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Band der Woche:Sophále

Das Projekt lebt von der samtigen Stimme der Sängerin

Von Marietta Jestl

Manchmal muss man nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. So wie Carina Sophie Gaschler, 22, die sich als Künstlerin Sophále nennt. Mit 14 Jahren entschied sie sich, Sängerin werden zu wollen. Sie ging in ein Geschäft für Musikequipment, überzeugt alles kaufen zu wollen, was nötig wäre, um daheim selbst Musik aufzunehmen. Der Verkäufer schien beeindruckt von der Ernsthaftigkeit ihres Vorhabens - und bot ihr kurzerhand an, erst einmal sein Studio für eine Aufnahme zu benutzen, anstatt sich sämtliche Technik selbst zuzulegen. "Das war, glaube ich, ein wichtiger Punkt, an dem ich gemerkt habe - das ist es, was ich machen will", sagt Carina.

Lange hatte sie nur in Chorensembles gesungen. "Hier wollte ich lieber im Hintergrund bleiben - alles, nur nicht auffallen. Mir wurden häufig die Soli angeboten, aber ich habe mich nicht wirklich darum gerissen", sagt sie. "Obwohl ich unterbewusst immer den Drang verspürt habe, mich auszudrücken, habe ich das damals eher weggeschoben. Mittlerweile merke ich, dass ich die Barriere fallenlassen kann, und damit rausgehen möchte."

Carina nahm Gesangsunterricht und begann mit 14 Jahren, zu Hause Coversongs aufzunehmen. Hauptsächlich waren es Songs von Bruno Mars, eigentlich mit dem Ziel, diese dann an den Manager des Sängers zu schicken. Verschickt hat Carina die Songs nie, und mittlerweile hört sie Bruno Mars auch gar nicht mehr.

Stattdessen hat sie ihre eigene Form gefunden, sich auszudrücken. Seit Anfang 2020 macht sie nun Musik unter dem Namen Sophále. Bislang hat sie erst eine Single veröffentlicht: "State of Mind". Doch bis Ende des Jahres soll eine EP mit fünf bis sechs Songs entstehen. Carina hat einen schnellen Sprung in eine aufstrebende Richtung gemacht. Denn wieder gibt es Menschen, die ihre Ernsthaftigkeit erkennen und ihr Talent unterstützen wollen: Sie arbeitet mit dem Produzenten Sergio Graumann und dem Manager Nicolai Bader zusammen. Das Projekt Sophále lebt nicht nur von Carinas samtiger, berauschender Stimme, sondern auch von der exakt portionierten und perfekt platzierten Menge an Pop neben den nachdenklichen Synth und Electronica Vibes, die an die Klangflächen von London Grammar oder Lana Del Rey erinnern. Der dezent eingesetzte zweistimmige Gesang wirkt sphärisch und sorgt für eine gelungene Distanzierung vom poppigen Beat. "Der ursprüngliche Plan war, noch alternativer zu klingen, weil ich unbedingt nicht nach Pop klingen wollte. Aber dann habe ich gemerkt, dass das nicht immer geht und dass ich das auch gar nicht muss. Man kann Musik nicht in eine bestimmte Richtung biegen. Jetzt mache ich, was aus mir rauskommt und sich echt anfühlt. Und wenn es ein Pop-Song wird, wird es halt ein Pop-Song", sagt sie und lacht vergnügt.

Ihre nächste Single soll Ende August erscheinen. Sie soll tanzbarer und euphorischer werden.

© SZ vom 03.08.2020

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