ZDF:Sehnsucht nach Markus Lanz

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Die Lars Reichow Show

Ganz alte Schule: Aushilfsgastgeber Lars Reichow.

(Foto: Pascal Amos Rest/ZDF)

Lars Reichow, der im Sommer beim ZDF ein paar Wochen einspringen darf, ist die perfekte Urlaubsvertretung: Man wünscht sich glatt die Interviews von Markus Lanz zurück.

Von David Denk

Es gibt wenige traurigere Geräusche als vereinzeltes Klatschen, das nicht zum Applaus wird, kümmerlich verendet wie eine angefahrene Katze im Straßengraben.

Erst recht, wenn tosender Applaus angebracht gewesen wäre, ausnahmsweise.

Aus Gründen, die niemand versteht, mutmaßlich nicht mal er selbst, hat Sidekick Wolfgang Trepper, der sich wohl als Komiker bezeichnen würde, in der Lars Reichow Show vom Dienstag mit dem Fernsehkoch Mario Kotaska Gerichte aus den 70er Jahren zubereitet, Scheußlichkeiten, die man damals angeblich gegessen hat: Wackelpeter mediterran, Banane mit Schinken, Leberwurst-Ananas. "Und jetzt suchen wir uns nur noch zwei Frauen, die den Krempel hier aufräumen", sagt Trepper am Ende des Einspielers. Moderator Reichow übernimmt und sagt: "Wolfgang Trepper sollte sich mal bitte bei der Frauenbeauftragten des ZDF melden."

Es ist der einzige halbwegs lichte Moment eines Formats, das in dunkler Vorzeit - zum Sendestart 1963? - entwickelt worden sein muss und nun, in der Sommerpause von Markus Lanz, an vier Dienstagen ausgestrahlt wird. Selig sind jene, die nach dem Abend im Biergarten nicht den Fehler machen, noch mal kurz den Fernseher einzuschalten und so von dieser gebührenfinanzierten Gestrigkeit verschont werden.

Der ausbleibende Applaus ist besonders traurig, weil das Studiopublikum ja sonst nicht so wählerisch ist, sogar klatscht, wenn bei einem der unmotiviert zwischen die Talkblöcke gestreuten Spielchen ein Ei unfallfrei in die Pfanne geschlagen wird oder Reichow den Mettigel "auf der Liste der bedrohten Arten" verortet. Selten war der Begriff vom "Klatschvieh" so zutreffend. Getoppt wird die Schmerzfreiheit von Reichows Publikum nur noch von der seiner mediengeilen Gäste. In der dritten Sendung am Dienstag waren das Nelson Müller und Panagiota Petridou zum Thema "Essen und Trinken". Müller, weil er Sterne- und Fernsehkoch ist und die TV-Moderatorin Petridou, weil ihre Eltern früher eine Kneipe hatten. Und die Tochter? "Verabscheut Knoblauch", wie in einer Bauchbindeneinblendung steht. Ja, ist denn das zu glauben, Roswitha, eine Griechin, die keinen Knoblauch mag?! Die Lars Reichow Show lässt nichts unversucht, in deutschen Wohnzimmern Weltbilder ins Wanken zu bringen.

Moderator Reichow, im Hauptberuf "Musikkabarettist", ist eine gute Urlaubsvertretung, gelingt ihm doch das Kunststück, dass man sich die Interviews von Markus Lanz zurückwünscht. Seine Einstiegsfrage: "Nelson, wolltest du eigentlich schon immer Koch werden?" Auch schön: "Viele sagen ja auch nach dem Essen immer: Hmmh, das schmeckt. Und: Ah, toll. Was glaubt ihr, wie viel Wahrheit steckt da drin?" Scheint da leise Skepsis durch, was Reichow auch auf Lob für seine Person geben kann?

Zum Schluss wird gesungen: "Über sieben Gurken musst du schneiden. Über sieben Kilo Knoblauch musst du reiben." Panagiota Petridou singt nicht, sie macht Würgegeräusche. Wegen des Knoblauchs. Warum auch sonst?

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