Angebot für Urlauber Infos aus der Höhle

Der Hauptsitz der Touristeninformation ist das Zollhäusl in der Dachauer Altstadt. Im Sommer soll zusätzlich eine Zweigstelle am Bahnhof entstehen.

(Foto: Toni Heigl)

In den Sommermonaten lohnt sich eine Zweigstelle der Touristeninformation am Bahnhof Dachau. Ein neuer Standort soll zukünftig aber noch mehr Reisende anlocken. Die Frage ist: Wo soll dieser Anlaufpunkt sein?

Von Tom Hackbarth, Dachau

Eine zusätzliche Informationsstelle für Touristen im Bereich des Bahnhofs Dachau hat sich in den vergangenen zwei Jahren bewährt. Die saisonale Verstärkung konnte von Juli bis September dieses Jahres mehr als tausend Touristen empfangen. Folglich soll auch in den nächsten Jahren weiterhin eine Zweigstelle am Bahnhof geöffnet werden. Dieses Mal aber nicht mehr in der Reisestelle der Deutschen Bahn, sondern im direkten Laufstrom der Gäste. Die Frage ist nur noch: Wo ist Platz dafür?

Genau diese Frage stellten sich die Mitglieder des Kulturausschusses der Stadt Dachau am Mittwochnachmittag. Einer der Vorschläge kommt vom städtischen Bauhof. Das derzeit abgesperrte Areal der ehemaligen Fahrradständer am westlichen Ende der Unterführung könnte optimal für die Pläne genutzt werden. Diese "Höhle", wie sie von einigen Stadträten oft genannt wird, ist sehr anfällig für Vandalismus. Der Bereich könnte also langfristig abgesperrt werden und zusätzlich als Infocenter in den Sommermonaten dienen. Zwei Fliegen, die man hier mit einer Klappe schlagen könnte. Und nicht nur das: mit geschätzten Kosten von etwa 5000 Euro wäre das Projekt sogar vergleichsweise günstig. Damit die Fahrradparkplätze nicht verloren gehen, plant man den Außenbereich auszubauen. Überdachte Doppelparksysteme würden einen zusätzlichen Flächenverbrauch umgehen.

Ein direkt im Laufstrom stehender Pavillon könnte auch eine Lösung darstellen, denn "es ist wichtig, dass unsere Tourist-info am Bahnhof repräsentativ ist", so Stadtrat Wolfgang Moll (parteifrei). Die "Höhle" könnte eben eine Höhle bleiben, die zu wenige Touristen anzieht, weil die Infostelle in diesem Eck der Unterführung etwas untergehen könnte, befürchtet Moll.

Ferner kommt das kioskartige Konzept, wie es der Bauhof vorschlägt, bei einigen Stadträten nicht besonders an. Die Infostelle sollte begehbar und somit einladender sein. Außerdem wird spekuliert, dass auch die Zahl der Laufkunden beim zentraleren Pavillon höher sein könnte. Diese Lösung wäre wohl ästhetischer und vielleicht auch lohnender. Andererseits wäre sie mit einigen Komplikationen verbunden. "Die Bahn redet auch mit", vermerkt Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD). So könne man bei diesem Bauprojekt nicht zu sehr in das Bahngebäude eingreifen. Und das müsste man unabdingbar. Auch fehlt eine Stromanbindung. Hinzukommend müsste der Pavillon außerhalb seiner Nutzung von Juli bis September wieder verschwinden. Transport- und Lagerproblematik müssten im Vorfeld geklärt werden.

All das sind Einschränkungen, die beim Vorschlag des Bauhofs umgangen werden könnten. Die Informationsstelle könnte sogar begehbar eingerichtet werden. Da komme man zwar mit 5000 Euro nicht mehr hin, laut Stadtrat Franz Xaver Vieregg gewiss aber mit 10 000 Euro.

Bevor man Entscheidungen treffen kann, müsse erst einmal jede Möglichkeit abgeklärt werden, so Moll. Auf eine Prüfung der Deutschen Bahn für die Anmietung wartet der Ausschuss allerdings schon seit Juli dieses Jahres. Weiterhin ist die Personalfrage auch noch nicht beantwortet. Die Besetzung stellte sich nämlich dieses Jahr durch Verschiebungen und kurzfristige Absagen als schwieriger als erwartet heraus. Die Arbeitsstelle ist immerhin nur saisonal zu vergeben und Personal sollte sich mit der Stadt Dachau und auch mit der Gedenkstätte gut auskennen. Eine festangestellte Teilzeitkraft mit wenigen Wochenstunden könnte hier eine langfristige Lösung darstellen.

Eine endgültige Entscheidung kann man erst in der Zukunft erwarten. Etwas Zeit bleibt dem Kulturausschuss auch noch, bis die Türen der neuen Zweigstelle im Juli wieder öffnen sollen. Ob diese dann in der Unterführung oder doch im direkten Laufstrom der ankommenden Touristen steht, entscheiden letzten Endes nicht nur Ästhetik und Praktikabilität, sondern auch die Deutsche Bahn.