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Bettwanzen breiten sich aus:Auf der Lauer

Tagsüber versteckt sie sich in Schlafzimmern, nachts saugt sie den schlafenden Bewohnern das Blut aus dem Körper: Die Bettwanze breitet sich aus. Vor allem im Sommer. Und immer häufiger auch in München.

Die Bettwanze ist ein unliebsamer Zeitgenosse: Tagsüber versteckt sie sich meist in Schlafzimmern, etwa in Wandritzen, hinter Steckdosen oder Matratzenfalten. Nachts saugt sie dann den friedlich schlafenden Bewohnern mit einem Stechrüssel das Blut aus dem Körper. Das Problem ist: Nachdem die Wanze als Ungeziefer in Industrieländern lange keine Rolle spielte, taucht sie heute wieder öfter auf - vor allem im Sommer während der Reisezeit und immer häufiger auch in München.

Bettwanze

Eine Bettwanze beim Blutsaugen. Kammerjäger berichten übereinstimmend, dass Bettwanzen auch in München immer häufiger vorkommen.

(Foto: dpa)

"Früher hat man mit dem Insektenvernichtungsmittel DDT gearbeitet, das hat die Wanzen zuverlässig getötet. Aber es war halt auch für den Menschen schädlich", sagt Eckhard Hoffmann. Der Münchner ist ausgebildeter Mediziner und beschäftigt sich in seinem Blog bettwanzen-ratgeber.de mit dem Phänomen, weil er vor Jahren bei einem Ausflug in die Nähe von Andechs selbst eine Wanze im Zimmer hatte.

Wegen des DDT waren die Wanzen lange kein Problem, heute jedoch reisen die Bürger viel, der internationale Warenverkehr hat zugenommen - und die Bettwanzen haben inzwischen auch vielerlei Resistenzen gegen Chemikalien entwickelt. So werden sie wieder eingeschleppt und überleben hartnäckig.

In New York etwa war die Plage in den vergangenen Jahren besonders schlimm: 2004 waren in der US-Stadt noch 537 Fälle von Wanzenbefall aktenkundig, 2010 waren es bereits 12 768. "Die könnten die Wanze inzwischen schon als Stadtlogo benutzen", sagt Hoffmann. In Deutschland gibt es keine Meldepflicht bei Bettwanzenbefall und daher auch keine Statistiken. Kammerjäger aber berichten übereinstimmend, dass Bettwanzen auch in München immer häufiger vorkommen.

Diplom-Biologe Heiko Heinz zum Beispiel hat sich auf die Bekämpfung der Blutsauger spezialisiert. Seit fünf Jahren arbeitet er mit dem Studentenwerk zusammen und wird mehrmals jährlich gerufen, wenn wieder Bettwanzen Wohnheime befallen haben - wie vor kurzem in einem Wohnheim in Großhadern.

Oft erreichen ihn die Anrufe in den Semesterferien, wenn Reisende aus ihrem Urlaub zurückkommen. Dabei betont Heinz, dass die Tiere nicht nur in Jugendherbergen oder günstigen Motels vorkommen, sondern auch Luxushotels befallen. Meist halten sich die Wanzen rund um das Bett auf, um sich nicht zu weit vom Wirt zu entfernen. "Das Tier ist sehr ortstreu und nicht gerade sportlich aktiv", sagt Heinz. Wenn Urlauber ihre Koffer also in einem befallenen Hotelzimmer offen stehen lassen, ist das Risiko hoch, dass sich einige Bettwanzen im Gepäck verstecken - und so die Reise in die Heimat mitmachen und sich dann auch in der Wohnung ausbreiten. Je später die Wanzen bekämpft werden, desto heftiger wird der Befall.

Gibt es nichts zu fressen, harren die Tiere einfach aus

Dabei denken die meisten Leute erst, sie hätten Mückenstiche. Erst wenn keine andere Erklärung mehr greift, wird der Kammerjäger informiert. Ob ein Zimmer befallen ist, erkennen Experten an den charakteristischen Kotspuren. Die braunen Kügelchen von der Größe eines Stecknadelkopfes kleben an den Wänden oder am Bett. Ist ein Zimmer befallen, behandelt Heinz Matratzen, Bettzeug und Lattenrost mit Gift.

Meist rät er dazu, die Sachen zu entsorgen, um die Hauptherde auszuschalten. Außerdem versprüht er in den Zimmern einen speziellen Wirkstoff, der die Wanzen nicht in andere Zimmer vertreibt, sondern an Ort und Stelle tötet. Wenn die Tiere über den Wirkstoff laufen, nehmen sie das Gift über die Gelenkhäute auf und verenden. Wichtig sei aber, dass die Bewohner weiter in ihren Zimmern schlafen - als Köder quasi, denn die Wanzen kommen nur aus ihren Verstecken, wenn der Wirt im Raum ist. Gibt es nichts zu fressen, harren die Tiere einfach aus: Sie können bis zu neun Monate ohne Blut überleben.

Andere Kammerjäger benutzen andere Methoden. Gängig ist zum Beispiel auch ein Verfahren, nach dem die befallenen Räume mittels eines speziellen, mit Starkstrom betriebenen Heizkörpers auf bis zu 55 Grad aufgeheizt werden. Bei einer Temperatur von 45 Grad bricht der Stoffwechsel zusammen und die Parasiten sterben. Auf jeden Fall braucht man Geduld, um die Tiere endgültig wieder loszuwerden, die sich nachts auch von der Decke auf ihre Opfer fallen lassen, um ihnen Blut abzuzapfen. Das Risiko, dass sich eine Wanze doch noch in einer Ritze versteckt und überlebt, ist nie ganz auszuschließen.