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Band der Woche:Duo Frizzante & Samuele Inverno

Das Münchner Gespann lässt die Italodisco wieder aufleben

Von Johanna Schmidt

In den vergangenen Wochen und Monaten wurden Wohnzimmer zu Bühnen, Schlafzimmer zu Proberäumen und Balkone zu DJ-Kanzeln. Die Band Kannheiser ließ ihre Fans online am Songwriting teilhaben und über Songs, an denen weitergearbeitet werden soll, abstimmen, Elena Rud und viele andere gaben Livestream-Konzerte über Instagram oder Youtube. Plötzlich spielte sich das komplette musikalische Treiben in den eigenen vier Wänden ab.

Gregor Sandler und Cosima Weiske haben eine Band gegründet - auch das in der Corona-Zeit, innerhalb der eigenen vier Wände. Cosima, die man als Teil der Dark-Wave-Kombo Elvis de Sade kennt, und Gregor, der zum einen Mitglied der Band Zoo Escape, aber auch solo als GrGr unterwegs ist, wohnen gemeinsam in einer WG. Aus gemeinsamen Jam-Sessions und - wie Gregor sie bezeichnet - "nicht ganz so nüchternen Abenden" entstand dann vor einigen Monaten das Duo Frizzante. Auch vor Corona haben die beiden schon ab und zu gemeinsam Musik gemacht. So entstanden schnell erste Songs wie "Cyborg Dating", die die musikalischen Einflüsse von Cosima und Gregor verbinden. Die teils düstere Schwere der Songs löst sich dabei auf in einer tanzbaren Leichtigkeit. Es klingt nach einem elaborierten Experiment.

Doch die Band blieb nicht lange ein Duo. Mit Mitbewohner Samuele Inverno kam ein weiteres Bandmitglied hinzu und so wurde aus Duo Frizzante kurzerhand Duo Frizzante & Samuele Inverno . Auch Samuele war vorher schon bei der ein oder anderen Jam-Session dabei und ist nun Sänger sowie Texter der Band. "Manchmal geht er einfach kurz in sein Zimmer und kommt mit fertigen Lyrics wieder", sagt Cosima.

Die Band verortet ihren Sound in den Genres Dark-Wave und Italo-Disco. Was zunächst als ungewöhnliche Kombination anmutet, war für die drei ein logischer Schritt im musikalischen Schaffen. Und es ist auch in der Szene, in der sie sich bewegen, keine Ausnahme. "Auf Partys Goths zu sehen, die mit einem Getränk in der Hand zu Disco-Songs tanzen, sind keine Seltenheit", sagt Cosima. Und auch Gregor mischt diese Genres, wenn er selbst als DJ auflegt.

Doch nicht nur im musikalischen Bereich haben die unterschiedlichen Einflüsse einen positiven Nebeneffekt: Auch das WG-Leben sei seit Bandgründung harmonischer geworden. "Wenn wir gemeinsam im Nightliner unterwegs wären, könnte es vielleicht irgendwann ein bisschen anstrengend werden", gibt Cosima zu bedenken. Doch wissen alle drei, dass es bis dahin wohl noch ein bisschen dauert. Wenn Corona überstanden ist, wollen sie erst einmal gemeinsam auf die Bühne. Als Sänger etwas Neues für Samuele, der sonst eher als Poetry-Slammer vor einem Publikum auftritt.

© SZ vom 06.07.2020

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