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Neue Biertour in München:Dem Bier auf der Spur

Sie singen "In München steht ein Hofbräuhaus" und trinken nebenbei schon mal ein Glas: In einem alten englischen Doppeldecker-Bus können Touristen künftig Brauereien und Wirtshäuser anfahren.

D. Peitz

"Prost!" Die ersten drei Gläser klirren aneinander, bevor der alte englische Doppeldeckerbus auch nur einen Meter vom Hof der Spatenbrauerei gerollt ist. Tourguide Rosmarie Iffelsberger steht vorne und klammert sich an die Haltestange, als der Motor des Doppeldeckers, Baujahr 1962, knatternd anspringt. Während der Bus anfährt und Rosmarie sich ihren Gästen vorstellt, hangelt sich ihre Assistentin Miriam im Dirndl von Sitz zu Sitz.

Oans, zwoa, gsuffa: Am 11. August startet die neue "Biertour München".

(Foto: oh)

An jedem Platz ist eine Halterung angebracht, die nun von ihr mit Trinkgläsern bestückt werden. Wahlweise gibt es Bier oder Alkoholfreies, allerdings nicht in Maßkrügen, sondern in 0,25-Liter-Gläsern.

Am 11. August startet die neue "Biertour München". In einem roten Doppeldeckerbus können sich Touristen und Einheimische zu den Bierorten der Stadt fahren lassen und etwas über Geschichte und Eigenart des bayerischen Nationalgetränks erfahren. Die Tour endet mit einer Brauereibesichtigung und einer Verköstigung. Erfinder der neuen Bierrundfahrt ist der Reisejournalist Bernhard Obst, der bereits im Jahr 2000 das "Wiesn Camp" im Olympischen Reitstadion Riem als Übernachtungsmöglichkeit für jugendliche Oktoberfest-Besucher aufgebaut hat. Die Biertour ist sein neuestes Projekt.

"Der Nockherberg liegt zum Beispiel für Touristen viel zu weit draußen, da würden die München-Touristen von selbst nie hinkommen", erklärt Obst seine Geschäftsidee. Die Tour dauert vier Stunden und kostet samt Brauereibesichtigung und Verköstigung 34 Euro, anmelden können sich Touristen im Internet unter biertour-muenchen.de.

Tourguide Rosmarie taucht unterdessen ein in die Geschichte und erzählt von bierbrauenden Ägyptern, Germanen, deren Bier zwar furchtbar geschmeckt haben müsse, aber immerhin Alkohol enthalten habe, und der Entstehung Münchens als Mönchssiedlung. Als sie beim Reinheitsgebot von 1487 unter Herzog Albrecht IV. angelangt ist, passiert der Bus den Löwenbräukeller. "Der musste mal eine saftige Rechnung zahlen, als die U-Bahn wegen einer Bierleitung des Löwenbräukellers tiefergelegt werden musste", erzählt sie ihren Gästen.

Kurze Zeit spät lenkt Rosmarie die Aufmerksamkeit auf den Bierbrunnen vor dem Gebäude des Bayerischen Brauerbundes am Oskar-von-Miller-Ring. Jedes Jahr am 23. April sprudeln 1000 Liter drei verschiedene Sorten Freibier aus dem Brunnen. Als das Hofbräuhaus in Sichtweite ist, stimmt sie das Lied "In München steht ein Hofbräuhaus" an. Fahrer Franklin hat indes Probleme, die Straßen sind einfach zu eng für den Doppeldecker, und zwei Falschparker machen dem Busfahrer das Leben schwer.

Zeit für einen Film, entscheidet Rosmarie und ordnet an, den "Münchener im Himmel" nach Ludwig Thoma ins DVD-Laufwerk zu schieben. Assistentin Miriam schenkt derweil nach. "Unsere Biertour ist allerdings keine Sauftour. Die Leute sollen sich hier nicht zulöten und rumgrölen", stellt Eva, die Tochter von Bernhard Obst, klar.

Als Engel Aloisius im Film sein "Halleluja" anstimmt, hat der Doppeldecker die letzte Hürde, den engen Hofgraben, passiert und nimmt Kurs auf den Nockherberg. Rosmarie wendet sich nun dem Weißbier zu: Das Weißbier musste in den Kellern immer kühl gelagert werden, erklärt sie. Oft pflanzten die Brauer über ihren Lagerkellern Kastanien, das dichte Blattwerk förderte die Kühlung. Das Weißbier wurde dann manchmal direkt vor Ort ausgeschenkt, die Wirte durften aber kein Essen verkaufen, so entstanden die ersten Biergärten.

Am Nockherberg angekommen werden die Zuhörer über das Bockbier aufgeklärt. Es geht zurück auf den Paulanermönch Laienbruder Barnabas, der 1750 im oberpfälzischen Fischbach geboren wurde. Seine Mitbrüder am Nockherberg brauten ihr Bier stets besonders stark, um es in der Fastenzeit als Lebensmittelersatz zu verwenden.

Allerdings soll das Starkbier nicht sonderlich gut geschmeckt haben. Als es dem Papst zur Anerkennung in den Vatikan geschickt worden war, soll dieser nach einer Kostprobe zu den Mönchen gesagt haben: "Trinket dies zur Buße." Laienbruder Barnabas verfeinerte das Bockbier, heraus kam der heute allseits bekannte Salvator.

Zurück an der Spatenbrauerei wartet Maximilian Ried, Brauerstudent im achten Semester, auf die Gruppe. Zwischen bronzenen Sudkesseln und uralten Bierfässern erzählt er, dass die Hefe den Brauern früher unbekannt war. Sie glaubten, dass Gott und nicht die Hefe dafür verantwortlich war, ob das Bier gut oder schlecht wurde. Aus dieser Zeit stammt der Brauerspruch "Gott gebe Glück und Segen drein".

© SZ vom 10.08.2010/sonn
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