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Brand in Freimann:Zu leicht entflammbar

Der Brand im Ankunftszentrum für Asylbewerber konnte sich schnell ausbreiten. Der Vorfall ist laut den Verantwortlichen aber professionell gemanagt worden

Von Inga Rahmsdorf

Draußen auf dem Gelände riecht es noch nach den verkohlten Überresten der ausgebrannten Container. Drinnen in den Hallen des Ankunftszentrums (AZ) für Asylbewerber geht dagegen alles seinen geordneten Gang. Das ist zumindest das, was die Regierung von Oberbayern gemeinsam mit der bayerischen Sozialministerin Emilia Müller (CSU) am Freitag im Münchner Ankunftszentrum in Freimann demonstrieren will. Es sind zwar nur einige wenige Flüchtlinge zu sehen, die im Wartebereich auf Bierbänken sitzen, Toast mit Putenwurst aus der Dose essen, und überrascht die an ihnen vorbeiziehende Delegation beobachten. Doch der Betrieb laufe wieder ganz normal, versichert Regierungspräsident Christoph Hillenbrand. Das Zentrum ist die erste Station für Flüchtlinge in München. Sie werden dort registriert, versorgt und medizinisch untersucht, bevor sie an die für sie zuständige Erstaufnahmeeinrichtung weitergeleitet werden. Derzeit geht es dort recht ruhig zu, am Tag kommen etwa 100 bis 300 Menschen an.

Die Container dienten als Übernachtungsmöglichkeiten.

(Foto: Catherina Hess)

Am Mittwochnachmittag war ein Brand in einem Container ausgebrochen, der als Übernachtungsplatz für Flüchtlinge auf dem Gelände dient. Das Feuer hatte sich sehr schnell ausgebreitet, die insgesamt 75 in den Containern untergebrachten Männer konnten aber alle in Sicherheit gebracht werden und sind mittlerweile in die Bayernkaserne verlegt worden. Ein Sicherheitsmann erlitt eine leichte Rauchvergiftung. Die Polizei schließt eine Brandstiftung aus und geht von einem technischen Defekt aus. Die Ermittlungen sind aber noch nicht abgeschlossen. Ansonsten versichern die Vertreter des Freistaates, der Regierung sowie von Polizei und Feuerwehr zwei Tage nach dem Brand einmütig, dass alle Mitarbeiter des Ankunftszentrums schnell und richtig reagiert hätten, dass beim Brandschutz die Empfehlungen der deutschen Feuerwehr für Flüchtlingsunterkünfte eingehalten worden seien, dass die Rauchmelder funktioniert hätten und umgehend der Alarm ausgelöst worden sei.

Couch und Klopapier in Flammen

Es ist nicht das erste Mal, dass es in einer Unterkunft für Flüchtlinge gebrannt hat. Immer wieder müssen Feuerwehr und Polizei zu solchen Vorfällen in Flüchtlingsunterkünften ausrücken, "aber bis dato gibt es keinen einzigen Brandanschlag von außen auf eine Unterkunft", sagt Polizeisprecher Peter Beck.

Die Brandfahnder der Kriminalpolizei ermittelten im vergangenen Jahr in 17 Fällen, die sich in Asylunterkünften abspielten oder mit Asylbewerbern zu tun hatten. In der Unterkunft an der Truderinger Straße etwa wurde seit Ende Oktober acht Mal Feueralarm ausgelöst. Es handelte sich aber immer um kleinere Brände, einmal wurde beispielsweise versehentlich Plastik auf eine heiße Ofenplatte gestellt, einmal brannte auf der Toilette eine Klopapierrolle. "Es entstand nie nennenswerter Schaden, es gab auch keine Verletzten", sagt Beck. Die Ermittlungen dauern an.

Heftiger war der Brand am 23. Februar 2015 in der Parkstraße. In einem Gemeinschaftsraum ging eine Couch in Flammen auf. Gut 60 Bewohner mussten das Anwesen verlassen, der Schaden lag bei über 100 000 Euro. Die Brandfahnder haben noch keinen konkreten Tatverdacht, nehmen aber an, dass der Zündler unter den Bewohnern zu suchen ist. In der Plettstraße, wo unbegleitete minderjährige Flüchtlinge untergebracht waren, kam es aufgrund eines technischen Defektes zu einem Wohnungsbrand, in der Skagerrakstraße brach bei Schweißarbeiten ein Feuer aus. Verletzte gab es bei all den Vorfällen nicht. wim

Dass sich das Feuer trotzdem so schnell ausbreiten konnte, das habe ihn auch überrascht, sagt Brandmeister Peter Bachmeier. Als die Feuerwehrleute sieben Minuten, nachdem sie alarmiert worden waren, auf dem Gelände ankamen, sei bereits etwa die Hälfte der 32 Container, die zu einem Komplex zusammengefügt waren, in Flammen gestanden. Der Grund dafür seien wahrscheinlich die leicht entflammbaren Schaumstoffmatratzen der Betten gewesen, sagt Bachmeier. Die Metallcontainer seien zudem mit Mineralwolle gedämmt, die ebenfalls gebrannt habe. "Wenn wir zwei Minuten später gekommen wäre, hätte sich das Feuer auch auf die anderen Containeranlagen ausgebreitet." Insgesamt 70 Feuerwehrleute und 25 Löschwagen waren im Einsatz.

Eigentlich ging es am Freitag also darum, zu zeigen, dass alle noch einmal glimpflich davon gekommen sind, und allen Beteiligten für ihren Einsatz zu danken. Nur bei Sozialministerin Müller konnte man zwischendurch schon einmal den Anlass für die Pressekonferenz aus den Augen verlieren. Nach einigen lobenden Worten für den Einsatz beim Brand und für das Ankunftszentrum, das in dieser Form in Deutschland bisher einmalig ist, ließ die Sozialministerin die Gelegenheit nicht aus, für eine Obergrenze in der Asylpolitik zu werben. "Wir müssen jetzt ein klares Signal senden, damit die Menschen sich gar nicht erst auf den Weg nach Europa machen", sagte sie. Wie sie Menschen in Syrien davon abhalten wolle, vor dem Krieg zu fliehen, erklärte sie nicht. Aber sie warnte vor Parallelgesellschaften und vor Zeltstädten in Bayern, die notwendig würden, wenn die Zahl der Schutzsuchenden nicht begrenzt werde. Und sie lobte den Beschluss in Berlin, bei dem sich die Koalition auf eine Verschärfung des Asylrechts geeinigt hatte.

© SZ vom 30.01.2016
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