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Aus dem Gericht:Einbrechern droht mehrjährige Haft

Trio soll gewaltsam in die BIS Haimhausen eingedrungen sein

Von Andreas Salch, Haimhausen/München

Sie kamen an einem Samstagspätnachmittag und wussten offenbar genau, dass sie sich ungestört ans Werk machen können. Gegen 16.22 Uhr drangen am 3. März 2018 fünf Männer in das Schloss Haimhausen ein, in dem die Bavarian International School untergebracht ist und erbeuteten 10 000 Euro Bargeld sowie weitere Gegenstände im Wert von rund 7000 Euro. Da die Täter zudem nicht weniger als knapp 60 Türen in dem dreigeschossigen Spätbarockbau gewaltsam öffneten, war der Schaden, nämlich 146 000 Euro, wie so oft in solchen Fällen, weit höher als die Beute. Gegen drei der mutmaßlichen Täter begann am Dienstag vor dem Landgericht München II der Prozess und wurde bereits nach Verlesung der Anklage durch den Vertreter der Staatsanwaltschaft wieder unterbrochen. Einer der Verteidiger hatte rund 1600 Seiten Akten zu spät erhalten und monierte, dass er zu wenig Zeit für die Lektüre gehabt habe. Somit blieb dem Gericht nichts anderes übrig, als den Prozess erst einmal bis Dienstag kommender Woche zu unterbrechen. Außerdem merkte der Anwalt an, dass sein Mandant, ein 43-jähriger vorbestrafter Kellner aus Madrid, zur Tatzeit "vielleicht gar nicht in Haimhausen" gewesen sei.

Daran allerdings hat das Gericht Zweifel. Bevor der Vorsitzende, Richter Martin Hofmann, die Verhandlung unterbrach, legte er dar, dass die Kammer derzeit nicht von einem Freispruch für den Kellner ausgehe. Neben DNA vom Tatort hätte die Auswertung der Handydaten des Kellners ergeben, dass dieser zur Tatzeit von einem Campingplatz in Venedig nach München gereist sei und anschließend wieder dorthin zurück. Wenige Tage später, so habe die Auswertung des Handys ergeben, sei der 43-Jährige erneut nach München gefahren und sei in eine Zahnarztpraxis in München eingebrochen. Dabei wurde der Kellner festgenommen. Der Angeklagte sei "hektisch telefonierend" in seinem BMW X 6 angetroffen worden, sagte Richter Hofmann. Bei der Durchsuchung des Wagens fanden die Ermittler unter anderem eine Einkaufstüte - sie stammte von einem Geschäft in Haimhausen.

Außer diesen Ermittlungsergebnissen präsentierte Richter Hofmann dem Verteidiger des 43-Jährigen und dessen Kollegen, was für die Angeklagten am Ende der Verhandlung für den Fall, dass sie Geständnisse ablegen, "rauskommen" könnte. Demnach droht dem Kellner voraussichtlich eine Haftstrafe zwischen vier Jahren zehn Monaten und fünf Jahren vier Monaten wegen schweren Bandendiebstahls. Die mutmaßlichen, ebenfalls vorbestraften Komplizen des Kellners, ein 34 Jahre alter Installateur sowie ein 37-jähriger Ölhändler, beide aus Madrid, müssten mit Haftstrafen zwischen fünf Jahren zehn Monaten und sechs Jahren vier Monaten rechnen. Und noch etwas gab Richter Hofmann den Angeklagten bis kommenden Dienstag mit auf den Weg. "Wenn Sie Angaben machen, dann verarschen Sie uns nicht." Dies sei als "freundlicher Hinweis" gedacht.

© SZ vom 26.11.2020
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