33 Jahre Heppel & Ettlich:Eine Institution verabschiedet sich

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Das Heppel & Ettlich hat seinen 33. Geburtstag gefeiert - und gleichzeitig seinen letzten. Im August wird die legendäre Theaterkneipe schließen.

Lisa Sonnabend

Diese eine Szene beschreibt Henny Heppel und Wolfgang Ettlich treffend. Am Montagabend feierten sie den 33. Geburtstag ihres Lokales Heppel & Ettlich. Um 21 Uhr bahnen sie sich einen Weg durch die Menge zur Bühne. "Erst wollten wir zehn Euro Eintritt verlangen", sagt Heppel. "Aber eigentlich müssen wir Euch ja einladen." Deswegen haben sie sich am Montag kurzerhand umentschlossen und doch keinen Eintritt verlangt. Erbsensuppe mit Brot gab es sogar umsonst. "Wir sind nicht gerade Großkapitalisten", hatte Wolfgang Ettlich einmal zu sueddeutsche.de gesagt. Und das ist sicherlich ein Grund, warum das Heppel & Ettlich 33 Jahre so beliebt war.

Heppel & Ettlich

Eine Institution macht zu: Nach 33 Jahren wird das Heppel & Ettlich schließen.

(Foto: Foto: sonn)

Auf der Geburtstagsfeier ist es gerammelt voll im Heppel & Ettlich. Viele sind gekommen, um Abschied zu nehmen. Denn die beiden Wirte geben ihr Lokal auf. Zu anstrengend sei es ihnen im Lauf der Jahre geworden. Eine Institution der 68er in München wird dann verschwinden.

Alt-68er Hein ist seit langem wieder einmal in das Lokal gekommen. Anfang der Siebziger war er fast jeden Abend hier gewesen. "Wir waren alle ziemlich links und haben nächtelang durchdiskutiert", erinnert er sich. "Doch verändert haben wir gar nichts." Ulrike mag das Flair im Heppel & Ettlich. Auch sie kommt schon seit den Siebzigern. Die Stimmung hier und die Einrichtung seien ganz anders als in den Lokalen, die es heutzutage gibt.

Johanna, die in den Siebzigern im Heppel & Ettlich gekellnert hat, ist wohl zum letzten Mal hier. "Es war eine schöne Zeit damals", sagt sie. In Dreierreihen seien sie hinter der Bar gestanden. Um sich kurz auszuruhen, musste man auf die Toilette gehen. Doch traurig über das Ende sei sie nun nicht. "Alles geht einmal vorbei."

Eigentlich wollten Heppel und Ettlich im Mai schließen. "Jetzt machen wir doch bis August weiter", geben sie auf der Bühne bekannt. Die Gäste jubeln. Eine weitere Gnadenfrist von drei Monaten. Und auch ein richtiges Abschiedsfest wollen die beiden noch geben: "Unser Straßenfest machen wir noch." Da soll richtig die Post abgehen, versprechen sie. Wer die Theaterkneipe dann übernehmen wird, ist noch ein Geheimnis. Der Namen wird mit dem jetzigen Lokal untergehen. "Die Erinnerungen aber werden bleiben", sagen die beiden Betreiber.

Heppel und Ettlich hatten sich Ende der fünfziger Jahre in Berlin kennengelernt. 1968 zogen sie gemeinsam in eine WG nach München. Der Film "Zur Sache Schätzchen" mit Uschi Glas hatte sie neugierig auf die Stadt gemacht. Die Studenten erhofften sich hier ein freies, ungezwungenes Leben. Erst eröffneten sie die Kneipe Jennerwein, 1976 dann das Heppel & Ettlich. Künftig wollen sie vielleicht das Theater in den Räumen des Theater 44 weiterführen.

Auf der Geburtstagsfeier zeigt der Dokumentarfilmer Ettlich einen Kurzfilm über die Entstehung der Theaterkneipe. "Irgendetwas klappt ja immer nicht bei uns", sagt Ettlich, als er versucht, den Film über die Entstehung des Lokals zum Laufen zu bringen. Es bleibt also die vage Hoffnung, dass auch bei der Schließung des Lokales wieder etwas dazwischen kommt.

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