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Abschied nach Kommunalwahl 2020:Im Rückblick dankbar

Sie sind von der kommunalpolitischen Bühne des Landkreises eigentlichen nicht wegzudenken. Und dennoch: Diese Stadt-, Gemeinde- und Kreisräte machen bei der Kommunalwahl Platz für andere

Als Günter Meikis, Christine Unzeitig und Wolfgang Offenbeck erstmals als gewählte Vertreter im Gemeinderat, Stadtrat oder Kreistag saßen, war Helmut Kohl noch Bundeskanzler und Deutschland Fußballweltmeister. Mehr als zwei Jahrzehnte sind seitdem vergangen, in denen sich nicht nur in Deutschland und der Welt Einiges getan hat, sondern sich auch auf kommunalpolitischer Ebene viel verändert hat. Nach Jahren des politischen Engagements treten Meikis, Unzeitig, Offenbeck und weitere Kollegen, deren Gesichter im Landkreis Dachau nicht unbekannt sind, zur Kommunalwahl im März nicht mehr an.

Egal ob aus den Reihen der CSU, der SPD oder der Freien Wähler: Was die scheidenden Kommunalpolitiker eint, ist der dankbare Blick zurück. Durch ihre Arbeit hätten sie viel gelernt und an der Gestaltung der Zukunft der Gemeinden und des Landkreises mitwirken dürfen. Das sei zwar manchmal anstrengend und teils frustrierend gewesen - insgesamt aber sehr bereichernd, da sind sich alle einig. Nun wollen langverdiente Kommunalpolitiker aber Platz für Jüngere und neue Ideen schaffen.

"Man muss aufhören, sich essen zu lassen, wenn man am besten schmeckt", zitiert Wolfgang Offenbeck den Philosophen Friedrich Nietzsche auf die Frage hin, warum er bei den Kommunalwahlen im März nicht mehr auf der Kandidatenliste der Karlsfelder CSU stehe. "Man wird ja nicht besser." Die Entwicklungen in der Kommunalpolitik während seiner Amtszeit - seit 1996 sitzt der Landwirt für die CSU im Gemeinderat in Karlsfeld und im Kreistag - beurteilt er jedoch als positiv. Auch "wenn nicht alles so gut geworden ist, wie man das gerne gesehen hätte." Besonders in seiner Heimatgemeinde sei die aktive Gestaltung häufig schwierig gewesen, da diese nicht Grundstückseigentümer war. "Wir waren nicht Mitspieler, sondern Genehmigungsbehörde", sagt Offenbeck.

Dabei gab es trotzdem Höhenflüge: Etwa, als die Gemeinde kurzzeitig auf Grund hoher Gewerbesteuereinnahmen finanziell gut aufgestellt war und an einem neuen Rathaus plante. Es habe Seminare mit einem Architekten gegeben, erzählt Offenbeck noch heute begeistert. Schlussendlich gab es aber nicht genügend Geld für deren Umsetzung. Das war in Sachen Bildungspolitik im Landkreis zum Glück nicht der Fall: Offenbeck lobt die Entscheidung, das Krankenhaus an einen privaten Träger zu verkaufen, um somit finanziellen Spielraum für den intensiven Ausbau der Schulen im Landkreis zu schaffen. Die Bildungspolitik sei ein Schwerpunkt in Offenbecks Arbeit gewesen, der ihm sehr wichtig war.

24 Jahre in der Kommunalpolitik hinterlassen Spuren: "Man blickt anders auf die Welt und versteht, wie schwierig es ist, politische Entscheidungen zu fällen", resümiert Offenbeck. Vor allem einen langen Atem, klaren Verstand und Kompromissbereitschaft brauche ein Kommunalpolitiker. Er selbst habe der Kommunalpolitik gegenüber in jungen Jahren lange negative Vorurteile gehabt, bis er schließlich nicht mehr nur beobachten wollte.

Dass die ehrenamtliche Tätigkeit als Vertreter der Bürger nicht immer nur Spaß macht, hat auch Wolfgang Reichelt (CSU) in den vergangen sechs Jahren im Dachauer Stadtrat gelernt. Er habe die "andere Seite" kennenlernen wollen, sagt der langjährige Verwaltungsmitarbeiter und Pressesprecher des Landratsamts. Sechs Jahre habe er nun mitangepackt und seine Heimatstadt mitgestaltet. "Ich war schon immer der Typ, der anpackt. Dabei habe ich aber auch gewisse Standards an mich - wenn ich was mache, dann will ich es g'scheit machen." Dafür habe er momentan aber nicht genug Zeit, denn Sitzungen, Besprechungen, deren Vorbereitung und weitere Termine würden sehr viel Zeit einnehmen. "Es war deutlich mehr Arbeit, als ich im Vorfeld gedacht hatte. Ich bin das Ganze aber vielleicht auch ein wenig blauäugig angegangen", erzählt Reichelt.

