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Veronica Ferres:"Für die Nerven ist das sicher gut"

König von Deutschland

Ungewohnt bieder und trotzdem auf Abwegen: Ferres als Ehefrau des durchschnittlichsten Deutschen auf Erden (Olli Dittrich).

(Foto: ZDF und Felix Novo de Oliveira)

Ehefrau auf Abwegen an der Seite von Olli Dittrich: Die Schauspielerin spricht über Normalität im Film und im Leben - und über ihre neue Rolle als Spießertussi in "Der König von Deutschland".

Veronica Ferres, Grande Dame des deutschen Befindlichkeits- und Quotenfernsehens, spielt an der Seite von Großkomiker Olli Dittrich eine Ehefrau auf Abwegen. Ferres und Dittrich, das ist auf jeden Fall eine ungewöhnliche Konstellation. König von Deutschland von David Dietl, eine Satire über den durchschnittlichsten Durchschnittsbürger, lief 2013 im Kino. Jetzt zeigt das ZDF den Film im Kleinen Fernsehspiel.

SZ: Frau Ferres, wie durchschnittlich sind Sie?

Veronica Ferres: Vom normalen Tagesablauf sehr durchschnittlich: Wie jede Mutter stehe ich morgens früh auf, mache Frühstück, bringe mein Kind zur Schule. Bei den Essgewohnheiten hört der Durchschnitt bereits auf, Schnitzel mit Pilzsoße ist nicht mein Lieblingsgericht. Und ich brauche sicherlich länger im Badezimmer als der Durchschnitt.

"Normal ist doch gut", sagen Sie als Sabine Müller im Film. Stimmt das?

Normalität hat etwas mit Gewohnheit zu tun, mit Sicherheit. Alles, was normal ist, regt einen nicht auf, für die Nerven ist das sicher gut. Nur Normalität würde aber auch keiner von uns ertragen. Wir Künstler brauchen Ausschläge nach oben und unten in der Skala und sehnen uns gleichzeitig nach Normalität.

Im deutschen Fernsehen sind Sie bekannt für eine bestimmte Figur: die normale Frau, die sich von den Heftigkeiten des Lebens nicht unterkriegen lässt. Sabine Müller dagegen ist eine gelangweilte Ehegattin, die ihren Mann verrät. Haben Sie Ihre eigene Rollennormalität durchbrochen?

Das ist kein Beweggrund für mich, eine Rolle anzunehmen. Für mich ist nur wichtig, dass ich zwei, drei Monate meines Lebens in einen Film investieren will. Es ist generell oft spannender, die Böse zu spielen. Meine angeblich einseitige Rollenwahl ist eine populäre Kritikermeinung, aber wer sich meine Biografie wirklich anschaut, merkt, dass die Meinung falsch ist.

Für diesen Film haben Sie sich auch äußerlich unscheinbar gemacht, das sieht man bei Ihnen selten.

Es erfordert Mut, so eine Rolle zu spielen, schon wegen der Maske und Kostüme, aber ich habe Spaß daran, auch unvorteilhaft auszusehen, mir Falten ins Gesicht schminken zu lassen, die hässliche Perücke und die biederen Klamotten anzuziehen. Ich fand es richtig, um mich glaubwürdig zu verwandeln. Ich habe sogar immer noch mehr gewollt, der Regisseur hat mich irgendwann zurückhalten müssen.

Was da wohl Ihre Fans dazu sagen?

Das Publikum verzeiht mir auch schlimme Sachen, sogar wenn ich in einem Film grundlos Menschen erschieße.

Sie sagten vor dem Kinostart in einem Interview, Sie würden "Prügel für diese Spießertussi kriegen". War es so?

Wenn man ein gewisses Erwartungsprofil in der Öffentlichkeit hat, dann wollen die Leute einen oft darin sehen. Ich weiß, dass ich großes Drama kann. In den Neunzigern hatte ich die größten Kinoerfolge mit Rossini, Das Superweib, Schtonk! oder Voll normaaal. Es hat sehr viel Spaß gemacht, mal wieder eine Komödie zu drehen, noch dazu eine gesellschaftskritische Satire, in der die Deutschen auf eine liebevolle Art und Weise kritisiert werden, in der es aber noch um viel mehr geht.

Rossini und Schtonk!, Ihre großen Kino-Erfolge, haben Sie mit Ihrem ehemaligen Lebensgefährten Helmut Dietl gedreht, beim König von Deutschland führte sein Sohn David Regie. War das nicht komisch?

Nein, wir kennen uns natürlich sehr gut und vertrauen uns, das war eher hilfreich. Bei den Leseproben haben wir uns zu zweit tagelang in einen kleinen Raum zurückgezogen und an jeder Betonung gefeilt. Das war sehr fordernd und spannend.

Der König von Deutschland, ZDF, 20.15.

© SZ vom 20.08.2015
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