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Band der Woche:The Filles

Fotograf in Köln der eine, Restaurantmanager in München der andere: Dimi Katsavaris und Markus Klaas spielen zusammen Rock und Indie

Von Amelie Völker

Zweifellos ist die Coronakrise ein schmerzhafter Einschnitt, ganz besonders für Künstler. Aber manchmal kann auch die Entschleunigung des Alltags in einer Art Ausbruch an Kreativität münden. Zumindest bei Dimi Katsvaris, 32, und Markus Klaas, 33, vom Musikprojekt The Filles war das so . Denn eigentlich haben die beiden stets einen vollen Terminkalender. Dimi ist Foto- und Videograf, Markus ist Restaurantmanager. "Das war Glück im Unglück," sagt Dimi, "unsere beiden Professionen leiden sehr unter der Krise, daher haben wir extrem viel Zeit, um Musik zu machen."

The Filles ist Französisch und steht für, na klar: die Mädchen. Einige Mädchen werden in den drei bisher veröffentlichten Songs von The Filles besungen: Coco aus "SoHo", ein sogenanntes "Jesus Girl" oder eine gewisse "Ophelia". Dimi und Markus schreiben die Songs gemeinsam. Aus dieser Teamarbeit entstehen eingängige Melodien, einfache Strukturen und eine präsente Drum-Bass-Combo. Der Gesamtsound ist positiv ansteckend und klingt mehr nach mitreißendem Optimismus statt Liebeskummer. Als Vorbilder nennen sie The Strokes, Kings of Leon oder The Killers. "Mit solchen großen Gitarrenspielern sind wir groß geworden, also ist das ganz klar, dass sie uns und unsere Musik geprägt haben", sagt Markus. Genremäßig bewegen sie sich im Rock, Indie, Folk, oder auch "Americana", wie sie selbst sagen. "Bei Americana kommt es darauf an, mit dem Song eine Geschichte zu erzählen, das gefällt mir an dem Genre ganz besonders", sagt Dimi. Dieses Schema ist daher auch bei The Filles zu spüren: Jeder Song enthält einen storygetriebenen Text.

Dimi wohnt in Köln, Markus in München. Ständige Bandproben fallen somit weg. Doch die Musik verbindet sie, auch über die Entfernung hinweg. "Wären Markus und ich ein Paar, würden wir die perfekte Fernbeziehung führen", sagt Dimi und lacht. "Wir schreiben uns fast täglich, schicken uns Ideen für Texte oder ich singe ihm eine neue Melodie, die mir eingefallen ist, per Sprachnachricht ein." Digitale Kommunikationsmedien sind dabei nicht nur für den Banddialog auf Distanz bedeutend, auch im Musikvideo zu ihrem ersten veröffentlichten Song "SoHo" spielen sie eine zentrale Rolle. Zu sehen sind Dimi und Markus im Handybildschirm-Format, wie sie ein Privatkonzert für verschiedene junge Frauen geben, die am anderen Ende der Leitung zusehen, mitsingen und tanzen. Dieses Video soll, sagt zumindest Dimi, die Atmosphäre eines digitalen Wohnzimmerkonzerts und gleichzeitig den allgegenwärtigen Facetime-Hype auffangen. Dass The Filles nicht nur ein Händchen für eingängige Songs, sondern auch für ganz individuelle, visuelle Ästhetiken haben, merkt man jedem einzelnen ihrer drei Musikvideos an. Wie viele Musiker konzentrieren sie sich eben momentan vor allem auf ihren virtuellen Auftritt.

© SZ vom 22.06.2020

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