Auch Günter Heinritz (SPD) weiß nach 18 Jahren im Dachauer Stadtrat und als Referent für Zeitgeschichte, dass das kommunalpolitische Engagement ein sehr zeitintensives Ehrenamt ist. "Es gab Zeiten, in denen ich fast die volle Woche mit der Vorbereitung für Sitzungen beschäftigt war. Natürlich nicht immer, aber mit zwei Sitzungen pro Monat ist es nicht getan", sagt Heinritz. Darum habe er sich erst mit dem Wechsel in den Ruhestand kommunalpolitisch engagiert. Zuvor lehrte er an der Ludwig-Maximilians-Universität in München am Department für Geografie. Sein beruflicher Hintergrund und das mitgebrachte Wissen seien für die Arbeit im Stadtrat stets sehr hilfreich gewesen. Zufrieden blickt er auf Weichenstellungen der Vergangenheit - und seien es auch nur Kleinigkeiten gewesen - zurück. Trotzdem sagt er: "Ich überschätze nicht, was ich bewirkt habe. Denn das geschah immer gemeinsam mit anderen Mitstreitern."

Für Günter Meikis, der seit 1990 für die SPD in Karlsfeld im Gemeinderat sitzt und seit 2002 Mitglied des Kreistags ist, sind es ebenfalls "eher Kleinigkeiten", auf die er besonders stolz ist, etwa der Fußweg am Krebsbach: "Wenn ich da entlanglaufe, denke ich jedes Mal, dass das einer der schönsten Spazierwege im Landkreis ist." Insgesamt zieht er - trotz einiger Tiefpunkte, wie etwa nicht verwirklichte Verkehrsprojekte, welche die Gemeinde trotzdem viel Geld gekostet hätten - ein positives Resümee. Er freut sich besonders über die Verwirklichung des vierten Landkreisgymnasiums in Karlsfeld und die Erfolge des Kreistags in Sachen Umweltschutz. Aus gesundheitlichen Gründen und weil es Zeit für einen Generationenwechsel sei, zieht sich nun aber auch er aus der Kommunalpolitik zurück.

Jahrelang fester Bestandteil des politischen Geschehens in Dachau war auch Christine Unzeitig (CSU). 24 Jahre lang war sie Stadträtin in Dachau. Ein Ende der Zeit als Gemeinderat ist auch für Josef Baumgartner (Freie Wähler) absehbar. Der momentane Bürgermeister in Schwabhausen kandidiert zwar noch für den Kreistag, allerdings auf dem wenig aussichtsreichen 18. Listenplatz. Zwar würde er gerne erneut Bürgermeister werden, doch wegen der Altersgrenze von 67 Jahren ist das für ihn nicht mehr möglich. Obwohl ihn nicht immer alles reibungslos verlief und ihn vieles ärgerte - etwa wenn "negative Dinge hochgekocht und überbewertet werden, am Ende dann aber alles nicht so schlimm ist" - sagt er, dass ihm die Zeit als Kommunalpolitiker viel Spaß gemacht habe.

"Nach 36 Jahren langt es", stellt Karl Böller (CSU) fest. Während der vielen Jahre, in denen er sich für die Anliegen der Bürger in Markt Indersdorf einsetzte, habe er an vielen Veränderungen mitgewirkt aber auch beobachtet, wie sich die kommunalpolitische Arbeit selbst veränderte: "Vieles wird umfangreicher und unangenehmer, es gibt immer mehr Vorschriften." Auch der Umfang des Haushalts sei größer geworden, die Politiker müssten mit immer größeren Summen hantieren und würden dadurch noch größere Verantwortung tragen. Damit sollten sich jetzt die Jungen beschäftigen - etwa sein Sohn, der für den Gemeinderat kandidiert, oder seine Tochter, die in den Kreistag gewählt werden möchte. Vollkommen zurückziehen wird sich Böller selbst aber auch nicht: Sein Name steht auf einem der hinteren Listenplätze für den Kreistag.