bedeckt München
vgwortpixel

Band der Woche:tiduz.

Lennart Wenner hat früher mal in einer Metal-Band gesungen. Heute rappt er, setzt sich in seinen Songs mit dem Gefühl von Heimatlosigkeit auseinander und kritisiert Machogehabe im Hip-Hop

Nach dem Tod von Ian Curtis 1980, Sänger der Band Joy Divison, benannten sich die verbliebenen Mitglieder der Band kurzerhand um. In New Order. Doch die Gründe dafür, dass Musiker und Bands ihre Namen ändern, müssen nicht immer derart tragisch sein. Die US-amerikansiche Sängerin und Produzentin Santigold musste ihren ehemaligen Namen Santogold wegen eines Rechtsstreits mit einer Schmuckfirma wechseln. Und dann gibt es Künstler wie Jay-Z, der unter anderem schon Jay Z, JAY-Z oder Jazzy hieß, bei denen keiner so recht zu wissen scheint, warum sie Namen oder Schreibweise ändern.

Bei dem, ehemals als Nemo bekannten Münchner Rapper ist der Grund hingegen nachvollziehbar. Er benannte sich nach einer Location im Kopenhagener Anarcho-Stadtteil Cristiania. Suchte man allerdings im Internet nach ihm, stieß man bei der Recherche auf Spotify und anderen Seiten nicht nur auf einen allseits bekannten Clownfisch aus dem Disney-Universum, sondern auch auf andere Musiker und Rapper mit selbem Namen.

Seit Anfang des Jahres nennt er sich jetzt tiduz. Angelehnt an einen Charakter aus dem Computer Rollenspiels Final Fantasy X.

Für tiduz., der eigentlich Lennart Wenner heißt, begann das Musikmachen allerdings nicht mit Rap. Mit 15 war er noch Mitglied einer Metal-Band. Dort sang er und spielte Gitarre. Die ersten Rap-Texte schrieb er dann mit Anfang 20. Beeinflusst durch Künstler wie Casper, der ja auch musikalisch eine gewisse Nähe zu Hardcore hat, sowie dem Album "Neopunk" von Prinz Pi, legte tiduz. 2016 los und veröffentlichte seitdem jedes Jahr eine EP. Die hat er meist selbst produziert oder dafür mit dem Produzenten Spexo, der unter anderem schon an Goldrogers Album "Räuberleiter" beteiligt war, zusammengearbeitet.

Auch für dieses Jahr steht die Veröffentlichung einer EP an. Produziert diesmal allerdings von dem Münchner Rapper Manoo. Er und tiduz. lernten sich bei einem Hip-Hop-Jam in der Glockenbachwerkstatt kennen und verstanden sich offenbar so gut, dass sie beschlossen, künftig zusammenzuarbeiten.

Auch live soll Manoo als DJ mit tiduz. auf der Bühne stehen. Das erste Mal voraussichtlich am 3. März im Feierwerk. Tiduz. wird dort in der Vorrunde des Sprungbrett-Wettbewerbs der Fachstelle Pop antreten. Dabei will er nicht nur Songs seiner 2018 erschienenen Platte "Als wär es nicht egal", sondern möglichst auch viel Neues performen.

tiduz.

Stil: Rap

Besetzung: Lennart Wenner

Aus: München

Seit: 2016

Instagram: tiduzpunkt

Die Themen, die tiduz. dabei in seinen Songs anspricht, sind dabei sehr divers. Drehen sich um sein Seelenleben, um das Gefühl von Heimatlosigkeit und die Angst davor, nie anzukommen. Sie schildern Alltagsbeobachtungen wie in dem Track "König der Farben" oder kritisiert wie in "8066" sexistische Strukturen und Machogehabe im Hip-Hop. Auf der neuen EP gibt es mit "Monica Lewinski" auch einen Song, der sich mit diesem Thema intensiver auseinandersetzt. "Ich finde, dass Arbeit, vor allem auch emotionale Arbeit, die von Frauen geleistet wird, oft nicht oder zu wenig anerkannt wird." Für tiduz. ein Grund, sich mit diesem Thema aus einer männlichen Perspektive zu beschäftigen. Generell möchte er in seiner Musik mehr Stellung zu gesellschaftlichen Problemen beziehen, politischer werden.

Wichtig ist ihm dabei, dass sein Publikum beim ersten Hören versteht, was er sagen will. Die Songs sollen nicht zu verworren sein, und trotzdem eine Botschaft transportieren. "Es gibt Leute, die sehen mich vielleicht nur einmal live. Da will ich, dass sie gleich wissen, von und über was ich spreche."

© SZ vom 13.01.2020
Zur SZ-Startseite