bedeckt München 17°
vgwortpixel

Zum Tod von Peter Scholl-Latour:Von Arabellion bis Brüssel

Dazu die Bücher, die er schrieb, oft genug waren es Bestseller: "Allah ist mit den Standhaften", "Der Wahn vom Himmlischen Frieden", "Das Schwert des Islam", "Unter Kreuz und Knute" - die Liste ist ziemlich lang, manche haben die Bücher verschlungen, andere wollten sie erst gar nicht in die Hand nehmen. So oder so zeigt allein ihre Zahl, dass da einer bis zum Schluss weiterarbeiten wollte, sowohl als Journalist als auch als Mensch nie die Neugier auf das Leben verlor.

Und dann natürlich die Talk-Shows: Für konträre Meinungen, gepaart mit einem meist souveränen Auftreten und dem obligatorischen Halstuch im Kragen war er immer gut. Kein Sender wollte auf den deutschen Fernseh-Kriegsgott und Monsieur Nahost verzichten: Scholl-Latour war überall dabei, bei den Konflikten in Afghanistan, Tschetschenien und dem Irak, beim Arabischen Frühling. Er reiste sogar nach Syrien, in den Palast des Diktators Baschar al-Assad.

Scholl-Latour gab sich als Realist sowohl in Sachen Diktatur als auch beim Freiheitskampf ("Mit Ganoven verstehe ich mich gut"), machte aus seiner harschen Einschätzung der jüngsten arabischen Geschichte keinen Hehl: Er warnte als einer der ersten vor einer Fehlentwicklung der Arabellion, nannte Diktatoren wie den Syrer Assad ("von denen gibt es viele") immer noch besser denn einen Bürgerkrieg mit 170 000 Toten.

Peter Scholl-Latour Der Hecht im Teich
Nahostexperte Peter Scholl-Latour

Der Hecht im Teich

Im Islam, so wird gesagt, gebe es drei Glaubensrichtungen, Sunna, Schia und Scholl-Latour: Der Journalist Peter Scholl-Latour wurde 90 Jahre alt - nun ist er gestorben. Über einen Mann, dem es stets gelang, sich das Vertrauen der großen Machthaber in Nahost zu sichern.   Von Rudolph Chimelli

Das waren Äußerungen, mit denen er aneckte. Aber Scholl-Latour kannte und verstand den Islam und die Kultur drum herum sehr gut und machte daher keinen Hehl aus seiner Ablehnung islamistischer Ideen. Auch bei anderen Themen wurde er deutlich: Die europäische Politik in der Ukraine kommentierte er mit einem "Fuck the EU" und an Washingtons Adresse gewandt wetterte er: "Die Amerikaner müssen vom Völkerrecht reden! Wer Leute mit Drohnen ermorden lässt!"

Aufschneider war er keiner, aber so wirklich rundum bescheiden auch nicht. Seinen 90. Geburtstag im März hat er noch gefeiert und nicht vergessen, in einem Interview dazuzusagen, dass Angela Merkel und Helmut Schmidt ihm gratuliert haben. Es wird ihn gefreut haben, dass er bei dieser Gelegenheit auch klar stellen konnte, dass er nun wirklich so ziemlich alle Staaten dieser Erde bereist habe: "Vielleicht fehlen noch ein paar Riffe im Pazifik, ein paar kleine Inseln in der Karibik."

Peter Scholl-Latour starb am Samstag mit 90 Jahren nach einer schweren Krankheit in Rhöndorf am Rhein.