Abschied vom Nockherberg "Das war's dann"

Singspiel-Autor und Westerwelle-Double Holger Paetz nimmt Abschied vom Nockherberg.

Von Wolfgang Görl

Am Donnerstagabend, nach der Salvatorprobe auf dem Nockherberg, nahm Singspiel-Autor Holger Paetz noch Glückwünsche für ein gelungenes Programm entgegen, und niemand ahnte, dass dies der Abschied des Mannes aus dem Kreis der Derblecker sein würde. "Das war's dann", sagte Paetz am Wochenende.

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Seit 1998 war er als Autor und Guido-Westerwelle-Double dabei, von nun an möchte er sich wieder auf sein Solo-Kabarett konzentrieren. Und möglicherweise steht dem Derblecken eine zweite Neuerung ins Haus: Die aus der Not geborene Terminierung des Spektakels auf 19 Uhr hat so großen Anklang gefunden, dass die Verantwortlichen überlegen, auch künftig die Salvatorprobe zu einer Abendveranstaltung zu machen.

"Es war ein schöner Abschluss", resümierte Paetz das Salvator-Singspiel 2009, das den Titel "Die Helden von Burg Nockherberg" trug. In der Tat hatten sowohl die derbleckten Politiker als auch die übrige Freibier-Prominenz dem Ritterspiel jede Menge Lob gezollt, und als ganz besonders gelungen feierte man den Auftritt des blasierten "Freiherrn von und zu Schuldenberg", in dessen Maske der Schauspieler Stefan Murr eine mittelalterliche Version des Bundeswirtschaftsministers Karl-Theodor zu Guttenberg verkörperte.

Paetz selbst bot als Märchenprinz Guido ein fulminantes Gesangsduett mit Königin Angela, bei dem er mit allen Mitteln der Selbstbeweihräucherung um die Gunst der Herrscherin warb - genau wie in der richtigen Politik.

Der Kabarettist Holger Paetz war vor elf Jahren erstmals als Westerwelle-Double auf dem Nockherberg zu sehen. Bereits ein Jahr später gehörte er zum Autorenteam des Singspiels, zu dem seinerzeit noch Ude-Darsteller Uli Bauer, Franz Messner und Christian Springer (heute Co-Autor der Bußpredigt) zählten. In den letzten Jahren schrieb Paetz das Singspiel alleine, lediglich Uli Bauer steuerte einige Texte bei. "Das kostet sehr viel Zeit, und es blockiert meine eigenen Projekte."

Diese will Paetz jetzt wieder in den Vordergrund stellen. Auch als Westerwelle werde er nicht mehr auftreten. "Ich bin komplett raus". Dass es hinter den Kulissen nicht immer harmonisch zuging, deutet Paetz an: "Ich habe heftige Diskussionen miterlebt, und manchmal hat es mich auch genervt, dass dabei so viele Leute mitquatschen."

Wer seinen Job als Singspielautor übernimmt, steht noch nicht fest. Wie Birgit Zacher, Pressesprecherin des Salvator-Spektakels, mitteilte, werde die Organisatoren von der Paulaner-Brauerei zunächst noch einmal mit Paetz reden und gegebenenfalls so bald wie möglich einen Ersatz suchen.

Auch in Sachen Abendtermin stehen Zacher zufolge Diskussionen bevor. Traditionell ist das Derblecken eine Vormittagsveranstaltung, die Bußpredigt beginnt um Punkt elf Uhr. Wie berichtet, war die Salvatorprobe in diesem Jahr wegen des Amoklaufs von Winnenden um drei Wochen verschoben worden, und zwar auf einen Abendtermin.

Die Live-Übertragung im Bayerischen Fernsehen lockte 1,4 Millionen Zuseher an, aber auch die Politiker tun sich mit einer abendlichen Veranstaltung leichter. "Die Stimmung ist entspannter, und keiner hat einen Anschlusstermin", sagt Birgit Zacher. Ob die Starkbiersause auch künftig am Abend stattfinden wird, müssen die Paulaner-Spitze und die BR-Verantwortlichen unter sich ausmachen.

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