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Band der Woche:Oswaldvv

Der Sound des Rappers klingt nach einer Mischung aus Club-Beats mit Autotune-Gesang

Von Sophia Reichert

"Sheesh", "Uh" oder "Yeah". Solche kurzen, improvisierten Geräusche in einem Song heißen Adlips und sind besonders häufig im Hip-Hop oder Rap zu finden. Sei es ein düsteres "T-Raw" von Tyga, oder ein schnelles, tiefes "twentyone, twentyone" und man weiß, dass es sich um 21Savage handelt. Sinn der Sache ist es dabei, als Künstler schnell wiedererkannt zu werden. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt.

"Wie mache ich es, dass sich Leute an mich erinnern?" Diese Frage hat sich auch der Münchner Rapper Oswaldvv gestellt . Im Musikvideo zu seiner Single "Intro" schmettert der 20-Jährige dem Zuhörer gleich 16 Mal seinen Künstlernamen zum immer gleichbleibenden Beat entgegen. Währenddessen steigen seine Freunde und er in Slow Motion aus einem Helikopter.

Ja, ein Helikopter auf einem Dach mitten in der Münchner Innenstadt. Das professionell gedrehte Musikvideo ist mehr oder weniger durch Zufall entstanden. Eine Mitfahrgelegenheit nach Berlin hat Julien Wenk, wie Oswaldvv wirklich heißt, mit dem Werbefilmer David Mitzkus zusammengebracht. Damals hat er noch in dessen Auto freestyle gerappt. Im Februar 2020 ist er so auch in seinem ersten Musikvideo zu sehen, hochwertig produziert von David Mitzkus, schön in Schwarz-Weiß gehalten. Die Mode, die Oswaldvv trägt, ist ausgefallen. Halsketten mit Vorhängeschloss unter voluminösen Daunenjacken, dazu Sonnenbrillen und Mundschutzmasken, die in diesem Video wohl eher zu Modezwecken verwendet werden als zum Schutz vor Corona. Gemeinsam mit Schulfreund Dousey und der gesamten Crew von Munichgotsauce geht es dann tanzend durch das nächtliche München.

Oswaldvv rappt auf Französisch. Somit ergeben sich gleich zwei seltene Besonderheiten für die Münchner Musikszene: Rap und Französisch.

Geboren ist Julien in der französischen Schweiz. Seit zehn Jahren lebt er mit seiner Familie in München und macht dort 2017 sein Deutsch-Französisches Abitur. Erste Schritte als eigenständiger Rapper folgen im Jahr nach seinem Abschluss, bei seinem besten Freund in Kanada. Die beiden basteln erste Tracks.

Das Faible fürs Musikmachen nimmt Julien wieder mit nach München - zu den Hip-Hop-Opentracks im Bahnwärter Thiel. Er übt sich weiter im Freestyle und schreibt erste Songs. Von Anfang an bekommt er musikalische Unterstützung, zwei befreundete Producer aus Kanada arbeiten mit ihm. Festlegen auf eine musikalische Richtung möchte er sich trotzdem ungern. Er ist jung, flexibel und experimentierfreudig. Momentan macht er Trap. Hauptsächlich inspiriert wird er dafür von Musikern wie den französischen Rappern Retro X und Freeze Corleone. "Die Rap- und Trap-Szene in Frankreich ist sehr fortschrittlich", sagt er.

Sein Sound klingt nach einer Mischung aus Club-Beats mit Autotune-Gesang, wie die Tracks von Deutschrapper RIN, gepaart mit tranceartigen, teilweise orientalisch anmutenden Elementen wie beim Hip-Hop-Duo TripleGo. Dazu ein Hauch Bösewicht-Flair, wie der französische Rapper Soolking ihn hat, und Texte, die ähnlich sinnfrei sind wie die von Yung Hurn. Vor Trap haben ihn aber auch andere Musikstile beeinflusst, Oldschool-Hip-Hop, aber auch Heavy Metal. "Ich bin immer an einem Wechsel interessiert", sagt er.

Über einen Wechsel denkt er auch bezüglich seines Künstlernamens Oswaldvv nach. "In Frankreich hat Oswald so eine Besonderheit. Da klingt der Name nach wildem Genie. In Deutschland eher nach dem komischen Onkel", sagt Julien. Gut möglich, dass Oswaldvv sich deswegen demnächst zu Ghostboy umbenennen wird.

Auch die nächste Veröffentlichung ist bereits geplant. In den kommenden Wochen wird ein weiteres Musikvideo folgen.

© SZ vom 25.05.2020

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