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Band der Woche:Dirty Red Bandanas

Beeinflusst von Janis Joplin bezeichnen die Dirty Red Bandanas ihren Stil als Indie-Pop

Von Anastasia Trenkler

In den Fünfzigerjahren trugen es Rocker, in den Sechzigern Hippies: Das Bandana hat in der Popkultur eine lange Tradition — ursprünglich stammt es jedoch aus dem Hindi und wird im Deutschen mit dem Wort "binden" übersetzt. Frauen verwendeten es als Untertuch für ihren Hidschab, um so auf die Stirn fallende Haare zu verbergen. Im Laufe der Zeit etablierte sich das Stofftuch mit Paisleymuster dann in westlichen Subkulturen. Es gilt als Erkennungsmerkmal der Rebellen und der Andersartigen: Beispielsweise erzählte Hippie-Ikone Janis Joplin in ihrer Version des Country-Songs "Me and Bobby McGee" die Geschichte zweier Landstreicher, die ihre Mundharmonika stets in einem "dirty red bandana" aufbewahren.

Ihr Lied inspirierte eine junge Band aus München rund 45 Jahre später zu ihrem Namen: Dirty Red Bandanas bezeichnen ihren Stil heute als Indie-Pop. Kennengelernt haben sie sich jedoch bei einem Singer-Songwriter-Workshop. Von Anfang an war das rote Bandana eine Art Markenzeichen: Noch bevor die Band einen Namen hatte, trugen die Musikerinnen eher zufällig das Stofftuch bei ihren ersten Auftritten. Dann war da noch Joplins Song - seitdem ist es Bestandteil ihrer Musikvideos und das Accessoire der Künstlerinnen bei Konzerten. Erst zu dritt und später zu sechst spielten die Münchnerinnen in Locations wie dem Bahnwärter Thiel, dem Import Export und dem Feierwerk. "Dort wollten wir das Release unserer zweiten EP feiern", sagt Gitarristin Liv Hesse. Ihr Konzert im April musste die Band jedoch coronabedingt absagen, die EP-Veröffentlichung um einige Wochen verschieben. Ende Mai ist ihr zweites Mini-Album "Stereo Types" erschienen. "Die EP ist gewissermaßen ein bunter Mix, kein Lied ist wie das andere", sagt Liv. Die Band bleibt ihrem alten Stil treu - einem Mix aus sanften Balladen und rockigem Indie-Pop. Neu sind die elektronischen Einflüsse in Songs wie "Fill In" oder "Sleep Paralysis" - ein Lied, das in Teilen an den Flüster-Gesang von Billie Eilish erinnert.

Die EP zeigen die Entwicklung der Band "von eher akustischem Songwriting zu Synthesizern und E-Gitarren". Ihre neuen Songs klingen professioneller, gewissermaßen auch erwachsener. Den ein oder anderen Scherz erlauben sich die Musikerinnen dennoch: "Wir haben in jedem Song das Wort 'cheese' untergebracht. Der Begriff ist nicht gerade poetisch und wir fanden die Idee irgendwie lustig", sagt Liv. Wie es in Zukunft mit der Band weiter gehen soll, möchten die Musikerinnen diesen Sommer entscheiden. Die meisten von ihnen schreiben im Moment ihre Abiturprüfungen. Einige überlegen danach, in andere Städte zu ziehen - so wie Veronika Sattler, die ehemalige Bassistin der Band. Gerne würden sie zukünftig auch in anderen Städten auftreten. Zuerst möchten sie aber ihr geplatztes Release-Konzert nachholen.

© SZ vom 15.06.2020

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