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Beady Eye in der Tonhalle:Braver Bruder

Skandal- und hitfrei: Liam Gallagher steht in München ohne Noel auf der Bühne - und gibt sich Mühe, brav und souverän zu wirken. Bei ihrem Auftritt in der Tonhalle erinnern Beady Eye daran, wie gut Oasis einmal waren.

Dieses Konzert kommt ohne Schlägerei, Absage und abruptes Ende aus. Es kann sich also nicht um Oasis drehen. Oder doch? Streng genommen sind Beady Eye eine eigene Band - eine nur scheinbar neue allerdings, die sich aus ehemaligen Oasis-Musikern formt. Oasis ohne Noel Gallagher, um genau zu sein.

Beady Eye Online Tipp

Beady Eye sind vier Musiker - Oasis ohne Noel Gallagher, um genau zu sein.

(Foto: oh)

Der hatte vor zwei Jahren im Brüderzwist in Paris zunächst eine Gitarre zerdeppert und dann die Brit-Pop-Pioniere verlassen, woraufhin der Rest mal eben weitermachte - als Beady Eye (auf Deutsch: Knopfauge): Liam Gallagher schrieb variantenreiche Rocksongs, die an Oasis erinnerten, die aber ohne deren Genialität und Hymnenkraft auskommen mussten. Zum Teil peppte er dazu alte Oasis-Demos auf, etwa bei der Single "The Roller". Das beachtliche Beady-Eye-Debüt "Different Gear, Still Speeding" versöhnte enttäuschte Oasis-Fans. Ein bisschen zumindest.

Nun also der Anblick, an den man sich erst gewöhnen muss: Liam steht ohne Noel auf der Bühne. Der Mann aus Manchester, der bei der legendären Klopperei im Bayerischen Hof 2002 zwei Schneidezähne verlor und dem jetzt offenbar vorschwebt, seinen blutrauschhaften Erinnerungen an München ein paar erfreuliche hinzuzufügen.

Zum Beispiel, indem er in der locker gefüllten Tonhalle ein skandalfreies Konzert gibt. Ein Konzert, das weder berauscht noch enttäuscht. Eines, das den Zuhörer aus nächster Nähe erahnen lässt, wie gut Oasis einmal waren. In 70 Minuten inszenieren die sechs Musiker die Stücke ihrer Platte, schmücken das begrenzte Set mit B-Seiten ihrer Singles aus, darunter das World-of-Twist-Cover "Sons of the Stage", und lassen von Oasis-Hits die Finger wie der kluge Bär seine Tatzen vom umschwärmten Bienenstock.

Liam Gallagher, Urtyp des neuzeitlichen Rüpelrockers, gibt sich Mühe, brav und souverän zu wirken. Mit meist auf dem Rücken seines Tarnfabenmantels verschränkten Armen reißt er die Songs mit einer Mischung aus Lässigkeit, Professionalität und Rock'n'Roll-haftigkeit herunter. Doch der jüngere der Gallaghers, Jahrgang 1972, hat Probleme: Ständig gestikuliert er in Richtung Tonmischer. Sein Gesang wirkt schlampiger, als es Oasis-Fans lieb sein kann. Immer eine Spur daneben. Ein Eindruck indes, der im Laufe des Gigs verblasst - auch weil es der exzellenten Band gelingt, das reife Publikum mit einem präzisen und druckvollen Sound einzulullen.

Dass Noel, vielleicht der begnadetere Songwriter der beiden, am kommenden Freitag seine eigene Soloplatte herausbringt, dürfte ein weiteres Problem für Liam darstellen. Überraschenderweise sagte Noel Gallagher kürzlich in einem Interview: "Ich vermisse meine Band. Ich vermisse Oasis." Die Brüder-Show geht also weiter. Und womöglich werden bald wieder Oasis-Texte zu lesen sein, in denen gehörig die Fetzen fliegen.

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