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TV-Kritik:Lob des Kerns

Die Satiresendung "Extra 3" ist dank eines Lieds über den türkischen Präsidenten gerade so bekannt wie nie. In Hamburg hat der NDR am vergangenen Mittwoch den 40. Geburtstag der öffentlich-rechtlichen Sendung gefeiert.

So bekannt wie jetzt war das NDR-Magazin Extra 3, das gerade seinen 40. Geburtstag feiert, noch nie. Das liegt vor allem an dem dort im März erstmals gesendeten Spottlied "Erdowie, Erdowo, Erdowan". Fast elf Millionen Mal wurde das Stück - inklusive der türkisch untertitelten Fassung - mittlerweile bei Youtube angeklickt.

Mit der Popularität gehen die Macher eher selbstironisch um, weshalb sie am Mittwoch in ihrer Jubiläumssendung Prominente präsentierten, die keinen Schimmer haben, was Extra 3 ist: Turn-Olympiasieger Fabian Hambüchen, Ex-Handballstar Stefan Kretzschmar, Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic. Ihre Antworten hatte Reporterin Janin Ullmann auf einer Sportgala eingesammelt.

Am Abend der Geburtstagsshow gab der NDR auch eine Party auf seinem Gelände in Hamburg-Lokstedt. Normalerweise halten bei solchen Anlässen Hierarchen Reden, "aber wir wollten keine Fidel-Castro-Stimmung", so Extra-3-Redaktionsleiter Andreas Lange. Stattdessen plauderte Redakteur Klaas Butenschön mit den Fidels des Hauses: Intendant Lutz Marmor und Programmdirektor Frank Beckmann. Marmor sagte, der "Kern der Sendung" sei "Satire und nicht Quatsch" - wohl eine Reaktion auf die Kritik, der Klamauk-Anteil sei zu hoch. Beckmann lobte, Extra 3 sei online die erfolgreichste Sendung des NDR.

Gerade bei einer Sendung mit solchem Potenzial hätte es nicht ferngelegen, den Geburtstag an einem Ort zu feiern, der mehr Atmosphäre hat als die Behörden-Bauten des NDR. Davon soll es in Hamburg ja zwei oder drei geben.