Sars-CoV-2:Je mehr wir es lassen

Lesezeit: 1 min

Die Corona-Fallzahlen steigen wieder, anstatt abzunehmen. Das kommt nicht überraschend - und die Konsequenz daraus ist klar.

Kommentar von Christina Berndt

Wochenlang haben die Corona-Fallzahlen abgenommen, nun biegt sich die Kurve der Inzidenzen wieder nach oben. Die fünfte Welle will einfach nicht aufhören - und das, obwohl der 20. März, an dem die meisten Corona-Maßnahmen aufgehoben werden sollen, so nah ist. Manch einer in der Ampelkoalition mag jetzt überrascht sein, manch querdenkender Bürger vermutet schon statistische Sabotage, mit deren Hilfe die versprochenen Freiheiten hinausgezögert werden sollen. Doch in Wahrheit kommt der Kurvenverlauf keineswegs überraschend.

Schon vor Wochen hat der Expertenrat der Bundesregierung gemahnt, dass die fünfte Welle kein nahes Ende finden, sondern sich noch einmal in die Länge ziehen könnte. Und Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) warnte jüngst zu Recht vor einer Sommerwelle. Die Gründe dafür sind vielfältig: Zahlreiche Corona-Maßnahmen wurden bereits gelockert, naturgemäß nehmen Ansteckungen dadurch zu. Eine neue Lässigkeit hat das Land ergriffen, weil sich das Gefühl breitgemacht hatte, Infektionen seien in der Omikron-Welle ohnehin nicht mehr so schlimm. Der Ukraine-Krieg hat die Aufmerksamkeit für das Virus zusätzlich geschrumpft. Wegen des Mangels an zuverlässigen Tests dürften viele Menschen, ohne dass sie es wissen, das Virus in sich und zu anderen tragen. Und schließlich hat mittlerweile eine neue Sars-CoV-2-Variante übernommen: Das Virus der Stunde heißt BA.2, es ist eine Sublinie von Omikron, in vielen Eigenschaften ähnlich, aber etwa 1,4-mal so ansteckend. All das trägt zu den Fallzahlen bei.

Die Politik sollte die Kurve weiterhin gut im Auge behalten, bevor sie weitere Lockerungen beschließt. Denn der Umschwung kommt zu einer Zeit, da die Zahl der täglichen Corona-Toten auf relativ hohem Niveau verharrt. Zudem steigt die Zahl der Infizierten in den vulnerablen Altersgruppen. Auch wenn das Virus angesichts des Kriegs zweitrangig wirkt: Es ist da. Und es wird umso stärker, je mehr wir es lassen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema