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Corona-Pandemie:Was hilft - und was eher Panik schürt

SZ-Leser machen sich Gedanken über die Aussagekraft von Test-Statistiken - und über große Gruppen bei Familienfeiern

Wie aussagekräftig sind die Statistiken zu den Corona-Tests? Im Bild: Die Arbeit in einer Münchner Corona-Ambulanz auf der Theresienwiese.

(Foto: Florian Peljak)

"Beherbergung wieder erlaubt" und "Eine Frage der Disziplin", 17./18. Oktober:

Problematische Feiern

Der Artikel hat die Lage gut zusammengefasst. Da wollte Söder jetzt großartige Maßnahmen beschließen, aber für Gebiete mit Sieben-Tage-Inzidenz unter 35 je100 000 Einwohner hat sich, soweit ich sehe, nichts verändert. Noch immer sind bei Familienfeiern in geschlossenen Räumen 100 und außen 200 Leute zugelassen. Wenn erst über dem Warnwert andere Maßnahmen greifen, hilft das, wenn überhaupt, nur dazu, den Wert zwischen 35 und 50 pro 100 000 die Woche zu halten. Menschen, die es sich leisten können, dürfen weiterhin große Feiern abhalten, andere sich auf freier Wiese oder auf Plätzen nur zu zehnt treffen. Wenn plötzlich der Warnwert 50/100 000 erreicht wird, sind allgemein nur noch fünf zugelassen. Einschränkung grundlegender Rechte, weil man kurz vorher gegenüber einigen Gruppen sehr großzügig war. Im März war es der Wahlkampf, heute die Familienfeier, wo Söder niemanden enttäuschen will. Henning Fritsches, Rothenburg

Sinnbefreiter Aktionismus

Auch Markus Söder muss die Realitäten zur Kenntnis nehmen. Sein Vorpreschen mit einem völlig sinnbefreiten Beherbergungsverbot spottete jeder Beschreibung. Keine Zahl belegt, dass Hotelbesuche (egal von wem) ein Treiber der Infektionszahlen sind. Und selbst die in Panikmache angestellten Zahlenvergleiche sind weitestgehend Humbug. Richtig ist, dass es bis dahin noch nie mehr als 7000 vom Robert-Koch-Institut festgestellte (tägliche; d. Red.) Neuinfektionen in Deutschland gegeben hat. Falsch ist, dass die Pandemie dadurch an den Rand des Chaos gerät. Seit März, als die bisherigen Höchststände von 2000 bis 3000 Infektionen festgestellt wurden, hat sich die Zahl der Tests mehr als verdreifacht. Mit einer Korrelation von über 50 Prozent (das ist in der Statistik ein hoher Wert) kann man feststellen, dass die Anzahl der Infizierten mit der Anzahl der getesteten Personen steigt. Wir befinden uns also jetzt im schlimmsten Fall etwa da, wo wir vor sechs Monaten bereits waren. Hinzu kommt, dass die Zahl der belegten Intensivbetten durch Corona-Patienten deutlich niedriger ist als im Frühjahr. Das hängt auch damit zusammen, dass die durchschnittliche Verweildauer eines Corona-Patienten im Krankenhaus sich von circa 14 Tagen auf rund eine Woche halbiert hat. Also bitte halblang! Richard K. Freiherr von Rheinbaben

Tutzing

Statistische Schwächen

Die Infizierten-Panik ist Unsinn. Abgesehen davon, dass viele Tests auch die "Trefferzahl" erhöhen. Aber sind das auch Treffer? Der PCR-Test reagiert bereits auf geringste DNA-Spuren von Covid-19, die Null Infizierungsgefahr und schon gar nicht Erkrankung bedeuten, und zeigt damit in der Mehrzahl auch de facto Nichtinfizierte als positiv an. Das heißt "false positiv", wenn man die konkrete Infektionsgefahr ansetzt - diese Zahl sollte schnellstens verifiziert werden. Die momentane Statistik ist nur gut, um die Bevölkerung zu verwirren. Im übrigen: Bei einer täglichen Corona-Sterbezahl von etwa 20 in Deutschland bei einer Gesamtsterblichkeit von etwa 2500 pro Tag ist für Panik kein Platz. Alles Panikmache, um das politische Gesicht nicht zu verlieren und sich zu profilieren. Dr. Bernd Huber, München

© SZ vom 24.10.2020

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