Aktuelles Lexikon:Qualifikant

Wer nicht zum erlauchten Kreis der Top-Spieler im Tennis gehört, muss durch Treibsand gehen.

Von Thomas Gröbner

Und dann meldete sich auch noch die Queen: Sie zweifle nicht daran, dass Emma Raducanu eine ganze Generation inspirieren werde, ließ Elizabeth II. ausrichten. Tennisfieber im Buckingham Palace? Da muss etwas Außergewöhnliches passiert sein. Tatsächlich war die 18-jährige Britin über die Konkurrenz bei den US Open regelrecht hinweggefegt, sie triumphierte in New York als erste Qualifikantin bei einem Grand-Slam-Turnier. Ein Kunststück, das bisher noch keinem Mann gelungen ist.

Denn der Weg für die ungesetzten Spieler jenseits der Top 100 ist kraftraubend wie Treibsand. In einem Turnier vor dem Turnier spielen 128 Qualifikanten um die begehrten 16 Startplätze beim Grand Slam. Lange war das nicht sonderlich gut entlohnt, und die Reise war meist schnell wieder vorbei. Das Preisgeld reichte oft kaum, um den Flug und das Hotel zu bezahlen, und die Qualifikanten dienten den ausgeruhten Tennis-Millionären als Aufwärmgegner. Inzwischen ist die Schere kleiner geworden, sportlich wie finanziell: Eine Spielergewerkschaft setzt sich ein für eine gerechtere Verteilung der Preisgelder, bei den US Open wurde das Salär des Siegers zugunsten der Qualifikanten gekürzt. 75 000 Dollar hatte Raducanu für die Qualifikation erspielt, bevor sie reihenweise die großen Namen schlug. Am Ende verdiente sich die Teenagerin 2,5 Millionen US-Dollar Preisgeld. Und eine Nachricht der Queen.

© SZ/mp
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