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2. Klimaschutztag im Landkreis Dachau:Das Gemeinwohl steht im Zentrum

Landrat Stefan Löwl begrüßt zum 2. Klimaschutztag im Landkreis viele Gemeinderäte und Bürgermeister.

(Foto: Toni Heigl)

Auf dem 2. Klimaschutztag der Kommunen im Landkreis wird die Beziehung von Mensch und Umwelt neu definiert

Was können und müssen die Kommunen für den Klimaschutz tun? Diese Frage stand im Zentrum des zweiten Klimaschutztages im Landkreis Dachau. Der Experte Florian Hörmann aus Altomünster brachte die Teilnehmer von der globalen Theorie auf die lokale Praxis zurück. In seinem Vortrag zu "Der Erfolgsfaktor Kommune in der Klimakrise - Richtung und konkrete Umsetzungsideen" legte er dar, welche Schritte aus seiner Sicht notwendig sind, um der Klimakrise auf kommunaler Ebene entgegenzutreten. "Unsere Gesellschaft befindet sich aktuell im Wandel, in der sogenannten sozial-ökologischen Transformation." Hörmann geht davon aus, dass am Ende dieser Entwicklung eine Postwachstumsökonomie steht, in der das Handeln zugunsten des Gemeinwohls an erster Stelle steht.

Für diese notwendige Entwicklung müssten Lösungswege neu gedacht werden. Anhand des Beispiels der Energieversorgung stellte er dar, dass die Lösung der Herausforderungen nicht nur in mehr Effizienz und Konsistenz (Verbesserung durch technische oder organisatorische Möglichkeiten) besteht, sondern Suffizienz und Subsistenz elementar seien. Suffizienz bedeutet, dass die Gemeinschaft ihren Bedarf auf das Nötigste reduziert, etwa durch Verzicht auf Flugreisen, weniger oder keinen Fleischkonsum. Subsistenz ist eine regional verortete Bedarfswirtschaft, in der hauptsächlich für den Eigenbedarf produziert wird. Dabei kommt es auf eine konsequente und gesamtheitliche Betrachtung an: "Es ist vollkommen widersprüchlich, wenn man mit dem SUV zweimal in der Woche zu einem der neuen Unverpacktläden fährt," meint Hörmann. Es gehe um eine gesamtheitliche Beschränkung jedes Einzelnen und um flächendeckende Angebote vor Ort. Hierzu nannte der Experte zahlreiche teilweise schon existierende, aber dringend flächendeckend auszubauende kommunale Handlungsbeispiele - beispielsweise Mietlastenfahrräder, lokale Produkte in (Schul-)Kantinen, Lebenszyklusverlängerungen wie Repair-Cafés sowie diverse Elemente der Shared Economy, also die gemeinsame Nutzung von Gegenständen, angefangen vom Auto bis hin zu Büchern. "Zur Bewältigung der Klimaherausforderungen und in Verantwortung für unsere Kinder ist ein grundsätzlicher sozial-ökonomischer Wandel erforderlich, der auch in den Kommunen beginnen kann und muss," appellierte Hörmann. Es geht nicht um einzelne klimaschonende Aspekte - die nachhaltige Entwicklung in Kommunen bedarf einer neuen Perspektive. Aus diesem Grund wurden wissenschaftliche Theorien der Mensch-Umwelt-Beziehung betrachtet - "das große Ganze - und wir mittendrin, lokale Verantwortung in Zeiten komplexen Wandels" lautete der Vortrag Thomas Bruhns vom Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung. In der Gesamtschau erklärte er, welche Relevanz die Auswirkungen des menschlichen Handelns haben. Diese Auswirkungen prägten den Gesamtzustand der Erde und würden das seit Anbeginn der menschlichen Zivilisation verhältnismäßig stabile Klima nun aus den Fugen bringen.

Aus diesem Grund wurde die Mensch-Umwelt-Beziehung neu definiert und hat verschiedene neue Leitlinien wie die nachhaltigen Entwicklungsziele der UNO hervorgebracht, die versuchten, Klima und Umwelt zu stabilisieren. Dieser Veränderungsprozess bringe große Herausforderungen mit sich, da die Themen und Verantwortlichkeiten viel komplexer würden. "Wir müssen uns eingestehen, dass dies jeden von uns alleine überfordert. Deshalb ist es wichtig für den Klimaschutz - ebenso wie für andere relevante Themen - kreative Lösungen zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern sowie den betreffenden Akteuren zu entwickeln," meint Bruhn.

"Um etwas zu bewegen, müssen wir uns bewusst werden, wie wir in Beziehung mit anderen stehen." Am 2. Klimaschutztag für kommunale Mandatsträger nahmen mehr als 35 Mitglieder aus den Gemeinderäten, dem Stadtrat sowie dem Kreistag und auch viele Bürgermeister teil. Wegen Corona fand die Veranstaltung als dreistündige Online-Konferenz statt. "Wenn wir mit Klarheit und Mut an die wichtigen Themen herangehen und uns Verbündete suchen, haben wir eine Chance, unsere Umwelt neu zu gestalten."

© SZ vom 01.12.2020 / SZ
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