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Adam Green in der Freiheizhalle:Der Suff nach dem Zoff

Aus Adam Green ist ein zerknirschter, leiser Singer-Songwriter geworden - so klingt zumindest sein neues Album. Live präsentiert er sich ganz anders: Rockig, zappelig - und betrunken.

So schön kann Scheidung klingen. Nachdenklich. Eindringlich. Zauberhaft. Adam Green hat sein jüngstes Werk "Minor Love" betitelt, sein "Scheidungsalbum", wie er sagt. In den filigranen Songs des New Yorker Sängers habe er all den Mist der vergangenen Jahre verarbeitet: den Bruch mit der Frau, die Drogen, die Depression. Aus dem gefeierten Anti-Folk-Burschen ist ein zerknirschter, leiser Singer-Songwriter gereift, was die Platte zu einer seiner besten macht und ihm Vergleiche mit der Intensität eines Lou Reed einbrachte.

Das Konzert zum Album bietet noch größere Überraschungen. Denn statt Melancholie zu vertonen, sparsam arrangiert und dennoch dicht, zelebriert der 28-Jährige den Suff nach dem Zoff. Adam Green gibt den überdrehten Frontmann einer Indie-Rockband, die er nicht hat.

Eine Band gibt es schon, eine gute sogar, nur hat es den Anschein, als wollten die Kollegen an Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboard dem Amokkurs des Herrn Green nicht so recht folgen. Wie ein Kobold in der Lederjacke springt er auf die Bühne der Freiheizhalle, zappelt und zuckelt und tanzt sich enthemmt durch ein Programm aus alten und neuen Songs, die ungewöhnlich hart, rockig und schlampig daherkommen, was hauptsächlich an dem Sänger liegt.

Er vergisst Texte (oder dichtet sie schlüpfrig um), verpasst Einsätze, und seine sonst so atemberaubend ruhige und großväterlich tiefe Stimme übt sich zuweilen im Kippen und Lallen. In seiner Wurschtigkeit, die an Respektlosigkeit grenzt, erinnert Adam Green an den Rüpelrocker Pete Doherty. Immer wieder schüttet er Bier in oder über sich, stürzt sich ins Publikum, das er eben noch beleidigt hat, oder bietet den Mädchen aus der ersten Reihe nasse Küsse an, die dafür BHs geben.

Die musikalischen Höhepunkte sind rar in der Freiheizhalle. Er schafft es sogar, die reizenden Lieder "Give Them A Token" und "Boss Inside" durch Schlampereien zu verhunzen. Dabei hätte er gerade in den seltenen ruhigen Momenten - nur er und die Gitarre - seine Songwriter-Stärken prima ausspielen können.

Lediglich die Katharsis am Ende trägt ein wenig zur Versöhnung bei, als er sich in einem furiosen Medley ziemlich überzeugend zum druckvollen Konzerthöhepunkt hochjazzt und dabei noch die Musiker der Vorband Jukebox The Ghost einbindet.

Aber am Gesamtbild ändert das nichts. Der Crooner, der er mal war, ist er nicht mehr; den Singer-Songwriter lässt er auch vermissen. Adam Green ist betrunken.