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Verlag in der Krise:Mehrere Bistümer favorisieren Verkauf

So einigten sich die Bischöfe 2012 auf eine Stiftungslösung: Jeder überführt seine Anteile und muss sich nicht mehr ums operative Geschäft kümmern, ein Aufsichtsratschef, gestellt von der Kirche, wacht übers Verlagsprogramm. Ausgedacht wurde die Idee im Erzbistum München-Freising; der Münchner Kardinal Reinhard Marx, mit 13,2 Prozent der größte Anteilseigner, setzte sie durch, sein Generalvikar Peter Beer wurde Aufsichtsratschef.

Bis heute allerdings gibt es diese Stiftung nicht. Unter der Führung des Erzbistums Köln favorisieren nun offenbar drei weitere Bistümer doch den kompletten Verkauf. Bleiben sie bei dieser Haltung, stellt sich mal wieder die Grundsatzfrage für den Weltbild-Verlag.

Die Motive der Stiftungs-Gegner sind vielschichtig: Kölns Kardinal Joachim Meisner misstraute schon immer der Versicherung, dass es künftig keine Sex- und Pendel-Literatur mehr geben werde. Anderen ist die starke Stellung des Münchner Erzbistums und Erzbischofs nicht recht. Und die Frage, ob die katholische Kirche in dieser Weise weltliche Unternehmerin sein soll, kann man ja tatsächlich auch verneinen.

"Die reden mal so und mal so"

Kardinal Marx und sein Generalvikar Beer argumentieren dagegen mit der Verantwortung, die die Bistümer als Eigentümerinnen der Weltbild-Gruppe nun einmal hätten - eine Kirche, die 6800 Mitarbeiter am Ende einer Heuschrecke überantwortet, das gehe nicht. Beide reizt aber auch der Gedanke, einen der größten und bekanntesten deutschen Buch- und Medienhändler zu nutzen, um mit größtmöglicher Breitenwirkung und Marktmacht in die Gesellschaft hinein zu wirken.

Ob es Marx gelingt, die zögernden Bistümer zu überzeugen, ist offen, "die reden mal so und mal so", sagt ein Insider. Berichte, dass Weltbild gar die Insolvenz drohe, weil die Banken angesichts dieser Unsicherheit kein Geld mehr geben würden, hat der Verlag empört zurückgewiesen, doch es liegt auf der Hand, dass die Institute ungern Kredite an ein Unternehmen geben, dessen Besitzer sich gegenseitig blockieren. Auch das werden Marx und Beer klar zu machen versuchen.

Die Gewerkschaft Verdi hat sich ebenfalls an die Bischöfe gewandt: Der Umbau müsse "ohne Personalopfer" gelingen, fordert sie. Das klingt nicht ganz so nett wie der Brief vom Betriebsrat aus Augsburg.

© SZ vom 25.09.2013/cag
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