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Arabellapark:Eine gute Ergänzung

Pläne für neues Hochhaus stoßen im Stadtrat auf Wohlwollen

Von Dominik Hutter

Natürlich hängt alles noch davon ab, wie der Turm architektonisch gestaltet wird. Allein an der geplanten Höhe von 115 Metern aber dürfte das neue Hochhaus nicht scheitern - zumindest nicht im Stadtrat. Die auf einem früheren Siemens-Areal an der Richard-Strauss-Straße geplante Zentrale der Bayerischen Versorgungskammer, einer Behörde des Freistaats, stößt im Rathaus prinzipiell auf breite Zustimmung. "Wir können uns gut ein Hochhaus vorstellen, das die 100-Meter-Marke knackt", erklärt CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl, und auch sein SPD-Kollege Alexander Reissl hält das Projekt für eine gelungene Ergänzung des bereits vorhandenen Hochhaus-Ensembles am Arabellapark. FDP-Fraktionschef Michael Mattar findet den Standort gar "hervorragend".

Bauchschmerzen äußern lediglich die Grünen - allerdings nicht wegen des Hochhauses an sich, sondern wegen des Bürgerentscheids von 2004, der die Höhe neuer Gebäude strikt auf 100 Meter begrenzte. Ein solches Votum habe "so viel Relevanz, dass ich es nicht einfach gekippt sehen möchte", mahnt Fraktionschefin Katrin Habenschaden. Darüber sollten die Münchner lieber selbst befinden: durch einen neuen Bürgerentscheid. Den könnte theoretisch auch der Stadtrat einleiten.

Der nun geplante Neubau in Bogenhausen ist das erste Projekt, das die 2004 beschlossene Höchstmarke übersteigt. Bei der Mehrheit des Stadtrats gilt sie schon seit längerem als nicht mehr relevant - die gesetzliche Bindungswirkung ist vor vielen Jahren abgelaufen, und der mit knappen 50,8 Prozent durchgedrückte Vorstoß des früheren Oberbürgermeisters Georg Kronawitter (SPD) hatte im Rathaus von jeher nur wenige Freunde. Allerdings hat seit damals auch kein Investor entsprechende Pläne vorgelegt. Bis jetzt. Der Stadtrat soll im Oktober die Eckdaten für einen Architektenwettbewerb beschließen.

Reissl plädiert dafür, dies auch ohne neuen Bürgerentscheid zu tun. Das Votum von 2004 sei längst verfallen, der Stadtrat könne abwägen, ob der Bauplatz für ein höheres Gebäude geeignet sei. "Man sollte es nicht übertreiben", findet auch Mattar. Der Bürgerentscheid liege viele Jahre zurück. Damals habe es in München kein Bevölkerungswachstum gegeben, die Situation sei inzwischen völlig anders. "Wenn jemand dagegen ist, kann er ja einen Bürgerentscheid organisieren".

Dagegen sind auch die Grünen nicht. Habenschaden fand den Bürgerentscheid seit jeher "spießig". Angesichts der Platznot in München sei es "selbstverständlich attraktiv, in die Höhe zu gehen". Zumal eine bessere Ausnutzung der Flächen Raum für zusätzliches Grün schaffen könne. "Es geht nicht um die Metergrenze", erklärt die Politikerin. Es gehe um "Funktionalität, Örtlichkeit, Anbindung und Architektur". Auch Oberbürgermeister Dieter Reiter zeigt sich seit Jahren offen für architektonisch interessante Hochhauspläne. Ohne neuen Bürgerentscheid.

An ein anderes, ebenfalls längst abgelaufenes Bürgervotum fühlt sich die SPD hingegen gebunden: das Nein zur dritten Startbahn von 2012. Diesem Projekt will Reiter nur zustimmen, wenn die Zahl der Flugbewegungen steigt - und wenn die Münchner in einem neuen Bürgerentscheid mit Ja abstimmen.

© SZ vom 13.07.2018

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