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Bahnhofsviertel:Marktschreier in der Goethestraße

Blick in die Goethestraße in München, 2010

In der Goethestraße und der Umgebung gibt es zahlreiche Obst- und Gemüsehändler - und vielleicht bald einen Wochenmarkt?

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Der Münchner Verein Südliches Bahnhofsviertel würde gerne einen lebendigen Straßenmarkt nach Wiener Vorbild in der Innenstadt schaffen. Das Kreisverwaltungsreferat steht dem Projekt aufgeschlossen gegenüber - und auch im Stadtrat gibt es Fürsprecher.

Von Thomas Anlauf

Auf dem Brunnenmarkt im Wiener Gemeindebezirk Ottakring lässt es sich handeln wie auf einem Basar. Während der berühmte und trendige Naschmarkt jährlich Tausende Touristen anlockt, geht es auf einem der letzten Wiener Straßenmärkte beinahe orientalisch zu. Mehr als 170 Holzbuden werden täglich von den Händlern auf- und wieder abgebaut, es gibt nicht nur ein fast unüberschaubares Angebot an Obst und Gemüse, sondern auch marktschreierische Sockenverkäufer und Würstel- und Kebabstände.

Ein lebendiger Straßenmarkt wie in Wien - das schwebt auch dem Verein Südliches Bahnhofsviertel mit ihrem Vorsitzenden Fritz Wickenhäuser vor. Und auch die Grünen im Stadtrat fordern nun einen solchen Markt, immer samstags in der Goethestraße. Das Kommunalreferat steht solchen Ideen aufgeschlossen gegenüber. "Wir würden so etwas begrüßen", sagt Referatssprecher Bernhard Plank. Das Kreisverwaltungsreferat geht sogar einen Schritt weiter: Ein Konzept für einen in München bislang einzigartigen Straßenmarkt wird noch dieses Jahr dem Stadtrat vorgelegt.

Der Markt bietet die Möglichkeit, "unser Viertel positiv darzustellen"

Schon seit der Gründung des Vereins Südliches Bahnhofsviertel vor dreieinhalb Jahren schwebt "vor allem den türkischen Geschäftsfreunden" in der Goethestraße ein wöchentlicher Straßenmarkt vor, sagt Wickenhäuser. In der jüngsten Mitgliederversammlung vor wenigen Tagen sei das Thema wieder auf der Tagesordnung gestanden.

So ein Markt wäre eine gute Möglichkeit, "unser Viertel positiv darzustellen", meint Wickenhäuser, der in der Schwanthalerstraße das Best Western Hotel Cristal betreibt. Ihm schwebt weniger "ein türkischer Viktualienmarkt" vor, was einige Obst- und Gemüsehändler vorgeschlagen hatten. Derartiges gebe es ja bereits in Form der Wochen- und Bauernmärkte in der ganzen Stadt. Wickenhäuser will vielmehr den Händlern und Handwerkern in der Gegend die Gelegenheit geben, sich prominent zu präsentieren. Es gebe im südlichen Bahnhofsviertel in den Hinterhöfen "viele Betriebe, die ein verstecktes Dasein führen", argumentiert Wickenhäuser.

Wie so ein Wochenmarkt umgesetzt werden kann, ist dem Ehrenpräsidenten des Bundes der Selbständigen noch nicht ganz klar. Die ehrenamtlichen Mitglieder seines Vereins können die logistische Herausforderung wohl kaum stemmen. Er hofft auf eine städtische Lösung. Die will auch Paul Bickelbacher von den Münchner Grünen erzielen. Er schlägt vor, dass die Stadt gemeinsam mit dem Verein Südliches Bahnhofsviertel und Anliegern nach einem möglichen Konzept für einen Straßenmarkt sucht. Zudem wollen die Grünen, dass die geltenden Richtlinien für Veranstaltungen auf öffentlichen Straßen in der Altstadt, dem Lehel, der Isar-, Ludwigs- und Maxvorstadt so geändert werden, dass künftig auch in der Goethestraße "am Samstagvormittag wöchentlich oder monatlich ein Straßenmarkt ermöglicht wird".

Eine Art Basar nach Wiener Vorbild

Prinzipiell stehe das Kommunalreferat, das auch für die Markthallen München zuständig ist, der Idee "nicht vollkommen ignorant gegenüber", so Referatssprecher Plank. Bei einem reinen Obst- und Gemüsemarkt in der Goethestraße stelle sich allerdings "die Frage nach der Sinnhaftigkeit". Denn in der Gegend gibt es bereits Gemüsehändler mit zum Teil weit ausladenden Ständen vor den Läden. Etwas anderes wäre eine Art Basar nach Wiener Vorbild. Vor zwei Jahren hatte sich Plank in Wien über das dortige Marktkonzept informiert, nicht nur am Naschmarkt. Der große Unterschied zu München sei jedoch, dass für den Brunnenmarkt, der montags bis freitags von 6 bis 18.30 Uhr und samstags von 6 bis 14 Uhr stattfindet, die Straße komplett für den Verkehr gesperrt ist - was natürlich die Wiener Autofahrer wissen.

Fritz Wickenhäuser ist klar, dass die Idee von einem Straßenmarkt noch "ein zartes Pflänzchen" ist, aber "träumen darf man ja". Doch so utopisch ist der Plan vom Basar gar nicht, wie Daniela Schlegel vom Kreisverwaltungsreferat bestätigt. Das Referat sei ohnehin gerade dabei, die städtischen Veranstaltungsrichtlinien neu zu konzipieren. "In diesem Zusammenhang greifen wir auch die Idee des Straßenmarkts auf", sagte Schlegel der SZ. Bis Ende des Jahres will das KVR dem neuen Stadtrat, den es dann gibt, ein entsprechendes Konzept vorlegen.

© SZ vom 12.03.2014/wolf
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