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Band der Woche:Telquist

Solokünstler mit fester Besetzung für Live-Auftritte und einem Faible für Indie-Pop

Bandnamen sind voller Erwartungen: Sie sollen einen Wiedererkennungswert haben, sollen gut auszusprechen sein. Vielleicht geben sie sogar einen Hinweis auf die Musik, die gespielt wird, oder sie erzählen eine Geschichte. Auf jeden Fall sollen sie identitätsstiftend sein, den einzelnen Musikern einen Bezugspunkt geben. Sollen - genau diese Ansprüche können aber unterlaufen werden. Und das macht es nicht minder spannend.

"Ich habe etwas gesucht, das quasi nichts bedeutet", sagt Sebastian Eggerbauer, 23, der hinter dem Indie-Projekt Telquist steckt. Obwohl Sebastian ein Solokünstler ist, hat er für Live-Auftritte eine feste Besetzung: Christoph Hundhammer an der Gitarre, Max Gerisch an den Drums und Thomas Huck am Bass. Und was ist mit dem Namen? Telquist? Da habe er einfach zwei Silben aneinandergereiht. Sebastian war lange in verschiedenen Bands aktiv, hat Bass gespielt. Der Name bei den Bands war immer von Bedeutung. "Mir war es immer unangenehm, eine Geschichte hochzuhalten, die mir selbst nie so wichtig war", erklärt er. Telquist sei der Versuch, es genau andersherum zu machen. Man könnte es einen Anti-Namen nennen, einen Namen, bei dem man sich kein Bild machen kann, bevor man die Musik gehört hat.

"Trash Talk", seine jüngste Single, entfernt sich ein bisschen von den vorherigen Songs: Das Stück sei energiegeladener, sagt er, und nicht mehr so ruhig und chillig wie zuvor. Es fängt laut an, intensiv. Drums und Becken stechen am deutlichsten hervor. Die Instrumente klingen ein bisschen verfremdet. Sebastian sagt, er arbeite generell viel mit Samples, Mitschnitte aus Proben anderer Bands, die er dann schneller abspielt, neu zusammensetzt oder ihre Tonhöhe verändert. "Trash Talk" klingt leicht sphärisch. Oder diffus, aber in einem guten Sinn. Es ist ein schneller Song, eine rasch steigende Tonfolge zieht sich wie ein Muster durch das Stück, mal lauter, mal leiser. Wenn die Instrumente schweigen, kommt die Stimme von Sebastian besonders gut zum Vorschein, auch sie ist leicht verzerrt, klingt kratzig.

Ältere Songs, "Light" zum Beispiel, sind weniger wild, haben ruhigere Rhythmen. Aber auch da arbeitete Sebastian schon mit leichten Verzerrungen und kurzen eingespielten Stimmelementen. Die Lyrics kommen bei ihm meistens nach der Musik, es sei einfacher, einen Text zu schreiben, wenn bereits ein Gefühl da ist. Ein Gefühl, das der Musik entstammt.

Sebastian hat früher eher Reggae gehört, die anderen Mitglieder der Bands, in denen er gespielt hat, eher Rock oder Punk. Herausgekommen sei etwas in Richtung Ska. Im Nachhinein nicht etwas, wo er vollends dahinterstand. Irgendwann war es ihm dann genug. Sebastian wollte seine eigenen Ideen verwirklichen, mehr Freiheit haben mit seiner Musik. "Mal etwas machen, wo es genauso ist, wie ich es mir vorstelle", sagt er. Über Jahre hinweg hatte er da schon an eigenen Songs gearbeitet. Das alles hat er für sich behalten. Erst im Sommer 2017 ging er mit ersten eigenen Singles an die Öffentlichkeit. Es war eine neue Erfahrung für ihn: Zum ersten Mal hörten ihn andere singen. Ein bisschen Angst vor dem Urteil der anderen sei schon dagewesen, sagt er.

Groß geworden ist Sebastian im Münchner Osten, er studiert in Regensburg, sein Manager hat sein Büro im Glockenbachviertel - deswegen ist er gerade häufig in der Stadt. Kommendes Jahr veröffentlicht er ein Album, vorher erscheinen schon erste Singles. Die erste, "Trash Talk", kam am Freitag vor einer Woche heraus. Anfang 2020 ist zudem eine Tour geplant. In der Milla findet das Tourfinale statt. Sebastian tut sich schwer, die Münchner Musikszene zu bewerten. Einige Bands sind ihm in letzter Zeit aufgefallen, Endlich Rudern zum Beispiel. "Sehr lange dachte ich, dass in München wenig passiert. Vielleicht ändert sich das jetzt", sagt er.

© SZ vom 16.12.2019
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