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Tratschportal von Hubert Burda:Der allerneueste Promitratsch

"Das Boxmonster ist bankrott" oder "Heidi ist zu doof zum Kochen": Hubert Burda hat ein neues, gar nicht so nettes Tratschportal für das People-Prekariat.

Soll niemand sagen, Hubert Burda Media biete seinen Lesern kein buntes Portfolio. An diesem Mittwoch startet Freundin Donna, ein Heft für die Frau ab 45. Laut Verlagsmitteilung unterscheidet sich der Titel von der alten Freundin "durch eine ruhigere und elegantere Optik". Dabei bleibe er aber "im typischen Stil der Freundin-Familie: warmherzig, optimistisch und emotional".

Cameron Diaz, Foto: AFP

Nettes Gerücht oder auch mal gemeiner Tratsch: Über Promis wie Cameron Diaz geht es im neuen Tratschportal.

(Foto: Foto: AFP)

Etwas anders liest sich das Selbstporträt von Vipdip, dem jüngsten Online-Medium des Verlags. Auf dessen Facebook-Seite heißt es: "Das gab's noch nie: Zwei Blogger, eine in L.A., einer in Berlin, schreiben zeitversetzt über Stars und Sternchen und lassen keine Dreckpfütze aus."

Das mit dem Dreck stimmt. Seit zwei Monaten tratscht das Autorenduo Marcel ("hüpft nachts durch die Clubs") und Tina ("lebt den California Dream") über das Leben bekannter Menschen. Wobei Tratsch hier nicht das ist, was das deutsche Publikum gewohnt ist, also den meist dann doch eher gouvernantenhaft-verglucksten Tonfall von Bunte und Gala. Oder Alexander von Schönburgs tägliche Bild-Grüße an seine Verwandten in den internationalen Adelshäusern.

Vipdip, eine sehr bunte Seite mit Palmenbildchen und eingeblendeter Westküsten-Uhrzeit, ist anders. Distanzierter. Aber auf keine gute Weise.

"Das Boxmonster ist bankrott" tickerte Tina am Montag dieser Woche. Es folgte ein 15-zeiliger Bildtext über die Finanznot des früheren Schwergewichtsweltmeisters Mike Tyson. Der wird als "pensionierter Skandalboxer" und "Bettel-Mike" geführt. Wer sich durchs Archiv klickt, entdeckt ein Muster. Vipdip liefert denselben banalen Promitratsch, der überall läuft - "Heidi ist zu doof zum Kochen" (über Heidi Klum), "Cameron übernachtet bei A-Rod" (über Cameron Diaz und den Baseball-Spieler Alex Rodriguez). Nur der Ton, der ist anders.

Als der ehemalige amerikanische Kinderstar Corey Haim (The Lost Boys) im März mit 38 Jahren starb, erschien auf Vipdip folgender Text: "Kein Wunder, dass nicht alle verstorbenen Schauspieler des letzten Jahres in das kleine Gedenkfilmchen bei den Oscars passten, denn nach wie vor scheint es bei den Schönen, Reichen und Bekannten aktuell einen ausgeprägten Trend zum Abkratzen zu geben. Dieses Mal mit am Start: Der kanadische Schauspieler und Kinderstar Corey Haim."

Ob Hubert Burda weiß, was in seinem Verlag als moderner Online-Journalismus gilt? "Zum Charakter jedes Blogs gehört neben der Eigenständigkeit der Autoren auch eine andere Diktion", teilte ein Verlagssprecher auf Anfrage mit. Vipdip werde nicht redigiert wie eine Zeitschrift. Aber es werde "mit den Autoren darüber gesprochen".

Wer nicht mit uns redet, hat seine Ruhe, und wer mit uns redet, darf sich nicht wundern: So lautete die selbstgerechte, aber halbwegs berechenbare Maxime des alten Boulevards. Inzwischen haben Internetbeleidiger wie der Amerikaner Perez Hilton - auf den Vipdip bezeichnenderweise verlinkt - die Maßstäbe ins Bodenlose gedrückt. Da ist der Prominente dann eben das Monster. Und die eigene Bedeutungslosigkeit ist der Antrieb für solche Portale.