Afghanistan:Spielball der Mächte

Pakistan, Indien, Russland, China - sie alle mischen in dem Land am Hindukusch mit. Natürlich alle aus unterschiedlichsten Motiven. Das verheißt nichts Gutes für die Zukunft dieses multiethnischen Staates.

Von Tobias Matern

Der Titel klingt lustig. Aber das Great Game (große Spiel) war für Afghanistan immer schon das Gegenteil. Das Land erlebt seit Jahrhunderten die Einflussnahme externer Mächte: Als Puffer im 19. Jahrhundert für das koloniale Ringen zwischen Briten und Russen, als Schauplatz für den Konflikt im Kalten Krieg zwischen Sowjets und Amerikanern. Und auch die zu Ende gegangene westliche Intervention lässt ungelöste Fragen zurück: Wie lässt sich der multiethnische Staat Afghanistan im Kern zusammenhalten? Und wie lässt sich der Einfluss externer Akteure minimieren?

Die Anrainer sind nach dem vom Westen hinterlassenen Sicherheitsvakuum aktiver denn je, und sie führen wenig Gutes im Schilde: Die Atommächte Pakistan und Indien richten ihre Afghanistan-Politik entlang ihrer Erzrivalität aus. Da ist es aus pakistanischer Perspektive verlockender, starke Taliban statt einer zumindest in Ansätzen demokratisch orientierten, indienfreundlichen Regierung als Nachbarn zu haben.

China fürchtet einen erstarkenden Islamismus und ein Ausstrahlen ins eigene Land, Russland sorgt sich wegen Drogenrouten, Flüchtlingen und dem Einsickern von Terroristen in der Nachbarschaft. Das nun von vielen Akteuren betriebene Great Game - für Afghanistan ist es kein Spiel, sondern die Überlebensfrage.

© SZ/kus
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