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180 Wohnplätze in der Region:Raus aus Schönbrunn

Franziskuswerk Schönbrunn

Michaela Streich vom Franziskuswerk in Schönbrunn ist für Wohnprojekte zentral zuständig.

(Foto: Franziskuswerk/oh)

Behinderte Menschen sollen besser integriert werden, deshalb will das Franziskuswerk sie nun im Landkreis verteilen

Die Aktion Mensch unterstützt bundesweit die Inklusion. Eines ihrer zentralen Anliegen ist es, für Behinderte ein Wohnen außerhalb der bisher üblichen Heime oder Institutionen zu ermöglichen, wie sie die gemeinnützige Franziskuswerk GmbH in Schönbrunn im Landkreis Dachau darstellt. Inklusion bedeutet dabei, dass behinderte Menschen nicht nur integriert werden, sondern tatsächlich an der Gesellschaft teilhaben können. Indem für sie Arbeitsplätze gefunden oder auf sie zugeschnitten werden. Indem sie an Regelschulen unterrichtet werden. Und indem sie in Wohnungen mitten unter der sonstigen Bevölkerung leben.

Jetzt feierte das Franziskuswerk den gelungenen Aufbau von mehr als 180 Wohnplätzen raus aus Schönbrunn in die Region Dachau. Für die Dezentralisierung der Wohnplätze von 2008 bis 2016 gewährte die Aktion Mensch nach Angaben des Franziskuswerks einen Zuschuss von etwa 725 000 Euro. "Mit den im Landkreis Dachau geschaffenen, kleinteiligen Wohnalternativen haben Menschen mit Behinderung die Wahlmöglichkeit, wo sie gerne wohnen möchten. Das Franziskuswerk hat damit einen wichtigen Schritt zur Umsetzung der Vision 2030 und der UN-Behindertenrechtskonvention gemacht", betonte Michaela Streich, Geschäftsfeldleiterin Soziale Dienste und Einrichtungen im Franziskuswerk. Denn: "Mit einer Wohnung innerhalb einer Gemeinde wachsen die Anreize, sich gegenseitig kennen zu lernen und Vorurteile abzubauen - weitere, wichtige Schritte auf dem Weg zu einem gleichberechtigten Zusammenleben und zu einem selbstverständlichen gesellschaftlichen Miteinander."

Die Förderung der Aktion Mensch fußt auf drei Säulen: der Wohnberatung für Menschen mit Behinderung im Projekt "Wohnen wie ICH es mag", der Förderung des ambulant begleiteten Wohnens und der Förderung von Ausstattungen neuer Wohneinheiten. Im Förderzeitraum hat das Franziskuswerk Wohnalternativen in den Gemeinden Petershausen, Röhrmoos, Dachau, Vierkirchen, Markt Indersdorf, Niederroth, Hilgertshausen und Stetten verwirklicht. Die Verringerung der Wohnplätze am Ort Schönbrunn hat nach Streichs Einschätzung gleichzeitig zu einer erheblichen Verbesserung der Wohnqualität geführt. Denn alte Gebäude seien zurückgebaut und durch Neubauten ersetzt worden. Zudem sei die Quote der Einzelzimmer vergrößert worden, auch weil die Wohngruppen kleiner geworden seien. Mit anderen Worten: Das Franziskuswerk löst den Heimcharakter von Schönbrunn der Vergangenheit auf.

Diese Strategie ist Teil eines umfassenden Konzepts mit dem Titel "Vision 2030". Menschen mit Behinderung jedes Lebensalters sollen Förderung und Assistenz dort erhalten, wo sie sie benötigen, um in ihrem Alltag zurechtzukommen, an der Gesellschaft teilzuhaben und ihr Leben so selbstbestimmt wie möglich zu gestalten - in Schönbrunn oder an einem Ort in der Region. Das gemeinnützige Unternehmen sieht sich in seinen Bemühungen immer noch am Anfang. "Wir haben noch viel vor", hieß es auf der Feierstunde. "Es gibt noch viel zu tun gibt, bis Menschen mit Behinderung in allen Bereichen ihres Lebens - Wohnen, Arbeiten, Kultur, Freizeit und Bildung - vollumfänglich teilhaben können."

An der Feier nahmen zahlreiche Gäste teil: Bürgermeister vieler Gemeinden des Landkreises, Bürgerinnen und Bürger Schönbrunns und umliegender Gemeinden sowie Mitarbeitende des Franziskuswerks Schönbrunn.

© SZ vom 28.09.2017
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