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Armut in München:Ausgaben für Hartz IV steigen

Hartz IV

In München sind nur 11,7 Prozent der Kinder - beziehungsweise deren Eltern - auf Hartz IV angewiesen.

(Foto: dpa)

Während in Berlin 20,8 Prozent der Haushalte von Hartz IV leben, kommt München nur auf 6,3 Prozent. Allerdings verzeichnet die Stadt deutschlandweit die höchsten kommunalen Durchschnittsausgaben je Hartz-IV-Haushalt. Schuld sind die hohen Unterkunfts- und Heizungskosten.

Von Sven Loerzer

Der Anteil der Bevölkerung Münchens, der auf staatliche Unterstützungsleistungen angewiesen ist, liegt in München weitaus niedriger als in anderen Großstädten. Während in Berlin die Quote der Hartz-IV-Bezieher im vergangenen Jahr bei 20,8 Prozent lag, kam München nur auf 6,3 Prozent. Das ist sogar noch erheblich weniger als beim wirtschaftsstarken Stuttgart (8,1 Prozent).

In allen 16 Großstädten, die an dem Vergleich teilnehmen, ist der Anteil der Hartz-IV-Bezieher im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen als Folge der günstigen wirtschaftlichen Entwicklung. In München fiel der Anteil sogar überdurchschnittlich stark, betont Sozialreferentin Brigitte Meier (SPD) in ihrem Bericht für den Sozialausschuss am Donnerstag. Damit zahle sich das Engagement der Stadt aus, die mit ihrem kommunalen Beschäftigungsprogramm weit über die Leistungen anderer Städte hinausgehe. Rund 73.000 Menschen in München bezogen Hartz IV, darunter fast 21.000 Kinder und Jugendliche. Nimmt man die Sozialhilfe dazu, benötigten insgesamt 90.500 Bürger staatliche Unterstützung zum Lebensunterhalt, 1,9 Prozent weniger als im Vorjahr.

Als weniger erfreulich wertet Brigitte Meier die Entwicklung, dass immer mehr Hartz-IV-Bezieher bereits länger als zwei Jahre auf diese Leistung angewiesen sind. Zwar ist der Anteil mit 52,8 Prozent in München geringer als in allen anderen Großstädten, die im Schnitt auf 59,7 Prozent kommen, aber gegenüber dem Vorjahr sind das fast acht Prozent mehr. Das Hamburger Unternehmen "con_sens", das im Auftrag der Großstädte den Vergleich erarbeitet, sieht in der in allen Städten steigenden Zahl der Langzeitbezieher ein Indiz dafür, "dass vorwiegend diejenigen Personengruppen mit Vermittlungshemmnissen im Leistungsbezug verbleiben". Sie seien nur "mit deutlich höherem Aufwand an Zeit, Geld und Know-how in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren". Der Bund will jedoch auch im nächsten Jahr und somit im dritten Jahr in Folge die Eingliederungsleistungen erneut absenken.

Weiterhin verzeichnet München die höchsten kommunalen Durchschnittsausgaben je Hartz-IV-Haushalt. Sie sind um zehn Euro auf nun 482 Euro monatlich gestiegen und liegen damit deutlich höher als in Frankfurt (456 Euro) und Stuttgart (427 Euro). Die Sozialreferentin führt dies vor allem auf die hohen Unterkunfts- und Heizungskosten in München zurück.

Nach wie vor ist der Anteil der Kinder bis 15 Jahre, die im Hartz-IV-Bezug leben, mehr als doppelt so hoch, wie der in anderen Altersgruppen. In allen Städten ist die Quote der Kinder, deren Eltern Hartz IV erhalten, gesunken. In München ist sie am niedrigsten: 11,7 Prozent (Vorjahr: 12,3 Prozent). In Berlin dagegen muss jedes dritte Kind mit seinen Eltern von den knapp bemessenen Hartz-IV-Sätzen auskommen.

© SZ vom 4.12.2012/wib
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