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TV-Kritik:Mit offenem Visier

Armin Rohde und Axel Prahl stehen sich in Lars Beckers "Der gute Bulle" als Ermittler und Verdächtiger gegenüber. Der Film dürfte noch härter sein.

Er bellt es auch in diesem Film mehrfach heraus durch seinen kaum geöffneten Mund: dieses kurze, harte, trockene Axel-Prahl-Lachen. Es ist ein Ihr-habt-sie-doch-nicht-mehr-alle-Lachen; triumphierend einerseits und doch einen Moment der Ohnmacht überspielend. So lacht jemand, der sich im Recht wähnt und doch am kürzeren Hebel sitzt. Axel Prahl ist in Der gute Bulle aber nicht, anders als im Münsteraner Tatort, der rechtschaffene Kommissar - diese Rolle fällt hier Armin Rohde zu. Prahl spielt stattdessen einen Mann, der verdächtigt wird, ein pädophiler Kindsmörder zu sein. Aus einem sarkastischen wird so ein zynisches Lachen - sollte sich der Verdacht tatsächlich bewahrheiten. Mit dieser Ungewissheit spielt Lars Becker (Buch und Regie) in seinem Krimi.

Den Ermittler Fredo Schulz (Rohde) hat dieser Roland Bischoff mit seinem derbsüffisanten Lachen bis zur Weißglut gereizt. Eine Ohrfeige, eine Suspendierung: Schulz ist erst einmal raus. Bischoff wehrt sich vehement gegen den Verdacht, er kann die behauptete Unschuld aber nicht beweisen. In Ruhe gelassen wird er also nur, wenn er seine Gegner aus dem Verkehr zieht. Seine Strategie ähnelt der Polizeitaktik: Er provoziert die Ermittler zu Fehlern. Schulz und Bischoff sind sich in diesem Punkt ebenbürtig. Armin Rohde und Axel Prahl einander in der physischen Wucht ihrer Darstellung auch. Sie spielen zwei Männer, die explosiv sind, willensstark und berechnend, aber auch labil. Die sich, ohnehin schon waidwund, ineinander verbeißen. Das funktioniert gut, weil die Figuren wie auch die Schauspieler einander ebenbürtig sind.

Der gute Bulle

Diesmal der Gute: Armin Rohde als Kommissar Fredo Schulz, der einen Kindsmörder sucht.

(Foto: ZDF/Stephanie Kulbach)

Der Film beginnt, als ein drittes Mädchen verschwindet und Fredo Schulz deshalb in den Dienst zurückgeholt wird. Die Handlung nimmt mindestens drei rasante Wendungen, und auf Nebenschauplätzen der Ermittlungen treten einige spannende Figuren auf: Gaby Dohm macht Bischoffs Mutter zu einem raffinierten Biest. Melika Foroutan und Max Simonischek als Eltern der Verschwundenen geben ein rätselhaftes Nicht-Paar ab. Und Thomas Lawinky spielt einen der Ermittler als feindseliges Alter Ego von Fredo Schulz.

Dominiert aber wird Der gute Bulle von den Rechnungen, die Schulz und Bischoff noch wechselseitig miteinander offen haben - und die sie nun ein für alle Mal begleichen wollen. Unversehrt, das wird schnell klar, werden beide aus der Sache nicht herauskommen. Und die Gefahr, dass auch Dritte bezahlen müssen, ist erschreckend groß. Dem Film, der immerhin auf dem Münchner Filmfest lief, hätte es gutgetan, wenn er noch konsequenter, noch härter wäre. Aber er geht dann doch nur gerade so gut aus, dass er seine inhaltlichen Qualitäten nicht vollständig in einem tröstenden Happy End opfert.

Der gute Bulle, ZDF, 20.15 Uhr.