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Abercrombie & Fitch in München:Warum die Marke immer weniger beliebt ist

Dann wiederum ist zu vernehmen, Abercrombie & Fitch habe an einem Samstag im Dezember 170 000 Euro Umsatz gemacht. Belegen lässt sich das kaum: Eine Aussage darüber, wie die Geschäfte in München laufen, will das Unternehmen nicht treffen. Informationen wie diese sind schwer zu bekommen, die Mitarbeiter in dem Münchner Store dürfen keine Auskünfte erteilen. Bei der Pressestelle in Amerika ist immerhin in Erfahrung zu bringen: "Wir beabsichtigen derzeit nicht, das Geschäft zu schließen."

Hört man sich unter jungen Münchnern um, wird die Marke, die so gerne den kalifornischen Lebensstil inszeniert, obwohl das Unternehmen in Ohio sitzt, schon länger nicht mehr für cool befunden. Geschadet hat dem Image offenbar auch die von Ex-Chef Jeffries getätigte Aussage, wonach nur die hippen, gut aussehenden Kids seine Sachen tragen sollten.

Der 21-jährige Valentin, der sich am Marienplatz mit einer Freundin trifft, sagt jedenfalls, dass Abercrombie & Fitch vor allem aus diesem Grund in seiner Gunst gefallen sei. Hollister finde er besser, aber nicht sehr viel. Felix Obermeier winkt auf die Frage, ob ihm Abercrombie & Fitch gefalle, hingegen ab. Markennamen auf der Kleidung zu tragen, sei nicht sein Ding. Auch seien die Sachen seines Erachtens zu teuer. "Überhaupt macht mich die ganze Aufmachung der Marke nicht an", sagt er.

Gerüchte zu Abercrombie & Fitch gibt es viele

Auch Teresa Karrer und Nina Stangl bummeln an diesem Tag durch die Stadt, in ihren Händen halten sie Tüten der spanischen Modekette Zara. Vor fünf Jahren habe sie sich zwei Hosen von Abercrombie & Fitch gekauft, allerdings in London, sagt die 19-jährige Stangl. "Doch als es dann jeder getragen hat, hat es mich nicht mehr interessiert." In dem Münchner Store sei sie bis heute nie gewesen, noch nicht einmal, als der Laden ganz neu gewesen sei, sagt die Auszubildende. "Allein, dass man sich da angeblich anstellen muss, hat mich gestört."

Die Studentin Tatjana Schaetzler scheint hingegen das Marketingkonzept nicht sonderlich zu begeistern: "Die bezahlen sogar Leute dafür, dass sie mit Abercrombie & Fitch-Tüten durch die Stadt laufen", sagt sie. Das habe sie jedenfalls gehört.

Gerüchte dieser Art gibt es eine ganze Menge. "Manches ist wahr, vieles ist überzogen", sagt ein junger Mann, der zweieinhalb Jahre in Berlin und Frankfurt für das amerikanische Unternehmen gearbeitet hat und mittlerweile in München lebt. Seinen Namen will er nicht sagen. Dass etwa ausschließlich Models dort arbeiten dürften, wie es oftmals heiße, könne er nicht bestätigen. Trotzdem spiele Attraktivität eine Rolle, sagt er.

In Frankfurt seien er und seine Kollegen regelrecht auf "Mitarbeiterfang" gegangen, indem sie auf Studentenpartys oder in Cafés attraktive Leute gefragt hätten, ob sie für Abercrombie & Fitch arbeiten wollten. Das habe anfangs noch gut funktioniert. Später sei es dann schon deutlich schwieriger gewesen. "Da war fast eine Abneigung gegen die Marke spürbar."

© SZ vom 03.01.2015/mmo
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