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Angriff an Straßensperre:Respekt vor Einsatzkräften schwindet

Autofahrer ärgert sich über Straßensperrung und fährt absichtlich Feuerwehrmann an

Anfeindungen und Beschimpfungen - für Feuerwehr, Polizei und Sanitäter gehört das inzwischen fast schon zum Alltag, wenn Straßen abgesperrt werden müssen. Doch es scheint, als habe die Respektlosigkeit gegenüber den Rettungskräften jetzt eine neue Stufe der Aggressivität erreicht. Tätliche Angriffe sind offenbar nicht mehr ausgeschlossen. Am Donnerstag hat ein 52-jähriger Autofahrer aus Erdweg einen Feuerwehrmann angefahren und verletzt. Wie die Polizei berichtet, wollte der Mann mit seinem Mercedes gegen 9.45 Uhr die Staatsstraße 2047 passieren. Doch die Feuerwehr Oberroth hatte diese wegen der Fronleichnamsprozession abgesperrt. Ein Feuerwehrmann erklärte dem Erdweger, dass er etwa fünf Minuten warten müsse. Doch dem 52-Jährigen war dies offenbar zu lange. Er rollte mit seinem Wagen langsam nach vorn auf den Feuerwehrmann zu und fuhr schließlich sogar absichtlich mit der Stoßstange gegen dessen rechtes Bein. Seither klagt der freiwillige Helfer über Schmerzen am Knie.

Als der Erdweger auf seine Tat aufmerksam gemacht wurde, beschimpfte er den verletzten Feuerwehrmann sogar noch, wendete seinen Mercedes und fuhr einfach davon, ohne sich um irgendetwas kümmern. Doch das Kennzeichen hatten sich die Kameraden gemerkt, und so spürte ihn die Polizei recht bald auf. Dem 52-Jährigen droht jetzt ein Strafverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, Nötigung, unerlaubten Entfernens vom Unfallort und Beleidigung.

"Ich bin schockiert", sagt der Kommandant der Oberrother Feuerwehr Daniel Haagen. "So etwas gab's in unserem kleinen Ort noch nie." Auch in Dachau und Karlsfeld haben die freiwilligen Helfer so etwas noch nie erlebt. Nur Kommandant Tobias Westenrieder von der Feldgedinger Wehr kann sich an einen ähnlichen Fall erinnern. Bei der Sperrung des Kreisels zum Bergkirchener Gewerbegebiet Gada fuhr ein aggressiver Autofahrer einen Kollegen um, nur um ein paar Meter weiterzukommen. Das Opfer der Attacke musste mit zahllosen Prellungen und gebrochenem Finger ins Krankenhaus.

Anfang März wehrte sich ein Betrunkener auf dem Faschingszug Vierkirchen und schlug zwei Sanitäterinnen, biss eine sogar in den Arm. "Oft haben wir diese massiven Angriffe nicht", sagt der Leiter des BRK-Rettungsdienstes, Dennis Behrendt. Bei 24 000 Einsätzen im Landkreis komme es etwa zwei Mal im Jahr vor. "Aber es ist frustrierend." Und was das schlimmste sei, beim Werben für Ehrenamtliche, überlege manch einer, ob er sich das in seiner Freizeit antun soll, sagt Behrendt. Das Verständnis für einen Krankenwagen, der die Straße blockiert, sei gering. "Er wird als lästig empfunden und angehupt", so Behrendt. Verbale Attacken sind nicht selten. Das BRK sensibilisiert seine Mitarbeiter inzwischen sogar, empfiehlt ihnen, wegzugehen und die Polizei zu holen, wenn jemand sehr aggressiv ist.

Auch Westenrieder kennt diese Verständnislosigkeit. Gerade auf der Autobahn schimpften die Fahrer oft, dass eine Sperrung nicht nötig sei. Erst vor zwei Wochen habe er sich wüste Beschimpfungen anhören müssen, als der Rettungshubschrauber landen wollte, berichtet er.

Die Polizei ihrerseits ist ebenfalls immer wieder entsetzt über Rücksichtslosigkeit, Ignoranz und Aggressivität. "Wenn wir ein Polizeiauto mit Blaulicht quer auf die Fahrbahn stellen, drängen sich oft trotzdem noch einige auf dem Grünstreifen vorbei", berichtet der Dachauer Sprecher Günther Findl. Er rät, die schwarzen Schafe konsequent anzuzeigen. Die Karlsfelder Feuerwehr tut das bereits. "Wenn nur einer von fünf erwischt wird, macht er das nicht mehr. Damit ist auch schon was erreicht", sagt Kommandant Michael Peschke. Andere sind der Ansicht: "Das hilft eh nichts." Behrendt vom BRK sagt: "Wir haben keine Zeit, die Daten aufzunehmen. Wir sind auf den Patienten konzentriert." Der Stadtbrandmeister Gerd Lobmeier bemängelt, dass das Ehrenamt nicht mehr viel Wert ist in der heutigen Gesellschaft: "Früher wurde man dafür geachtet, wenn man seine Freizeit für die Allgemeinheit opfert, heute wird man belächelt."