etwa wollten statt des Wendens in der Gartenstraße, dass der Bus über Osten- und Hochstraße zurück über die Bayernwerkstraße in den Ortsteil westlich der Bahn fährt, damit die Linie auch See, Hallenbad und Sportpark bedienen kann. Trotz der Warnungen von Faltlhauser, dass eine solche Blockumfahrung Fahrgäste verwirren könnte, die zudem eine zwölfminütige Pause an der Endhaltestelle Gartenstraße in Kauf nehmen müssten, stimmte eine klare Mehrheit für diese geänderte Linienführung.

Keine Änderung wird es bei der Linie 711 vom Bahnhof zum Gewerbegebiet geben. Statt hier Busse auch samstags auf die Strecke zu schicken, wie es Sigmund vorgeschlagen hatte, plädierten Adrian Heim (Bündnis) und Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU) dafür, lieber den 701er von der Handwerkersiedlung zum Bahnhof auch samstags im 20- anstatt wie bisher im 40-Minuten-Takt fahren zu lassen. Ansonsten wird sich bei der Linie 701 nichts ändern, ebenso wenig wie für die Linie 712, die abends und an Sonntagen den Bahnhof mit Ortszentrum, Handwerkersiedlung und Rothschwaige verbindet. Auch beim 702er, der Karlsfelder Schüler zu den weiterführenden Schulen nach Dachau bringt, bleibt alles, wie es ist, bis das geplante Gymnasium in Karlsfeld einmal in Betrieb geht. Zu einem echten Renner hat sich die MVG-Linie 172 vom Dachauer Bahnhof über Karlsfeld und Feldmoching-S und-U-Bahnhof bis zum BMW-Forschungs- und Entwicklungszentrum entwickelt, die zu Stoßzeiten sogar im Zehn-Minuten-Takt, ansonsten alle 20 Minuten bedient wird. Die von Faltlhauser vorgeschlagene Ausweitung der Samstagsfahrten wurde von den Gemeinderäten allerdings verworfen. Stattdessen wünschte man sich, wie Kolbe angeregt hatte, Samstagsfahrten auf der ausgeweiteten Linie 175, die bisher vom Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) zum Ludwigsfelder Campingplatz führt und künftig Fahrgäste über Karlsfeld zum Gewerbegebiet Dachau-Ost bringen soll. Damit wird zugleich eine weitere Forderung von vielen Karlsfelder Bürgern erfüllt.

Das werde allerdings eine teure Sache, kündigte Faltlhauser an, "denn es werden zwei oder drei zusätzliche Fahrzeuge gebraucht." Er rechnet mit mehreren hunderttausend Euro, die bisher nach Sigmunds Worten nicht im Nahverkehrsplan des Landkreises enthalten sind. Da die Linie 175 jedoch am OEZ - nach dem 172er zur U2 in Feldmoching und auch dem 710er zur U3 in Moosach - mit der U1 den Landkreisbürgern noch eine dritte direkte Anbindung ans Münchner U-Bahnnetz bietet, erhoffen sich die Gemeinderäte davon durchaus eine Stärkung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Für Piroué stellt der 175 gar "einen attraktiven Beitrag zum Klimaschutz" dar. Schließlich präsentierte MVG-Vertreter Faltlhauser noch eine Verlängerung der Nachtlinie N71 nach Dachau, die bisher Partygänger vom U-Bahnhof Westfriedhof nach Karlsfeld durch Krenmoos- und Gartenstraße bringt und dann wieder zurück nach München fährt. Bürgermeister Kolbe betonte allerdings gleich zu Beginn: "Ich werde die Wünsche der Stadt nicht mitfinanzieren." Sigmund stellte klar, dass Dachau die Kosten tragen werde. Somit war die Verlängerung für die Karlsfelder kein Problem mehr.

Am Ende der ausgiebigen Diskussion äußerte CSU-Fraktionschef Bernd Wanka noch einen Wunsch: "Was wir bräuchten, wäre eine Fahrgastanzeige, wann der Bus kommt - zumindest an wichtigen Haltestellen." Sigmund sagte eine Prüfung zu.

© SZ vom 03.02.2020

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