Kneipe Maxvorstadt "Alter Ofen" Auf Omas Sofa

Seit 35 Jahren kommen Münchens Studenten in den "Alte Ofen". Sie fläzen sich auf durchgesessenen Sofas und essen die vielleicht beliebtesten Fleischpflanzerl der Stadt.

Von Pia Röder

Das Sofa rechts vorne in der Ecke ist schon ziemlich durchgesessen. Wen wundert's nach 35 Jahren, in denen täglich Dutzende darauf Platz genommen haben. Die Polster sind aus königsblauem Samt, die Füße aus geschwungenem, dunklem Holz - ganz wie zu Omas, nein zu Uromas Zeiten. Aber um das Sofa soll es uns nicht gehen. Vielmehr um den alten Jugendstil-Ofen gleich daneben, das Wahrzeichen des "Alten Ofens" in der Zieblandstraße 41.

Alter Ofen, Lokale Größe Fleischpflanzerl, gibts täglich um 22,30 Uhr

(Foto: Florian Peljak)

1973 steckte Joachim Moyzischewitz eigentlich mitten im Staatsexamen, als er die herunter gekommene Kneipe entdeckte. Damals lag sie noch in der Schellingstraße 130. "Das Gebäude war völlig vergammelt und wir haben es wieder hergerichtet", erzählt Moyzischewitz. Etliche Lagen Tapete kratzte er zusammen mit Kommilitonen von den Wänden. Schön sah es nach der Komplettsanierung aus - ein adrettes Jugendstilgebäude. Einziges Manko: Die Heizung fehlte.

Damals - noch vor den Zeiten von Internetauktionshäusern - musste man inserieren, um an geeignetes Interieur zu kommen. Anzeigen hat auch Moyzischewitz aufgegeben und kurze Zeit später stand das Prunkstück in der Ecke: ein patinagrüner Jugendstil-Ofen mit opulenten Metallverzierungen. Passende Möbel fanden sich ebenso durch Annoncen und schon war das Lokal fertig eingerichtet - und vor allem endlich beheizt.

"Mit einer Kommune hatte das hier nichts zutun"

Die Karriere vom angehenden Juristen zum Kneipier, also quasi vom Millionär in spe zum Gläserwäscher, ist im ersten Moment nicht unbedingt nachvollziehbar. "Eine Kneipe von der ich auch etwas verstehe, krieg' ich schneller voll als eine Kanzlei", dachte sich Moyzischewitz damals. Das Know-How dafür sammelte er fast ausschließlich bei seinen eigenen abendlichen Kneipen-Touren. "Man geht nun mal öfter in Lokale und dann kennt man das ja."

Fünf Jahre schenkte er im Alten Ofen aus, bevor das alte Gebäude abgerissen werden sollte. Ersatz fand sich 500 Meter weiter in der Zieblandstraße. Früher kamen hauptsächlich Studenten dorthin. Aber eine Kommune sei die Kneipe trotz ihres Rufs nie gewesen. "Die Studenten früher waren einfach politischer als heute, man hat sich ausgetauscht. Aber mit einer Kommune hatte das hier nichts zu tun", sagt Moyzischewitz.

Studenten werden älter, machen Examen, heiraten. Susanne Iglesias, Tochter von Joachim Moyzischewitz und seit 15 Jahren Besitzerin des Alten Ofens, erinnert sich noch an die ein oder andere Feierlichkeit in der Bar: "Es ist schön zu sehen, dass hier Leute, die man durch Studium und Examen begleitet hat, hier auch Hochzeit feiern." Gerade die, die sich keine großen Feste leisten können, kommen hierher. "Solche netten Feiern gibt's öfter bei uns: Examen, Hochzeiten, Scheidungen", fügt Vater Moyzischewitz zynisch hinzu - Juristenhumor. Moyzischewitz kommt noch oft in den Alten Ofen - inzwischen als Gast.

Wenn man es nicht weiß, kommt man nicht her

Obwohl mitten in der Maxvorstadt gelegen, ist der Alte Ofen alles andere als typisch münchnerisch. Eine Kneipe nach Berliner Vorbild soll es sein. Damals war das noch deutlicher als heute: Es gab Pils statt Helles, Buletten statt Haxn. "Heute bieten wir natürlich alles an. Die Leute verlangen das so", sagt Susanne Iglesias. Die Buletten, oder hier Fleischpflanzerl genannt, sind die Spezialität des Alten Ofens. Abends um halb elf, kurz bevor die Küche schließt, gibt es die warm auf die Hand - mit Senf und Brot. "Es kommen viele extra wegen der Fleischpflanzerl zu uns", sagt sie.

Das ist nicht selbstverständlich, denn das Lokal liegt etwas ab vom Schuss mitten in einer Wohngegend. Weit und breit ist keine andere Bar oder Restaurant zu sehen. Wenn man es nicht weiß, kommt man nicht her. Der Alte Ofen habe aber sein Stammpublikum, weiß die Besitzerin - Leute aus der Nachbarschaft, Studenten sowieso.

"Gerade bei schlechtem Wetter ist es abends hier voll. Glücklicherweise gehen nicht alle jungen Leute in die Münchner Schicki-Micki-Kneipen. Sie denken sich: das ist mein zweites Wohnzimmer, da fühl' ich mich wohl und da geh' ich mit meinen Freunden ein Bier trinken", sagt Moyzischewitz.

An ein Wohnzimmer erinnert besonders die Ecke rechts vorne, die mit dem alten, durchgesessenen Sofa. "Da muss mal ein Neues her", sagt Susanne Iglesias. "Ich hab da schon ein nettes auf Ebay gesehen." Die Suche nach neuen Möbeln läuft im Jahr 2008 etwas anders als damals 1973.

Alter Ofen, Zieblandstraße 41, 80798 München, Telefon: 089/527 527