Carsharing in München:Schlacht der Auto-Verleiher

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CarSharing

Immer mehr Anbieter konkurrieren um den Carsharing-Markt in München.

(Foto: dpa)

München ist in Sachen Carsharing ein umkämpfter Markt. Nun drängt auch Daimler mit 300 Fahrzeugen in die bayerische Landeshauptstadt. Außerdem läuft in Schwabing noch ein ganz anderes Pilotprojekt.

Von Marco Völklein

Nun also auch Daimler: Von Juni an will der Stuttgarter Autokonzern zunächst etwa 300 Carsharing-Autos vom Typ Smart in der Innenstadt anbieten. Bislang hatte sich die Tochterfirma "Car2go" an der Isar zurückgehalten und dem Konkurrenten BMW mit dessen Angebot "Drive-Now" sowie zwei Firmengründern von "Zebra-Mobil" das Feld überlassen. Nun aber macht Daimler mobil - und setzt damit den bisherigen Carsharing-Anbieter "Stattauto" zusätzlich unter Druck. Der spürt nach eigener Aussage die zunehmende Konkurrenz bereits.

So verzeichnete Stattauto-Chef Olaf Rau in den vergangenen Jahren stets Zuwächse bei den Kundenzahlen von zwölf bis 15 Prozent. Im Jahr 2012 lag das Wachstum nur noch bei "etwa fünf bis sechs Prozent", bilanziert Rau. Carsharing-Anbieter aus anderen Städten, in denen vor allem Car2go schon länger seine Smarts anbietet, hätten die Münchner vor einer solchen Entwicklung gewarnt, sagt Rau. "In zwei bis drei Jahren aber rechnen wir damit, dass wir unser normales Wachstum wieder erreichen."

Die Tochterfirmen der Autokonzerne würden viele neue Kunden an das Thema Carsharing heranführen. "Sobald sie aber merken, dass ihnen die dort angebotenen Autos zu klein sind oder die Tarife zu teuer, kommen sie zu uns." Bereits jetzt würden sich einzelne Drive-Now-Nutzer zu den Stattauto-Infoabenden einfinden und sich als Neukunden einschreiben. Der ökologische Aspekt spiele dabei aber eher selten eine Rolle, räumt Rau ein. "Die Leute rechnen halt."

Angebote wie Drive-Now, Car2go und Zebra-Mobil unterscheiden sich in zwei wesentlichen Punkten von den "klassischen" Carsharing-Unternehmen: Während Stattauto seine Fahrzeuge an stadtweit etwa 100 festen Stationen anbietet, die der Kunde dort abholen und auch wieder dorthin zurückbringen muss, stehen die Autos von Drive-Now und Co. überall in der Stadt auf öffentlichen Parkplätzen. Per Smartphone oder Internet findet und bucht der Kunde die Autos - und stellt sie auch wieder auf öffentlichem Grund ab. Dafür kaufen die Unternehmen bei der Stadt Parklizenzen.

Zudem unterscheiden sich klassische Carsharer durch ihr Tarifsystem von den neuen Anbietern. Während Stattauto einen monatlichen Grundbeitrag und für die Autonutzung einen Preis pro gefahrenem Kilometer verlangt, berechnen Drive-Now, Zebra-Mobil und Car2go zwischen 19 und 34 Cent pro Minute für die Autonutzung. Auf monatliche Gebühren verzichten die neuen Anbieter zudem. Und: Stattauto ist eine gemeinnützige GmbH. In einem Sozialprojekt erledigen Benachteiligte Bürotätigkeiten oder warten die Fahrzeuge - das stammt noch aus der Gründungshistorie: Umweltbewegte hatten Stattauto 1992 gegründet, um den Umweltschutzgedanken mit sozialem Engagement zu verbinden.

Nun aber machen sich immer mehr Autokonzerne in der Carsharing-Szene breit. Stattauto-Chef Rau sieht in der neuen Konkurrenz bislang allerdings keine Gefahr für sein Geschäft: Er kann auch mit einem einstelligen Kundenwachstum leben. Zudem bietet er eine umfassende Fahrzeugflotte vom Kleinwagen bis zum Transporter, die die Autokonzerne nicht offerieren. "Wer zu uns kommt, der bleibt auch", sagt Rau. Zumal zumindest Drive-Now, Gerüchten zufolge, bislang noch weit von der Gewinnzone entfernt sein soll.

Dennoch will Rau auf die neue Konkurrenz reagieren und denkt darüber nach, die Kaution zu halbieren oder ganz abzuschaffen, die Neukunden bei Stattauto zunächst hinterlegen müssen. "Das ist eine hohe Zugangshürde", sagt der Chef. Bislang verlangt Stattauto 500 Euro Kaution; wer ein MVV-Monatskarten-Abo hat, zahlt 250 Euro. Zudem will er "weiße Flecken" auf der Landkarte schließen und zusätzliche Stationen beispielsweise in Allach, Gern und im Norden von Milbertshofen eröffnen.

Außerdem läuft seit vergangenem Jahr in einer Wohnanlage in der Johann-Fichte-Straße in Schwabing ein Pilotprojekt. Den Bewohnern stehen dort drei Leihautos von Stattauto zur Verfügung, zudem zwei Elektrofahrräder und zwei MVV-Karten. "Mobilität aus einer Hand" soll diese Station bieten. Kommt das Modell bei den Nutzern an, will Rau es mit Unterstützung der Stadt auf Neubaugebiete wie das Areal in der ehemaligen Funkkaserne im Münchner Norden ausdehnen. Bei den Wohnungsbaugenossenschaften renne er damit offene Türen ein, sagt Rau. Denn die könnten so die Zahl der teuren Tiefgaragenplätze drücken, zu deren Bau die Bauherren nach einer städtischen Satzung verpflichtet sind.

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