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Am Sonntag geöffnet:Historische Modenschau

Das Karlsfelder Heimatmuseum zeigt in einer Ausstellung, was die Menschen früher drunter und drüber trugen

Wer von Dessous hört, denkt unwillkürlich an Spitzenhöschen und aufreizende Damenwäsche. Doch war das um die Jahrhundertwende auch schon so? Verführte die Damenwelt auch damals schon mit einem Hauch von nichts? Unter dem Titel "Drunter und drüber" wagt das Karlsfelder Heimatmuseum einen Blick unter die Dirndl und Gewänder, die die Frauen damals noch trugen. Und man kann sagen, die Unterwäsche von damals verführt auf ihre Weise.

Zwar sind die meist über das Knie ragenden Höschen mit ihren feinen Spitzenborten, die so brav und züchtig unter den Dirndlröcken hervorlugten, nicht auf den ersten Blick aufreizend. Aber bei genauerem Hinsehen haben sie Aussparungen und Öffnungen, die durchaus erstaunen. So hatten die Frauen damals keinen Stoff zwischen den Beinen. Eine echte Erleichterung beim Gang zur Toilette, erklärt die Leiterin des Museums Ilsa Oberbauer grinsend. Sie ist restlos begeistert von dem, was alte Karlsfelder ihr im Laufe der Jahre gebracht haben. Der Name Unterhose ist übrigens relativ neu: "Früher waren das die Unaussprechlichen", weiß Oberbauer.

Zum Schmunzeln regen auch die Bodys an, die das Heimatmuseum präsentiert. Sie haben zwar Stoff zwischen den Beinen, aber dieser kann weggeklappt werden. Zwei Knöpfe halten ihn hinten hoch. "Das sind die Schnellscheißerhosen", erklärt Oberbauer mit verschmitztem Grinsen. Um 1900 waren all diese Dessous, auch Hemdchen und Handtücher kleine Kostbarkeiten, denn sie waren liebevoll und aufwendig bestickt und mit feiner Spitze verziert. In unzähligen Arbeitsstunden haben Frauen so ihren Töchtern und Enkelinnen eine Aussteuer zusammengestellt. Damit nichts verloren ging oder verwechselt werden konnte, wurde auch immer ein Monogramm auf die Kleidungsstücke gestickt. Anders als heute trug man die Hosen und Hemden ein Leben lang. Und bei der Flucht aus Batschka, Donauschwaben oder woher auch immer nahmen die Leute diese Schätze mit. "Es ist schon erstaunlich, was alles mitgeschleppt wurde", sagt Oberbauer. Viele retteten nämlich nicht nur das, was sie am Leib trugen. Einige Familien hatten richtig Zeit, ihr Hab und Gut zusammenzupacken. Und so wurden ganze Sonntagstafelservice Richtung Westen transportiert, Festtagsgewänder, kunstvoll bestickte Tischdecken, dekorative Borten für die Betten, Überdecken und bestickte Tücher, auf denen meist fromme Sprüche standen, sowie Paradekissen. Und genau das ist nun in der Sonderausstellung zu sehen.

"Gott wacht für alle groß und klein, drum schlafe ohne Sorgen ein", ist auf eines der Tücher gestickt. Sie wurden an die Wand neben dem Bett gespannt, erklärt Oberbauer. Damit man nicht sah, wie schmutzig die Wand im Laufe der Zeit geworden war. Andere überdeckten die Stellen am Herd. Darauf stand dann so etwas wie: "Auf allen Wegen und in allen Zeiten möge dich stets das Glück begleiten". Die Wände weißeln, so wie man es heute tun würde, war seinerzeit mit großem Aufwand verbunden. Deshalb konnten sie nicht regelmäßig getüncht werden, man behalf sich so. Es gab übrigens auch Tücher, die die dreckigen Küchenhandtücher überdeckten und so beim Besucher einen ordentlichen Eindruck erweckten. Waschen war seinerzeit ja sehr viel aufwendiger als heute. Es gab schließlich keine Maschinen, alles musste per Hand gemacht werden.

Blickfang für den Besucher sind natürlich zunächst die prächtig bunten Gewänder aus Taft, Samtflor und auch Seide, die die Puppen anhaben. Sie stammen aus den unterschiedlichsten Regionen, denn die Siedler, die sich nach dem zweiten Weltkrieg in Karlsfeld niederließen, kamen auch aus den verschiedensten Teilen Europas. Am farbenfrohesten waren offensichtlich die Leute angezogen, die aus dem heutigen Ungarn geflohen waren. Das ist in der Ausstellung deutlich zu sehen: Die Farben rangieren von knallrot bis grellgrün üppig verziert mit Blumen und Spitzen. In anderen Gegenden trug man Plisseeröcke und Mieder. Einige hatten auch schöne Schürzen um ihr Sonntagsgewand gebunden. Auffallend ist, dass die Kleidungsstile dem Bayerischen irgendwie ähnelten. Die verschiedenen Volksgruppen blieben aber lange Zeit unter sich, berichtet Oberbauer. Sie kann allerlei Geschichten zu den Besitzern der Gewänder erzählen. Wer wen über die Straße drüber geheiratet hat. Auch wenn man die Menschen nicht kennt, man hört ihr gerne zu.

Das Kaffeeservice in der Ausstellung ist nur eine Replik eines sehr bekannten Dachauer Herstellers. Viele hatten es. Früher gehörte es zur Aussteuer. "Man bekam es zur Hochzeit. Ich kenne Leute, die haben es im Fehlboden ihres Speichers versteckt, als die Zeiten unsicher wurden", erzählt Oberbauer. "Als der Eiserne Vorhang fiel, kehrten sie zurück in ihr Haus und holten das Service wohlbehalten 50 Jahre später aus ihrem Versteck." Auch der Fleckerlteppich hat Geschichte. Er wurde aus alten Kleidern gemacht und war sehr haltbar. "Die Kinder haben immer geschaut, mal den alten Unterrock der Großmutter in ihm entdeckt, mal ein Nachthemd." Am Sonntag, 17. Juni, ist die Ausstellung wieder geöffnet von 14 bis 17 Uhr.