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Brasilien:Und dann Plan B

Brasiliens Präsident mag angeschlagen wirken, erst recht nach dem spektakulären Rücktritt der Armeeführung. Doch bei Bolsonaro muss man immer mit dem Schlimmsten und Brutalsten rechnen.

Von Christoph Gurk

Anfang dieser Woche schien es ernst zu werden für Jair Bolsonaro. Die gesamte Armeeführung war zurückgetreten, aus Protest gegen die Entlassung des Verteidigungsministers und die Politik des Präsidenten. Dessen Macht begann zu wackeln, so sah es aus. Das Militär ist einer seiner wichtigsten Stützen. Doch Bolsonaro wäre nicht Bolsonaro, hätte er nicht einen Plan. Und wenn der aufgeht, dann ist Brasiliens Präsident stärker als je zuvor. Der Preis dafür aber wäre hoch.

Dazu muss man wissen: Bolsonaro steht tatsächlich unter Druck, wegen der Pandemie, der Wirtschaft, der erstarkten Opposition. Brasiliens Präsident versucht darum, sich abzusichern: Zunächst will er sich mit Posten und Pfründen die Hilfe des mächtigen Zentrumsblock im Parlament kaufen und so einem Amtsenthebungsverfahren vorbeugen. Sollte dies misslingen, braucht Bolsonaro aber einen Plan B. Und der könnte sein, Männer mit Waffen um sich zu scharen, seien es loyale Anhänger oder das Militär.

Schon zuvor hat Brasiliens Präsident in politisch schwierigen Zeiten mit dem Einsatz der Armee geliebäugelt. Bislang verurteilte der Verteidigungsminister solche undemokratischen Vorstöße stets. Dieser ist nun aber weg, zusammen mit der Armeeführung. Die Frage ist nun: Wird es Bolsonaro gelingen, die Stellen mit ihm ergebenen Militärangehörigen zu besetzen? Von der Antwort könnte die Zukunft des Präsidenten abhängen - aber auch die der brasilianischen Demokratie.

© SZ
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