Treffen der Burschenschaften Rechte unter sich

Konservativ bis rechtsaußen: Mitglieder von Burschenschaften auf dem diesjährigen Burschentag in Eisenach.

Auf Einladung der Münchner Cimbria treffen sich am Wochenende völkisch orientierte Burschenschaften in Bogenhausen. Sie haben offenbar radikale Pläne für ihre Vereinigung.

Von Sebastian Krass

Es ist ein Treffen des Rechtsaußen-Flügels der Burschenschaften: Von Freitag bis Sonntag ist die Münchner Cimbria Gastgeberin eines dreitägigen "Seminars" der Burschenschaftlichen Gemeinschaft (BG). Die Cimbria, die ihren Sitz in der Cuvilliésstraße in Bogenhausen hat und bisher öffentlich nur selten in Erscheinung trat, ist aktuell Vorsitzende der BG. Von den sieben Münchner Burschenschaften ist neben der Cimbria auch die Danubia Mitglied der BG.

Der bayerische Verfassungsschutz stuft die Aktivitas, also die studierenden Mitglieder, der Danubia als rechtsextremistische Organisation ein. Und die Behörde erklärt: "Wir gehen davon aus, dass Mitglieder der Aktivitas der Danubia am Treffen der Burschenschaftlichen Gemeinschaft teilnehmen werden."

Keine Anhaltspunkte für extremistische Bestrebungen

Die Cimbria war vor knapp zwei Jahren Gegenstand einer Anfrage im Landtag. Nachdem an einer Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag im Hofgarten Mitglieder rechter Gruppen, auch der Cimbria und der Danubia, teilgenommen hatten, wollte der SPD-Abgeordnete Florian Ritter unter anderem wissen, was es mit der Cimbria auf sich hat. Das Innenministerium, dessen Chef Joachim Herrmann (CSU) auf der Gedenkveranstaltung gesprochen hatte, erklärte, bei der Cimbria lägen "keine tatsächlichen Anhaltspunkte für extremistische Bestrebungen vor". Die Burschenschaft habe sich nach der Veranstaltung in einem Brief an den Minister "ausdrücklich davon distanziert, in irgendeiner Weise einen nationalsozialistischen Sprachgebrauch beabsichtigt zu haben, und bedauert zutiefst, wenn gleichwohl ein solcher Eindruck entstanden sein sollte".

Als Vorsitzende der BG und Gastgeberin des Seminars nimmt die Cimbria nun aber eine Führungsrolle im rechten Spektrum der ohnehin grundsätzlich stark konservativen Burschenschaftsbewegung ein. Die BG hat 37 Mitglieder und stellt inzwischen etwa die Hälfte der Mitglieder im Dachverband Deutsche Burschenschaft (DB). Aus der DB sind in den vergangenen Monaten mehr als 30 Burschenschaften ausgetreten, darunter auch die Münchner Franco-Bavaria und Arminia-Rhenania, weil sie den von der BG geprägten Rechtsaußen-Kurs nicht mehr mittragen wollen.

Ein "brauner Elite-Orden"?

Vorgängerin der Cimbria als BG-Vorsitzende war die Germania aus Hamburg. Sie verfasste im Frühjahr ein Positionspapier, in dem sie davor warnt, "burschenschaftliche Positionen zugunsten der politischen Korrektheit und einem antinationalen und widernatürlichen Zeitgeist" aufzugeben. Der Autor des Papiers konstatiert "kaum mehr lösbare Probleme, die sich aus der (...) massiven Überfremdung ergeben". Überdies wird die "immer heftiger werdende Ausgrenzung von Kritikern dieser politischen Entwicklung" beklagt. Weiter heißt es: "Strafgesetzlich fixierte ,Meinungsdelikte' und so genannte ,political correctness' bedrohen Freiheit und soziale Existenz Andersdenkender."

Die BG sei "immer Garant" gewesen, dass "burschenschaftliche Ideale und Werte" nicht "zu Gunsten einer Anbiederung an deutschfeindliche Multikultifanatiker in den Medieninstituten geopfert werden". Das Papier ist ein Plädoyer dafür, die BG zu einem Zirkel zu machen, der sich aus dem öffentlichen Diskurs fernhält. Ein Szenekenner spitzt es zu: Da gehe es darum, "eine Art braunen Elite-Orden für ganz rechte Burschenschafter" zu formen.

Ein Vertreter der Germania wollte sich nicht zu dem Papier und dem Seminar in München äußern. Er verwies an die Cimbria. Die erklärte schriftlich, für eine Stellungnahme "momentan nicht zur Verfügung" zu stehen. Von Protestaktionen gegen das Burschenschaftertreffen ist nichts bekannt, was daran liegen könnte, dass zahlreiche antifaschistische Aktivisten am Wochenende an Gedenkveranstaltungen zum 75. Jahrestag der nationalsozialistischen Pogromnacht am 9. November teilnehmen.

Die Münchner Polizei erklärt, man wisse von dem Burschenschaftertreffen. Es sei aber kein Einsatz geplant, weil "uns derzeit keine Erkenntnisse auf etwaige Störungen der, bzw. durch die Veranstaltung vorliegen".