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Adventskonzert:Seelenklang in der Basilika

Das Duo Beriska vermittelt bei seinem Auftritt am Petersberg die vielfältige musikalische Tradition der Ukraine.

(Foto: Toni Heigl)

Das ukrainische Ensemble Beriska verzaubert die Besucher eines Adventskonzerts am Petersberg

Eine Pause einlegen im Vorweihnachtsstress, im Beruf und die Sorgen für eine Weile vergessen - solche Ratschläge in der längst nicht mehr staden Zeit gibt es jedes Jahr zuhauf. Eine seltene Gelegenheit des Innehaltens gab es dann tatsächlich am Samstag Abend in der alten Basilika auf dem Petersberg. Dem ukrainischen Gesangsensemble Beriska ist dieses besondere Adventskonzert in einer der wenigen bayerischen Kirchen zu verdanken, die in ihrer romanischen Architektur durch die Jahrhunderte hindurch nahezu erhalten geblieben ist. Die beiden Musiker aus Kiew haben in der Basilika einen Bogen von geistlichen und traditionellen Volksliedern ihrer Heimat bis hin zu Kosakenballaden gespannt. Dargeboten wurde die Musik auf einem typischen Instrument des Landes, der Bandura.

Bei seiner kurzen Begrüßung wies Pfarrer Josef Mayer auf die Besonderheit dieses Konzertraumes mit einer besonderen Akustik hin. Darüber hinaus wurde den rund 50 Besuchern dank der Lichtinstallationen von Bildhauerin und Kunsttherapeutin Christiane Demenat eine fast mystische Atmosphäre vermittelt, die stimmungsvoll in die Adventszeit passte. Das Gesangs- und Bandura-Ensemble, das krankheitsbedingt nur als Duo auftreten konnte, zeigte sich trotz frostiger Temperaturen in der Basilika in der farbenfrohen Tracht ihrer Heimat. Dieses 2003 gegründete Ensemble besteht aus einer größeren Anzahl von Musikern, die aufgeteilt in kleinen Gruppen auftreten und reisen. Alle sind professionelle Künstler beziehungsweise Studenten der Kiewer Musikakademie und von Musikschulen.

Mit einem ukrainischen Volkslied über die Kraft der Liebe gelangen Tatjana Iwaschtschuk (Bandura) und Stepan Polischtschuk (Violine) ein gefühlvoller Einstieg in das Konzert. Die Bandura, auch ukrainische Lautenzither genannt, habe eine über 600-jährige Tradition, erklärte Iwaschtschuk, die vor zehn Jahren ihr Musikstudium für Bandura und Gesang absolviert hat. Die Bandura ist ein gezupftes Lauteninstrument, bei dem entsprechend der Zither neben dem Griffbrett eine Reihe weiterer Saiten parallel über den Resonanzkörper angebracht sind. Die gesamte Saitenzahl kann bis zu 65 betragen, was zur Vielseitigkeit und Klangfülle dieses für die Ukraine typischen Instruments beiträgt. Sie wird mit beiden Händen gespielt und vereinigt die Spielweise beider Zupfinstrumente. Wie virtuos Tatjana Iwaschtschuk mit den zahlreichen Saiten dieses Instrumentes umzugehen weiß, stellte die junge Frau während des Konzertes überzeugend unter Beweis. So entlockte sie ihrem Instrument bei einem getragenen Lobgesang auf alle Mütter harfenähnliche Klänge, die mit dem Violinespiel von Stepan Polischtschuk ein harmonische Einheit bildeten. Über die Liebe und die damit verbundenen Sehnsüchte sang das Musikerpaar mit kraftvollen und ausdrucksstarken Stimmen in ebenso nachdenklichen wie temperamentvollen Volksliedern.

Dadurch konnte die vielfältige musikalische Tradition der Ukraine eindrucksvoll vermittelt werden, die Tiefe der ukrainischen Seele, die Wärme und Heimatliebe. Dass Kosakenballaden nicht nur schwermütig klingen, sondern auch mitreißen können, erlebte das Publikum während des Konzertabends ebenso.

Neben den melancholisch oder fröhlich klingenden Volksliedern und Gesängen aus der Orthodoxen Kirche konnte sich das Publikum auch an der westlichen Musikkultur erfreuen. Eindrucksvoll gesungen wurden zwei neapolitanische Volksweisen von Stepan Polischtschuk und das auf der Bandura und Violine gespielte "Stille-Nacht"-Lied. Das ukrainische Weihnachtsfest wird in der Tradition der Orthodoxen Kirche nach dem julianischen Kalender gefeiert, wonach der Heilige Abend auf das Fest der Heiligen Drei Könige, also auf den 6. Januar fällt.

Begeistert standen die Zuhörer zum Abschluss des Konzerts zwischen den Kirchenbänken und applaudierten anhaltend den jungen Musikern. Die Vielseitigkeit der ukrainischen Bandura, die virtuose Beherrschung und Klangfülle dieses Instruments und das ausgezeichnete Zusammenspiel mit Violine und Gesang machten dieses Adventskonzert zu einem besonderen musikalischen Erlebnis, das den Besuchern noch lange in Erinnerung bleiben wird.