Profil:Ajelet Schaked

Lesezeit: 2 min

Man nennt sie Eisprinzessin: die Königsmacherin der israelischen Politik.

Von Peter Münch

Kühl blickt sie auf die Welt, mit der Ratio als oberstem Ratgeber. Der Ehemann hat ihr den Kosenamen "Computer" gegeben, die beste Freundin darf sie "Roboter" nennen, und in den israelischen Medien firmiert sie als "Eisprinzessin". Ajelet Schaked weiß all das zu schätzen und zu kultivieren. Denn erstens will die 46-Jährige noch hoch hinaus in Israels Politik, und zweitens weiß sie, dass so etwas wie Gefühlsduselei dabei nicht hilfreich ist.

Der jüngste Kollaps der Regierungskoalition hat die amtierende Innenministerin nun gleich doppelt ins Rampenlicht gerückt: Vom abgetretenen Premierminister Naftali Bennett, der eine Pause von der Politik einlegen will, soll sie die Führung der rechten Jamina-Partei übernehmen. Sie wird dort einen Kampf ums Überleben führen müssen, um all jene Wähler zurückzugewinnen, die sich wegen des Bündnisses mit Linken und Arabern abgewandt haben. Doch wenn sie diesen Kampf besteht, dann dürfte sie nach der Neuwahl am 1. November zur Königsmacherin avancieren und das rechts-religiöse Lager um Benjamin Netanjahu wieder zurück an die Macht führen.

Dass ihr Herz politisch weit rechts schlägt, will sie nach eigenem Bekunden bereits im Alter von acht Jahren erkannt haben. Im links-liberalen Tel Aviv, wo sie aufwuchs und bis heute mit ihrem Mann und zwei Kindern lebt, ist das gewiss nicht selbstverständlich. Doch eine gut gepflegte Rätselhaftigkeit scheint zum Erfolgsrezept von Ajelet Schaked zu gehören, die als säkulare Frau im chauvinistischen national-religiösen Milieu ihre Erfolge feiert.

In die Politik kam sie nach einem Informatik-Studium und ersten Berufserfahrungen im Hightech-Sektor. Ziehvater war niemand anderes als Netanjahu, als dessen Büroleiterin sie 2006 anheuerte. Dort traf sie auch auf Naftali Bennett, der dort als Stabschef angestellt war. Das gemeinsame Gastspiel dauerte nur zwei Jahre, vielen Berichten zufolge soll Netanjahus einflussreiche Gattin Sara die Demission der beiden betrieben haben.

Bennett und Schaked rächten sich mit dem Austritt aus dem Likud und der Übernahme einer rechten Siedlerpartei, für die sie 2013 erstmals ins Parlament einzogen. Die Partei erlebte ein paar Häutungen, doch für Schaked ging es im Tandem mit Bennett politisch meist nur bergauf. Von 2015 bis 2019 amtierte sie als Justizministerin und bewies an jedem einzelnen Tag, dass ihre rechten Parolen kein hohles Pathos sind. Zu spüren bekamen das Asylbewerber ebenso wie linke NGOs. Als Hauptgegner aber nahm die Justizministerin die Justiz ins Visier, die ihr insgesamt zu liberal und linkslastig erschien.

In jener Zeit traf sie auch auf den damaligen deutschen Amtskollegen Heiko Maas, der später ins Außenamt wechselte, aber Schaked in treuer Freundschaft verbunden blieb. Sie nutzte diese Freundschaft unter anderem, um Maas in diplomatische Schwierigkeiten zu bringen bei einem gemeinsamen Hubschrauberflug. Der führte auch über das besetzte Westjordanland - und das ist für deutsche Politiker in israelischer Begleitung eigentlich ein protokollarisches Tabu. So habe Maas mal sehen können, wie klein das Land sei, sagte hinterher Schaked, die eine Teilung dieses kleinen Landes mit den Palästinensern strikt ablehnt.

Nur widerwillig ist sie im vorigen Jahr gemeinsam mit Bennett in die bunte Koalition aus rechten, linken und einer arabischen Partei eingetreten. Auch sie ist dafür von früheren Fans als Verräterin beschimpft worden. Aber sie war clever genug, sich stets eine Hintertür offen zu halten und sich in der Regierung als Innenministerin weiter mit rechten Parolen zu profilieren. Das dürfte ihr nach der Wahl den Schwenk zurück in eine vom Likud geführte Koalition erlauben. Auch dort hat sie noch viele Freunde, und manche sehen sie sogar schon irgendwann einmal als Erbin Netanjahus.

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